Warum Glaube großartig ist

Gottesdienst am Sonntag, dem 28.10.2018

Thema: Warum Glaube großartig ist

Predigt: Pastor Gero Cochlovius

Text: Markus 10, 28-31

Liebe Gemeinde,

“Ich fühle mich überglücklich!” – Wow! Was für eine Aussage! Wer das von sich nicht so sagen kann, hat wenigstens die Chance, es zu lesen. Morgens unter der Dusche. Hier der Beweis: “duschdas – Ich fühle mich überglücklich… mit Zitronen- & Rosmarinduft”. Wenn das so einfach wäre mit dem Glück! An so eine vollmundige Werbung fühlte ich mich erinnert, als ich vor kurzem ein Buch in die Hand bekam, das diesem Gottesdienst die Überschrift gegeben hat: “Warum Glaube großartig ist. Mein Glück mit Jesus.” –
Das erschien mir einfach zu einfach. Zu marktschreierisch, zu reißerisch! Klingt nach übertriebener Werbung. Muss man, ja kann man überhaupt den Glauben als “großartig” anpreisen? Kann man den Weg mit Jesus einfach schlicht “mein Glück” nennen?

Ich war da durchaus skeptisch. Doch den Autor des Buchs kenne ich, seit er mal bei einem Männerabend bei uns war: Daniel Böcking. Ein sehr interessanter, netter, cooler, ehrlicher Typ. Dazu noch stellvertretender Chefredakteur bei Bild.de. Und da ich ihn seinerzeit deutlich sympathischer fand als die Druckerzeugnisse seines Arbeitgebers, dachte ich: Na gut, das neue Buch von ihm lese ich! Und ich war wirklich gespannt.

“Warum Glaube großartig ist”. Ist das nicht zu platt – wie eben so manche Bild-Schlagzeile? Doch beim Lesen des Buchs musste ich feststellen: Nein, was der Kerl da schreibt, ist alles andere als platt. Er blendet Schwierigkeiten und Zweifel nicht aus. Und doch macht er einfach “Appetit” auf Glauben, auf Jesus. Und er bringt so vieles am Glauben neu zum Strahlen, zum Leuchten, was uns vielleicht viel zu selbstverständlich geworden ist oder was wir im Alltagsglauben gar nicht mehr wahrnehmen. Wo wir abgestumpft und kalt geworden sind, kann Gott das Feuer neu entfachen. Und auf einmal entdecken wir ganz neu, wie großartig Glaube ist, oder vielmehr: wie großartig Jesus ist!

Großartig ist es zum Beispiel, wie Gott Menschen zum Glauben ruft. Und dafür ist Daniel Böcking selbst das beste Beispiel. Wie er zum Glauben gekommen ist, ist schon ein Wunder. Er war so ein richtiger Lebemann, Partylöwe, Karrieretyp. Immerhin hat er es schnell zu einem hohen Posten bei BILD geschafft. Gott spielte für sein Leben keine Rolle. Und dann 2010. Zu einer Reportage war er in Haiti. Da war gerade das furchtbare Erdbeben gewesen. 300.000 Tote! Unfassbares Leid. Eigentlich ein Ort, wo man eher ins Zweifeln kommen müsste. Wo man seinen Glauben verlieren könnte. Warum, Gott? Wie kannst du so was zulassen? Wo bist du, Gott? Doch Böcking findet Gott – genau dort! Mitten im Elend. Er lernt Christen der Hilfsorganisation humedica kennen. Wie sie nicht verzweifeln und resignieren, sondern wie sie im morgendlichen Gebet Kraft bekommen, wie sie im Vertrauen auf Gottes Hilfe und im Spüren seiner Gegenwart anpacken und retten, was noch zu retten ist, wie sie beinahe Übermenschliches leisten. Wie sie ihr Christsein authentisch und voller Liebe leben. Wie der Glaube nicht nur in Worten und Gebeten besteht, sondern auch in Taten und Liebe. Durch diese und andere Begegnungen mit Christen und darin letztlich mit Christus selbst findet Böcking zum Glauben. Irgendwann ein paar Jahre später, 2015 “outet” er sich öffentlich in einem BILD-Artikel als Christ. Er erkennt: Glaube ist keine Privatsache! Wenn Jesus uns in diese Welt sendet als Salz der Erde, als Licht der Welt, dann kann man seinen Glauben nicht für sich behalten. Dann wird man zu seinem Glauben stehen. Auch am Arbeitsplatz, auch bei Kollegen, auch in der Familie, im Verein, in der Nachbarschaft. Erst hatte er Angst vor den Konsequenzen. Vor Spott und Häme, vor Ablehnung und Ausgrenzung. Aber das Gegenteil ist passiert. Gerade seit er den Mut gefunden hat, den Glauben nicht mehr zu verheimlichen, sondern ihn froh und mutig zu bekennen, entdeckte er immer mehr, warum der Glaube großartig ist, und es sein Glück ist, Jesus zu haben.

Es ist schon interessant: Erst wenn man beim Glauben bereit ist, was zu riskieren, erfährt man den ganzen Reichtum des Glaubens.

Wie ist es Petrus ergangen? Er stellt sich die Frage: Was bringt’s? Was hab ich denn vom Glauben? Wir haben es vorhin im Evangelium gehört (Markus 10,28 + Matthäus 19,27):

28 Da fing Petrus an und sagte zu ihm: Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt. Was wird uns dafür gegeben?

Was haben wir davon? Was bringt’s uns? Wie großartig ist denn nun der Glaube? Zwei Gedanken dazu:

 

1) Warum Glaube nicht nur großartig ist

Wenn man bei “großartig” tatsächlich an eine heile Welt denkt und das wie ein Werbeversprechen auffasst, dann ist man auf dem falschen Dampfer. Und ich geb ehrlich zu: Das find ich auch ein bisschen das Problem bei dem Buchtitel von Böcking. Wir wollen doch niemanden mit falschen Glücksversprechen zum Glauben locken! Das hat Jesus auch nicht gemacht. Der Verbraucherschutzverein Foodwatch verleiht jährlich den Negativpreis “Der Goldene Windbeutel” für die dreisteste Werbelüge. Ob die “Nimm2-Bonbons”, die als besonders vitaminreich angepriesen werden oder die Milchschnitte, die mit “Milch und Honig” als gesund, sportlich und leicht und locker beworben wird, aber tatsächlich mit einem Zucker- und Fettgehalt von rund 60 Prozent alles ist nur nicht gesund. Kriegt der christliche Glaube auch den Goldenen Windbeutel für die dreisteste Werbelüge, wenn wir ihn als “großartig” anpreisen?

Für Petrus stellt sich durchaus die Frage. Er sagt: Jesus, wir haben viel eingesetzt, viel gewagt, viel riskiert. Wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt! Was haben wir davon? Und was sollen die verfolgten Christen, ob in Nigeria, Nordkorea, Eritrea oder anderswo sagen, die in ständiger Todesbedrohung leben? Finden die ihren Glauben großartig?

Und wie geht es uns, wenn Gebete nicht erhört werden? Wenn mitunter eine Hiobsbotschaft nach der anderen auf uns einprasselt? Und wieder ist jemand aus dem Freundeskreis an Krebs erkrankt. Oder ich denke an so manche, die etwa bei einem ALPHA-Kurs zum Glauben an Jesus gefunden haben und wo es mitnichten so war, dass danach alles glatt lief im Leben. Im Gegenteil: In einem Fall ging die Ehe in die Brüche, in einem anderen Fall gab es riesige Probleme in der Familie, ein Kind wurde krank und und und. Großartig? Jesus macht keine falschen Versprechungen: Er hat es Petrus gesagt und jedem Christen: “Wer mir folgen will, verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich.” (Lukas 9,23) Das klingt nicht attraktiv. Das ist keine Werbung. Aber ehrlich. Und so fragt Petrus nach: Was bringt der Glaube? Und darum das zweite:

 

2) Warum Glaube dennoch großartig ist

Auch Daniel Böcking verschweigt nicht, dass zum Glauben auch die dunklen Seiten gehören, auch eigenes Scheitern und Versagen, auch Zweifel und unbeantwortete Fragen und unerhörte Gebete. Aber er stellt fest: Trotz allem, dennoch ist der Glaube an Jesus großartig! Weil Jesus großartig ist! Und so sagt er in einem Gebet: “Jesus, ich lese in der Bibel, wie steinig und mitunter qualvoll dein eigener Weg und der deiner Nachfolger war […] Gleichzeitig finden wir in der Bibel aber auch wieder und wieder die Fröhlichkeit, den Frieden und die innere Gelassenheit bei den Menschen, die in dir zur Ruhe kommen. Deshalb möchte ich diese selbst erlebten Schönheiten des Glaubens beschreiben – hinter all denen du hervorstrahlst.”

Und Jesus selbst hat es Petrus versprochen:

29 Jesus sprach: Wahrlich, ich sage euch: Es ist niemand, der Haus oder Brüder oder Schwestern oder Mutter oder Vater oder Kinder oder Äcker verlässt um meinetwillen und um des Evangeliums willen,
30 der nicht hundertfach empfange: jetzt in dieser Zeit Häuser und Brüder und Schwestern und Mütter und Kinder und Äcker mitten unter Verfolgungen – und in der kommenden Welt das ewige Leben.

Jesus macht uns ein doppeltes Versprechen: Schon jetzt in dieser Zeit empfangen wir ganz viel Gutes – mitten in allen Schwierigkeiten. Und dann als das Entscheidende: In der kommenden Welt das ewige Leben.

Und nun wollen wir am Schluss einfach mal ein paar Gründe in Erinnerung rufen, warum Glaube – trotz allem großartig ist. Es ist nur eine kleine Auswahl von Gründen. Es gibt Tausende mehr.

Glaube ist kein Regelwerk, wo es vorrangig darum geht, was ich darf oder nicht darf. Das ist ja das Wesen von Religionen: Vorschriften und Regeln, so dass manche sagen: Religion ist “Regelion”. Aber der Glaube an Jesus ist was anderes. Er ist Freundschaft! Jesus ist kein Aufpasser, sondern der Freund, der mit mir geht durch dick und dünn.

Glaube stellt mich in die große, bunte Familie Gottes. Böcking erlebt, wie er in alle möglichen christlichen Kreise zu Vorträgen eingeladen wird, und staunt, was es alles für Leute im bunten Christen-Haufen gibt: da gibt es nicht nur evangelisch und katholisch, da gibt es charismatische Kreise, Pfingstler, Altpietisten, Baptisten, Methodisten, Aidlinger Diakonissen, Liberale, Evangelikale und das katholische Opus Dei. Er hat keinerlei Berührungsängste. Er fokussiert sich nicht auf die Unterschiede, sondern freut sich am Gemeinsamen: Dass es überall Menschen gibt, die Jesus lieb haben! Und das ist großartig! Lasst uns doch ganz neu Jesus in den Blick nehmen und uns nicht zu sehr auf das Trennende konzentrieren. Brücken statt Mauern bauen. Auch in der Gemeinde. Hier können wir Brüder und Schwestern finden, die ganz anders sind als wir, aber uns darin nicht bedrohen, sondern ergänzen, hinterfragen, bereichern.

Glaube ist eine Kraftquelle für den Alltag. Wenn Böcking durch den Park joggt oder mit der U-Bahn zur Arbeit fährt, dann hört er dabei Predigtpodcasts. Und er spürt, wie das Wort Gottes ihn erfüllt, begeistert und herausfordert. Er entdeckt, dass es sogar bei Kollegen von BILD einen Gebetskreis gibt, der sich nach Feierabend trifft, und er entdeckt das persönliche Gebet als Kraftquelle. Nicht im Sinne einer Selbstmeditation, die mich ruhig macht, sondern im Vertrauen auf den liebenden Vater, der mich durch den Tag begleitet, durch Höhen und Tiefen. Schwierige Entscheidungen kann ich vor Gott bringen, ihn um Weisheit bitten.

Glaube hat Ewigkeitswert. Im Glauben an Jesus Christus erfahre ich Vergebung meiner Schuld und eine Perspektive über den Tod hinaus! Ich weiß, dass – wenn auch alles Irdische zerbrechen mag – der Himmel auf mich wartet. Und diese Aussicht schenkt mir im Grunde jetzt schon den Himmel auf Erden. Darum ist Glaube großartig!

Amen.

 

 

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