Was macht mich wirklich reich

Festgottesdienst zu den Konfirmationsjubiläen am Sonntag, dem 27.05.2018

Thema: Was macht mich wirklich reich?

Predigt: Pastor Gero Cochlovius

 Text: Matthäus 9,9-13

 

Liebe Jubilarinnen, liebe Jubilare, liebe Gemeinde,

genau 50 Jahre ist es her. Was denn, Ihre Konfirmation? Ja, sicher, bei den Goldenen Konfirmanden war das so. Aber noch etwas anderes war vor 50 Jahren. Und zwar genau vor 50 Jahren: Am 27. Mai 1968.

Die Idee seines Lebens kommt John Shepherd-Barron an einem Samstagabend in der Badewanne. Ein paar Stunden zuvor war er zur Bank geeilt, um einen Scheck in Bargeld zu wechseln – doch die Filiale hatte bereits geschlossen. Abends in der Badewanne fragt er sich daher: Warum kann man selbst Schokoriegel am Automaten ziehen, bekommt Bargeld aber nur am Bankschalter? Was man bräuchte, denkt Shepherd-Barron, wäre ein Geldautomat. Die Idee des Geldautomaten war geboren! Im Juni 1967 in England, und dann am 27. Mai 1968, heute vor 50 Jahren, nimmt der 1. deutsche Geldautomat in Tübingen den Betrieb auf. Eigentlich eine praktische Sache! Rund um die Uhr – bei inzwischen 60.000 Geldautomaten in Deutschland kannst du Geld holen. Ein junger Mann in Malaysia erlebte etwas sehr Ungewöhnliches: Er wollte einen kleinen Betrag aus dem Automaten holen, doch der Automat hörte gar nicht mehr auf und spuckte einen Schein nach dem andern aus. Insgesamt rund 2000 Euro. Das wäre es doch! Auf diese Weise reich zu werden! Reichtum auf Knopfdruck! Noch besser wäre es, wenn wir auch das Lebensglück am Automaten abholen könnten!

Einer, dem es so ähnlich erging, war Matthäus. Er war einer, der richtig reich war. Er war nämlich Zolleinnehmer in Israel. Und diese Leute gehörten wahrlich nicht zu den Ärmsten! Der hatte sein Glück gemacht. Den wollen wir heute Morgen etwas kennen lernen. Lesen wir dazu seine Geschichte aus Matthäus, Kapitel 9:

9 Und als Jesus von dort wegging, sah er einen Menschen am Zoll sitzen, der hieß Matthäus; und er sprach zu ihm: Folge mir! Und er stand auf und folgte ihm.
10 Und es begab sich, als er zu Tisch saß im Hause, siehe, da kamen viele Zöllner und Sünder und saßen zu Tisch mit Jesus und seinen Jüngern.
11 Als das die Pharisäer sahen, sprachen sie zu seinen Jüngern: Warum isst euer Meister mit den Zöllnern und Sündern?
12 Als das Jesus hörte, sprach er: Nicht die Starken bedürfen des Arztes, sondern die Kranken.
13 Geht aber hin und lernt, was das heißt (Hosea 6,6): »Barmherzigkeit will ich und nicht Opfer.« Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder.

Was macht mich wirklich reich?

 

1) Macht mich reich, was ich erreich?

Dieser Zöllner Matthäus hatte sich offensichtlich die Frage gestellt: Was macht mich reich? Und dabei fragte er sich zugleich: Macht mich reich, was ich erreich? Er hatte eine Menge erreicht. Er war Zolleinnehmer, und das bedeutete damals: Man konnte ganz gut Kohle machen. Diese Leute arbeiteten für die römische Besatzungsmacht und musste dann den Leuten Wegezoll für die Römer abknöpfen, aber es war kein Problem, ein Vielfaches davon zu kassieren für die eigene Tasche. Was wissen wir noch über diesen Kerl? Nun, interessanterweise hat er eigentlich einen anderen Namen: Levi. So wird er im Markus- und im Lukasevangelium genannt. Das deutet darauf hin, dass seine Eltern ziemlich fromme Juden waren. Denn der Stamm Levi war der Priesterstamm! Die Leviten waren eigentlich für den Tempeldienst bestimmt! Und wenn Eltern ihr Kind Levi nannten, wollten sie in der damaligen Zeit, wo Namen mehr waren als Schall und Rauch, wohl zum Ausdruck bringen: dieses Kind soll einmal Gott dienen. Was muss das für eine Enttäuschung für die Eltern gewesen sein zu erleben, was aus dem Jungen wurde: ein Typ, der mit den verhassten Römern gemeinsame Sache machte – und das nur für die Karriere! Das Verhältnis zu den Eltern war vermutlich ziemlich angespannt. “Aber, seht her, was ich erreicht habe!” mag er gesagt haben. Ich bin jedenfalls jemand! Mit euerm Glauben gehört ihr doch zum alten Eisen! Ihr setzt aufs falsche Pferd. Ich setz auf die Zukunft. Schaut her, welchen Erfolg ich habe! Man muss doch mit der Zeit gehen.

Vielleicht kommen dir solche Dialoge bekannt vor. Früher vielleicht selber mit den eigenen Eltern geführt. Lasst mich doch meinen Weg gehen! Und hört mir auf mit euren frommen Sprüchen. Oder ist es der Dialog mit umgekehrter Rollenverteilung mit den eigenen Kindern oder Enkeln, die nicht verstehen, was einem der Glaube bedeutet?

Nun, es ist erstaunlich, was aus diesem Levi noch so wird.

Denn irgendwann fragt er sich: War es das? Macht mich reich, was ich erreich? Bin ich glücklich?

Liebe Jubilarinnen und Jubilare: Sie alles sind reich! Denn sie haben heute Goldene, diamantene, vielleicht sogar Kronjuwelen-Konfirmation! Das klingt sehr reich. Gold, Diamanten, Kronjuwelen… Ach, wenn man das doch in echt hätte! Aber viele von ihnen haben doch auch unabhängig davon viel erreicht im Leben: Vielleicht ein Haus gebaut. Einen guten Beruf ergriffen, eine Familie gegründet, fantastische Urlaubsreisen unternommen… Doch je älter man wird, desto mehr kommen vielleicht Fragen und Zweifel: War es das? Soll das alles gewesen sein? Macht mich reich, was ich erreich?

Studien von Psychologen belegen, dass – vorausgesetzt eine gewisse materielle Grundsicherheit ist vorhanden – wachsender Reichtum nicht zu wachsendem Glücksempfinden führt. “Ein reicher Mann ist oft nur ein armer Mann mit sehr viel Geld.” Das sagt einer, der es wissen muss: Aristoteles Onassis, der Lebemann und Tankerkönig, der zeitweise der reichste Mann der Welt war.

Und so sehnt sich diese Matthäus-Levi nach mehr.

Er ist im Herzen einsam, sehnt sich nach Anerkennung, nach Liebe. Sehnt sich nach einem Freund, der nicht nur auf sein Geld schaut, sondern der ihn auch dann noch annimmt, wenn er manchmal so ein richtiges Ekel ist. Es ist wohl noch etwas anderes als Geld, was uns reich macht.

 

2) Dieser Freund ist hilfreich

Der Zöllner Levi begegnet Jesus. Das heißt, eigentlich ist es umgekehrt. Jesus begegnet ihm.

Und Jesus sprach zu ihm: Folge mir!

Kürzer geht es nicht. Zwei Worte nur! Doch es geht den Worten etwas voraus.

9 Und als Jesus von dort wegging, sah er einen Menschen am Zoll sitzen, der hieß Matthäus.

Warum wird das berichtet? Dieser Typ saß da jeden Tag am Zoll. Und Jesus ist an diesem Verkehrsknotenpunkt vor den Toren seiner Stadt Kapernaum unzählige Male vorbeigekommen. Er kannte den Kerl. Er hat ihn schon oft gesehen. Aber diesmal war es anders. Nun muss man wissen, dass der Mensch, der dieses Evangelium geschrieben hat, das Matthäusevangelium, sehr wahrscheinlich selber dieser Matthäus-Levi war. Er beschreibt hier seine eigene Geschichte in der 3. Person. Und das bedeutet: Auf einmal hat er gemerkt, dass Jesus ihn sah. Aber es war ein anderes Sehen als das normale Sehen, das ging tiefer, das ging ins Herz. “Ein Mensch sieht, was vor Augen ist, der Herr aber sieht das Herz an!” (1. Samuel 16,7) Jesus schaut durch die glänzende Fassade des äußeren Reichtums und sieht, wie arm es im Inneren aussieht. Und er sieht, dass dieser Mann einsam ist, Vergebung braucht und sich sehnt nach Liebe und Anerkennung!

Und genauso geht Jesus auch heute Morgen durch die Reihen unserer Kirche und er sieht dich, und er sieht mich. Und er sieht uns mit Augen voller Liebe. Er will uns helfen, vergeben. Er will unser Freund sein. Und dieser Freund ist hilfreich, das heißt reich an Hilfe! Er gibt uns seine Hilfe nicht nur für die Nöte dieses Lebens, unsere Sorgen des Alltags, ja, hier gibt er uns Kraft und Hilfe. Aber wichtiger ist: Er will uns helfen zu einem neuen Leben, das den Tod überdauert. Ein Leben mit Gott. Das gibt es nur mit Jesus.

Folge mir! Wir sagen oft: Jesus, folge mir! Ich habe meine eigenen Gedanken, Pläne, Ziele! Folge mir, mit deinem Segen. Aber es geht doch anders. Jesus sagt: Folge mir.

Das bedeutet: Wir wollen fragen: Jesus, was ist dir wichtig?

Vor 50, 60 oder mehr Jahren haben Sie das einmal versprochen bei der Konfirmation. Vieles ist davon in Vergessenheit geraten. Doch noch ist es nicht zu spät, Jesus zu folgen. Wir haben vorhin in der Lesung von dem alten Mann Nikodemus gehört, der auch noch auf der Suche nach Gott war. Und der Jesus begegnete und in hohem Alter noch von Neuem geboren wurde. So fand er noch seinen besten Freund. Er fand Jesus. Und dieser Freund war wirklich hilf-reich.

 

3) Wirklich reich macht Gottes Reich

Gottes Reich, auch das Himmelreich genannt, das macht unser Leben schon jetzt und hier reich und wertvoll. Warum? Weil es uns schon jetzt eine Hoffnung gibt, die das Leben reich macht, weil sie über den Tod hinausreicht. Hoffnung, dass dieses irdische Leben nicht alles ist. Und wer von Ihnen schon einen lieben Menschen verloren hat, wer alleine ist, der braucht auch diese Hoffnung, dass er eben doch nicht alleine ist, dass Jesus bei ihm ist. Und dass es ein Wiedersehen gibt in Gottes Welt, wenn wir diesen Jesus haben! Das macht uns reich!

Aber noch mehr. Reich wird man auch durch Freude! Freude, die tiefer reicht als nur ein oberflächlicher Spaß. Spaß gehört auch dazu. Und ich mag Humor, ich lache gerne und hab gerne Spaß! Aber die Freude, die der Glaube schenkt, ist doch noch etwas anderes. Es gibt eine Freude, die durchträgt, wie die Grundmelodie des Lebens. “In dir ist Freude in allem Leide.”

Und der Matthäus, der hat diese Freude. Nachdem er Jesus kennen gelernt hat, da folgt er ihm auch. Und Jesus sprach zu ihm: Folge mir! Und er stand auf und folgte ihm.  Und das gibt dem Matthäus Freude. Er macht erst mal ein riesiges Fest für alle seine alten Kollegen. Da hat er gar keine Berührungsängste. Das ist ihm gar nicht peinlich, dass er jetzt Christ ist. Im Gegenteil: Er will es den anderen weitererzählen, dass sich jetzt einiges in seinem Leben ändern wird. Er findet ein neues Leben. Er findet Heilung. Moment! War er denn krank? Davon war doch im Text gar nicht die Rede… Doch! Er war krank in seiner Seele. Das ist der Grund, warum Jesus sagt: Nicht die Starken bedürfen des Arztes, sondern die Kranken. Wenn du meinst, du kriegst alles alleine hin im Leben, du bist stark und brauchst keine Hilfe, dann hat Jesus es schwer, dich zu finden, dir zu begegnen. Aber wenn du merkst: Doch, ich brauche auch einen Arzt für meine Seele, ich brauche Hilfe, einen Freund, der hilfreich ist, ich schaff es doch nicht allein. Ich bin eben nicht so perfekt, wie ich gerne wäre. Ich habe Fehler, kenne Versagen und Schuld. Dann kann Jesus dich heilen. Matthäus erlebt das. Er wird geheilt von seiner krankhaften Sucht nach Anerkennung, nach Erfolg, nach Reichtum. Und er bekommt dabei eine ganz neue Art von Reichtum, den er zuvor noch nie gekannt hat.

Für Matthäus beginnt ein neues Leben. Und er macht das damit deutlich, dass er sich einen neuen Namen gibt. Oder wahrscheinlich sogar einen neuen Namen bekommen hat. So wie Simon zu Petrus wurde. Jesus gab ihm den neuen Namen: Petrus, Fels. Und so wird aus Levi nun Matthäus. Matthäus, hebräisch Mattaj, heißt auf Deutsch: Gabe Gottes, Geschenk Gottes. Er spürt: Mein Leben ist mir neu geschenkt worden. Es ist ein Geschenk Gottes. Das macht mich wirklich reich!

Ich habe am Anfang von dem Geldautomaten gesprochen, den dieser Shepherd-Barron erfunden hat. Und eigentlich

sollten diese Automaten eine sechsstellige Geheimnummer, PIN-Nummer zur Identifizierung haben. Doch er erinnert sich: “Aber meine Frau sagte über den Küchentisch hinweg, sie könne sich nur vier Ziffern merken. Ihretwegen wurden also die vier Ziffern der Weltstandard.” Und sind es bis heute. Vier Ziffern beim Geldautomaten, um Geld abzuheben. Es gibt auch 4 Ziffern, um den himmlischen Reichtum abzuheben, eine PIN-Nummer, mit der wir an den Reichtum kommen, der uns wirklich reich macht: 4688.

Wieso das? Nun, Sie wissen ja, die Nummern auf der Tastatur stehen zugleich für Buchstaben. Schauen Sie mal zuhause nach auf Ihrer Tastatur. Die Nummern 4688 stehen für die Buchstaben GOTT. Gott selbst ist der PIN zum wahren Reichtum.

Amen.

 

 

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