Weltumfassender Segen Gottes

Gottesdienst am Sonntag, 16.07.2017

Thema: Weltumfassender Segen Gottes

Predigt: Pastor Jürgen Wiegel

Text: Psalm 67

 

Liebe Gemeinde,

als Predigttext für den heutigen Sonntag lese ich uns im Fortgang der kleinen Auslegungsreihe über das Buch der Psalmen den Psalm 67. Ich lade Sie ein, zur Ehre Gottes noch einmal aufzustehen.

1 Ein Psalmlied, vorzusingen, beim Saitenspiel.
2 Gott sei uns gnädig und segne uns, er lasse uns sein Antlitz leuchten,
3 dass man auf Erden erkenne seinen Weg, unter allen Heiden sein Heil.
4 Es danken dir, Gott, die Völker, es danken dir alle Völker.
5 Die Völker freuen sich und jauchzen, dass du die Menschen recht richtest und regierst die Völker auf Erden.
6 Es danken dir, Gott, die Völker, es danken dir alle Völker.
7 Das [a]Land gibt sein Gewächs; es segne uns Gott, unser Gott!
8 Es segne uns Gott, und alle Welt fürchte ihn! Amen

Was für ein Psalm, was für ein Hit aus alttestamentlicher Zeit! Ich hätte ja gerne auch die Melodie dazu gehört. Aber wir haben wenigstens den Text. Und vom Text her zu urteilen würde dieser Psalm 67 glatt die Nummer eins in der Hitparade der Gotteslieder im Alten Testament machen. Dieses Gottesverständnis, diese Charakterstärke Gottes, diese weltweite Anbetung Gottes, dieses Heil Gottes, das für die ganze Welt zählt und das alle Völker dieser Erde begreifen sollen, IHN erleben sollen, den lebendigen Gott. Einzigartig kann ich da nur sagen. Echt krass. Super. Hätte glatt beim Eurovision Song Contest ganz oben mitmischen können, weil das Lied den Nerv des Lebens trifft. Ich möchte einige Begriffe herausgreifen und umschreiben:

1. Das Gottesverständnis
Ist es nicht verwunderlich, dass der Psalmsänger weiß und proklamiert, dass Gott nicht nur über seinem Volk steht und von diesem seinem Volk Israel geehrt und gepriesen wird, sondern dass Gott über alle Völker erhaben ist und von allen Völkern dieser Erde verherrlicht werden soll? „Gott sei uns gnädig und segne uns, er lasse uns sein Antlitz leuchten, dass man auf Erden erkenne seinen Weg, unter allen Heiden sein Heil. Es danken dir Gott, die Völker, es danken dir alle Völker.“ Was für eine Weitsicht des Psalmsängers! Nicht nur sein eigenes Volk, sondern alle Völker dieser Welt sollen Gott danken und ihn preisen. Er weiß ganz sicher, dass Gott nicht nur ein Gott des jüdischen Volkes ist, sondern dass Gott die ganze Welt erschaffen hat und darum auch alle Völker im Blick hat und über ihnen allen steht. Und alle Völker sollen ihn preisen.

Wir als vom griechischen Denken geprägte Menschen teilen ja immer gerne in Kategorien ein. Und das lieben wir auch in Sachen Glaube und Religion. Und dann gibt es da das Judentum mit dem jüdischen Gott. Und dann gibt es da das Christentum mit dem christlichen Gott. Und dann gibt es da den Islam mit Allah. Und fertig sind wir mit unserm Schubladendenken. Und dann kommen wir von Schublade zu Schublade, und es reicht immer noch nicht. Und dann werden aus Schubladen Schublädchen und aus Schublädchen Schulblädelchen usw. usw. Wir sollten uns davor hüten. Gott ist viel größer als unsere Schubläden in unserm Kopf und ihn können wir nicht fassen. Alle Religionen dieser Welt können ihn nicht fassen. König Salomo betete bei der Einweihung des grandiosen ersten Tempels in Jerusalem: „Alle Himmel Himmel können dich nicht fassen, wie sollte es dann dieses Haus tun.!“ Überraschend ist doch dieses: Wo Gott AM liebsten wohnt, ist in menschlichen Herzen. In deinem und meinem Herzen. So groß ist er – und doch so klein. Wir sind angewiesen darauf, dass er uns nahe kommt, dass er sich uns mitteilt, dass er auf unsere Ebene kommt, dass er als unser Gegenüber, unser DU, erfahrbar wird. Und da kommt nun Jesus Christus ins Spiel, Gottes Sohn. Mit ihm lässt Gott sich ins Herz sehen, meine Lieben. Und dieses Herz schlägt für eine verlorene Welt. Und es schlägt für dich. Und es schlägt für mich. Das ist so faszinierend und so kostbar! Es ist wichtiger, Gott in Jesus Christus zu erfahren als Gott begreifen zu wollen. Gott begreifen schaffen wir nie und nimmer. Gott erfahren geht sehr wohl, in Jesus Christus ist der exzellente Weg dafür aufgezeigt. Besser geht es nicht. Genial und universal. Einzigartig und ausnahmslos für alle. Ein zweites Stichwort möchte ich aufgreifen:

2. Die Charakterstärke Gottes
„Gott sei uns gnädig.“ Das ist der erste Satz dieses Psalms. „Gott sei uns gnädig.“ Und darauf baut alles andere auf. Der Psalmsänger weiß: Gott ist gnädig. Der Psalmsänger weiß: Er braucht Gottes Gnade, er ist abhängig von ihr. Der Psalmsänger weiß auch: Wer zu ihm kommt, dem gewährt er diese Gnade. Gnade kann man nur erfahren, wenn man auf einem Level ist. In Jesus kommt Gott auf unsern Level, und er ist dir in Jesus so gnädig, wie es besser nicht geht. Und Gott wird in Jesus so persönlich, er macht sich zu einer Person, so persönlich wird er. Und deshalb ist dieses Evangelium so kostbar, dass Jesus seine Jünger, seine Nachfolger, seine Liebhaber, damit beauftragt hat, es auf der ganzen Welt auszubreiten. „Weltumfassender Segen Gottes.“ Gott ist persönlich erfahrbar! Warum ist das so wichtig? Nun, Helmut Lamparter deutet es an in seinem Kommentar über Psalm 67, und zwar mit dem Hinweis auf diesen Satz: „Er (Gott) lasse uns sein Antlitz leuchten.“ Dieser Satz stammt ja von dem Aaronitischen Segen, der auch bei uns jeden Sonntag gesprochen wird: „Der HERR segne dich und behüte dich, der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.“ Und nun schreibt Lamparter: „Zunächst ist bei diesem Segen im Alten Testament vornehmlich an die irdischen Gaben und Wohltaten Gottes gedacht. Aus der Hand Gottes wollen sie empfangen sein, vor allem aber bringt schon das Wort „Segnen“ zum Ausdruck, dass der Mensch nicht nur davon lebt, dass ihm Gott seines Leibes Nahrung und Notdurft garantiert. Eine geheimnisvoll wirkende Kraft ist Am Werk, wenn der Priester den Aaronssegen austeilt, den Gott auf sein Volk zu legen befohlen hat. Diese Vorstellung von der geheimen Segensmacht der Götter findet sich in allen Religionen. Die Tatsache, dass sich der lebendige Gott in Israel als ein personhafter Gott bezeugt hat, hat jedoch zur Folge gehabt, dass im Alten Testament dieses ans Magische streifende Verständnis des „Segens“ überwunden wurde. (Und jetzt kommt’s):  An seiner Stelle tritt die Bitte um die personhafte Zuwendung der Huld und Treue Gottes, wie gerade aus dieser einleitenden Bitte unseres Psalms: „Gott sei uns gnädig und segne uns,“ besonders deutlich wird.“  Und zum Ausdruck im aaronitischen Segen „Er lasse uns sein Antlitz leuchten“ schreibt Lamparter: „Das Antlitz Gottes ist der Spiegel seines Herzens. Gottes Gnade und Ungnade lassen sich daran erkennen, ob er sein Antlitz verbirgt oder wie eine Sonne über seinem Volk leuchten lässt. Wenn der Psalmist diese Bitte an den Anfang stellt, so geht daraus hervor, dass ihm an der gnädigen Gegenwart Gottes und an der persönlichen Gemeinschaft mit ihm und nicht nur am Empfang seiner irdischen Gaben gelegen ist“ (Zitatende). Im Alten Testament schon und mit Jesus Christus im Neuen Testament erst recht kommt Gott uns personhaft so nahe, dass wir überhaupt mit ihm kommunizieren können. Und darüber kommen wir dann auch zur Identifikation. Gott identifiziert sich mit uns und wir mit ihm. Das haben wir so bitter nötig! Und das hat die Menschheit so bitter nötig. Wo Gott nicht personhaft gedacht werden kann, da riskiert der Glaube unmenschlich zu werden. Und das vollzieht sich gerade im Islam. Von Gott so personhaft zu denken und zu sprechen ist ein Skandal im Islam. So menschlich kann er nie sein. Und doch brauchen wir Gott so menschlich, meine Lieben, damit wir menschlich miteinander umgehen. Weltumfassender Segen Gottes. Gott macht sich erfahrbar. Gott macht sich klein, damit wir groß werden.

Sie wollen noch ein Beispiel dafür aus der Völkerwelt? Hier ist es:

Die Gottesvorstellung im frühen Burundi: Imana heißt und steht für Gott. Gott hat diese Welt erschaffen. Das war klar, bevor dort Missionare von der Schöpfung aus 1. Mose berichteten. Gott ist allmächtig. Imana kann alles. Wo Imana aber abgeblieben ist, das weiß niemand. Viele Eltern geben ihren Kindern Namen, die den Gottesbegriff „Imana“ enthalten. Z.B. Nsabimana – ich frage Gott. Oder Hatungimana – von Gott versorgt. Oder: Sibomana – Sie sind eben nicht Gott. Imana ist unendlich gut und tut nie etwas Schlimmes. Weil das so ist, sind bzw. waren die Burundier viel mehr mit den Geistern der Ahnen beschäftigt. Die können Böses verursachen und tun. Kiranga wird einer dieser bösen Geister genannt. Und erstaunlicher Weise wird dieser Kiranga stark verehrt mit einem speziellen Kult. Donald Hohensee schreibt in seinem Buch „Church growth in Burundi – Das Wachstum der Kirchen in Burundi“ in seinem Kapitel über die religiösen Vorstellungen und Praktiken in Burundi folgendes: „Wenn alles im Leben glatt geht, die Frau kräftig und in der Lage ist, Kinder zu gebären, die Kinder gesund sind, das Vieh im guten Zustand ist, im Garten wächst es, der Regen fällt rechtzeitig und in guten Mengen, dann wurden sich kaum Gedanken gemacht, die Geister zu verehren oder zu befrieden. ABER wenn ein Unglück hereinbrach oder Krankheit, dann begann man die Geister zu beruhigen mit den entsprechenden Kulten. (Soweit Hohensee).

Wir merken: Gott – Imana – der unendlich Gute und Schöpfergott ist weit weg. Und die Geister werden gefürchtet, wenn Böses auftritt. So ist es fast in allen afrikanischen Gottesvorstellungen. Ganz anders der Glaube des Alten und Neuen Testaments. Ganz ANDERS GOTT im Alten und Neuen Testament. Gott ist personhaft gedacht und kommt auf unsere Ebene. Welch ein Glück! Und der an Jesus Christus Glaubende erfährt ihn als „gnädig und barmherzig,“ ohne dass er etwas dafür leisten muss. Deshalb ist das Evangelium so wertvoll – voller Werte für die ganze Menschheit.

Streifen wir noch ein drittes und letztes:

3. Die weltweite Anbetung Gottes
„Es danken dir Gott die Völker, es danken dir alle Völker. Die Völker freuen sich und jauchzen, dass du die Menschen recht richtest und regierst die Völker auf Erden.“

Der Psalmsänger sieht sie alle im Lobe Gottes stehen. Alle dürfen vor ihn kommen und ihn loben. Alle sind sie eingeladen. Im Alten Testament gab es im Tempel verschiedene Bereiche. Die Juden für sich und die Heiden hatten im Vorhof des Tempels auch ihren Bereich. Aber sie durften sich nicht unter die Juden mischen. Aber sie waren eingeladen, zu kommen. Das war die sogenannte Komm-Struktur für die Heiden. Mit dem Neuen Testament hat sich diese Struktur verändert. Jesus sagt seinen Jüngern: „Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur“ (Markus 16, 15). Das ist Mission. Bis heute. Positiv! Die gute Nachricht von Jesus Christus ausbreiten, damit Menschen aus Angst vor Geistern befreit und von Schuld und Sünde befreit werden. Dafür lohnt es sich in die Welt aufzubrechen. Dafür lohnt sich ein Missionseinsatz in Mosambik, Silas. Du bist auf einem guten Weg. Der Herr sei mit dir! Das wünschen wir dir von Herzen. Weltumfassender Segen Gottes: „Dass man auf Erden erkenne seinen Weg, unter allen Heiden sein Heil.“

Der Jünger Johannes sieht diesen Lobpreis der Völker und schreibt davon in Offenbarung 15, 2 – 4:
2 Ich sah so etwas wie ein Meer, durchsichtig wie Glas. Es hatte den Anschein, als sei es mit Feuer vermischt. An seinem Ufer standen alle, die Sieger geblieben waren über das Tier, die seine Statue nicht angebetet und die Zahl seines Namens nicht angenommen hatten1. In ihren Händen hielten sie Harfen, die Gott ihnen gegeben hatte.
3 Sie sangen das Lied des Lammes. Es ist dasselbe Lied, das schon Mose, der Diener Gottes, gesungen hatte:2 »Groß und wunderbar sind deine Taten, Herr, du allmächtiger Gott! Gerecht und zuverlässig sind deine Wege, du König aller Völker!
4 Wer sollte dir, Herr, nicht in Ehrfurcht begegnen und wer deinen Namen nicht rühmen und ehren? Nur du allein bist heilig! Alle Völker werden kommen und vor dir niederfallen, um dich anzubeten. Denn alle werden erkennen, wie vollkommen gerecht dein Handeln ist!«

Gott danken für das, was er uns ist und für das, was er uns tut. Das ist unsere Aufgabe heute. Und: sein Evangelium der Welt mitteilen, ob hier in Hohnhorst oder in der weiten Welt. Na, dann ran, fröhlich ans Werk.

Amen.

 

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