Stark wie ein Adler

Gottesdienst am Sonntag, dem 08.07.2018

Thema: Adlerperspektiven II: Stark wie ein Adler

Predigt: Pastor Gero Cochlovius

Text: Jesaja 40,31 u.a.

Liebe Gemeinde,

der Adler gilt als Symbol für Majestät und Kraft. Letzte Woche haben wir ausführlich betrachtet, wie die Bibel das Bild des Adlers für Gott verwendet. Wir haben entdeckt, wie Gott uns Menschenkinder mit Adleraugen sieht, auf Adlerflügeln trägt, und – obwohl seine Wege geheimnisvoll wie die des Adlers sind, er uns doch immer nahe ist und uns in Windeseile und mit Macht zur Hilfe eilen kann.

Spannend finde ich es zu sehen, dass die Bibel den Adler auch als Bild für uns Menschen verwendet. Wer wäre nicht gern wie ein Adler?

In der Mensa der Universität sitzt ein etwas arroganter Professor am Tisch beim Mittagessen. Kommt einer seiner Studenten, fragt: „Darf ich mich zu Ihnen setzen?“ Darauf die stolze Antwort: „Seit wann speisen Adler und Kröte zusammen?“ – „Na gut“, meint der Student, „dann flieg ich halt weiter.“

Gottes Plan für dich ist es, Adler, nicht Kröte zu sein. Egal ob du Student oder Professor bist.

Wir haben vorhin in der Lesung schon diesen markanten Satz gehört, Jesaja 40,31:

Aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.

Was können wir vom Adler für unser Leben und für unseren Glauben lernen?

Schauen wir zur Einstimmung erst noch einmal diese wunderschönen Bilder des Adlerflugs an.

[Videoclip]

Stark wie ein Adler. Wie werden wir das?

Anregungen aus dem Leben eines Adlers. Das Schwierigste zuerst:

 

Stark durch Stürme

Adler können in hohen Bergregionen z.B. der Alpen leben und überleben, wo es alles andere als gemütlich ist. Wo es karg und felsig ist, wo Stürme wehen, wo es nach Schnee und Eis riecht. Das ist nicht das, was man sich gerne als Lebensraum aussuchen würde. Und doch: Es gibt Erfahrungen im Leben, die gleichen diesen Lebensbedingungen. Es gibt auch in unserem menschlichen Leben kalte Stürme, Widerstand, Gegenwind. Und wir kennen harte Felsbrocken der Lieblosigkeit und Unbarmherzigkeit. Und da sehnen wir uns nach Geborgenheit. Nach Nestwärme. Dort, ganz hoch oben, mitten in Kälte, Sturm und Felsen, da haben die Adler ihr Nest. Da erleben die kleinen Adlerjungen Geborgenheit und Schutz. Und wir dürfen diese Erfahrung auch machen, dass Gott uns umgibt mit seinem Schutz. Dass wir bei ihm geborgen sein dürfen wie in einem warmen Nest in kalter Zeit. Und wir würden uns wünschen, dass wir immer dieses Gefühl der Wärme und Geborgenheit erleben. Mit guten Freunden in einem Gemeindenest. Die Probleme und Sorgen der bösen Welt sollen ruhig draußen bleiben.

So denken es sich die kleinen Adlerkinder sicher auch. Doch Adlermama und -papa haben einen anderen Plan. Wenn die Jungen etwas älter werden, so habe ich gelesen, nehmen die Eltern Stück um Stück von dem weichen Nestpolster heraus, bis die Jungen nur noch auf ein paar harten Stöcken sitzen. Schließlich schubsen sie sie aus dem Nest, das weit oben auf einem Felsen gebaut ist. Wie schrecklich! Lieben sie denn ihre Jungen nicht? Gönnen sie ihnen denn nicht das kuschelige Nest? Doch sie lieben sie, aber sie wollen, dass die Kleinen stark werden, dass sie das Fliegen lernen, dass sie die Stürme kennen lernen, um sie zu bezwingen. Habt ihr mal ein Adlerjunges gesehen? Da ist noch nichts von Majestät, von Kraft, von “König der Lüfte”! Es macht einen recht kümmerlichen Eindruck, wie ein gerupftes Huhn. Es muss wachsen, es muss stark werden, es muss raus aus dem Nest.

 

Ein starkes Gleichnis! Unser himmlischer Vater, der uns liebt, der es gut mit uns meint, manchmal tut er Dinge, die wir nicht begreifen könne, wie diese Adlerjungen. Da schubst er uns raus aus dem Nest, da lässt er schlimme, harte Ereignisse und Stürme zu. Vielleicht den Verlust der Arbeitsstelle, oder einen Unfall, eine Krankheit. Unerwartete Probleme mit Kollegen. Und wir fragen: Wo ist Gott? Wir können ihn nicht sehen. Er erscheint uns dann unbarmherzig und weit weg. So wie ein Adlerjunges seine Eltern nicht sehen kann und nicht versteht, warum es da aus dem Nest geworfen wurde. Doch der Adler schwebt über ihm, und hält die Wacht über ihn!

Und wenn das Junge fällt und fällt und es nicht schafft, dann saust der Adler im Sturzflug hinterher mit über 300km/h , um es aufzufangen und auf Flügeln zu tragen. So ist Gott auch in den Stürmen und im Fallen bei uns. Und er hilft uns, dass wir stark werden und wachsen.

Ein Adler hat keine Angst vor dem Sturm.

Der Adler fliegt in den Sturm, ein Huhn rennt weg, ab ins Häuschen, oder ins Gebüsch. Der Adler geht in den Sturm, weil er weiß, dass dadurch die Muskeln seiner Schwingen wachsen und er stark wird.

Wenn jemand zum Glauben an Jesus findet, dann gibt es oft eine überraschende Entdeckung: Hä? Probleme? Schwierigkeiten? Wie das? Ich bin doch jetzt ein Christ?

Ja, der Glaube bedeutet nicht, dass die Probleme aufhören. Im Gegenteil, manchmal fangen sie erst an. Und manchmal bekommst du als Christ Probleme, die du vorher gar nicht kanntest. Vielleicht wenden sich Freunde ab – aber du bekommst neue! Vielleicht kann dein Ehepartner dich nicht mehr verstehen, oder deine Kinder, oder deine Eltern. Das ist bitter. Aber Gott ist bei dir.

Wenn Stürme und Konflikte kommen, dann wollen wir oft einfach weglaufen, fliehen, einfach nicht hinschauen. Wenn ein Konflikt da ist, in unserer Ehe, am Arbeitsplatz, oder auch in unserer Gemeinde, dann hilft es nicht, das zu ignorieren, oder einfach weglaufen, einfach totschweigen. Sondern manchmal ist es nötig, in den Sturm zu gehen, Dinge anzusprechen. Wenn es gelingt, können alle gestärkt daraus hervorgehen.

Wie betest du in Schwierigkeiten? Wahrscheinlich so wie ich auch: Herr, hilf doch, dass das bald vorbei ist! Hilf, dass sich die Stürme legen, hilf, dass schnell alles wieder gut und ruhig wird! Ja, das ist auch gut so und verständlich. Aber wie wäre es, wenn wir mal so beten: Herr, lass mich erkennen, was ich jetzt lernen kann, was ich tun kann, was ich anpacken muss! Hilf mir zu reifen, zu wachsen, stark zu werden. Nimm nicht den Sturm weg, sondern trage mich durch den Sturm hindurch!

 

Stark durch Aufwind

Obwohl der Adler mächtige Schwingen hat, die durch manchen Sturm trainiert und stark geworden sind, liegt die eigentlich Kunst seines Fliegens nicht in der Kraft seiner Schwingen, nicht in sich selbst, nicht in seiner eigenen Stärke, sondern außerhalb seiner selbst: Er nutzt die Thermik und die Aufwinde. Diese tragen ihn nach oben. Er breitet seine Schwingen aus und dann lässt er sich einfach tragen und heben. Höher und höher. Dieses Gleiten ermöglicht es dem Adler, mit geringem Energieaufwand und wenigen Flügelschlägen durch die Lüfte zu fliegen.

Dieser Aufwind wird bei Jesaja so beschrieben: Aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler.

Die auf den Herrn harren… So heißt es. Was bedeutet das? Dieses alte Wort harren kennt man heute kaum noch. Meist wird in den modernen Übersetzungen daraus: “die dem Herrn vertrauen” – ja, das ist ja nicht falsch. Aber es ist zu wenig. Harren bedeutet mehr als Vertrauen. Harren bedeutet: “geduldig und voller Vertrauen warten auf Gott”. Das Wort “ausharren” kennt man vielleicht noch. Darum geht es: Geduld haben und warten auf den Aufwind, auf Gottes Hilfe. Geduld, wenn Gebete nicht gleich erhört werden. Wenn es nicht gleich wieder aufwärts geht. Kennt ihr das Gebet: “Herr, gib mir doch bitte Geduld – aber sofort!”

Es heißt nicht: Die sich selbst vertrauen, die kriegen neue Kraft. Sondern: die auf den Herrn harren. Paulus sagt das so: Seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke! (Eph. 6,10) Schaut nicht auf euch selbst!

Ja, bei Gott dürfen wir schwach sein! Gott sagt dem Paulus: “Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig!” – Aber das heißt nicht: Finde dich damit ab, dass du nichts kannst und ein Häufchen Elend am Boden bist. Es heißt auch nicht: Schau dein Leben voller Selbstmitleid an, du bist und bleibst ein Opfer, du bist schwach und klein.

Nein! So hat Gott dich nicht gemacht! Nein, er hat dir Adlerschwingen des Glaubens geschenkt, die dich trotz deiner Schwachheit tragen im Aufwind seiner Kraft, seiner Liebe! Hochziehen, höher und höher, zu Jesus hin!

Er hat dich als Adler designt und nicht als Kröte. Wenn du ein Kind Gottes bist, dann bist du ein Kind des Höchsten! Dann bist du ein Königskind! Wie ein Adlerjunges ein Kind des Königs der Lüfte ist. Daran sollten wir uns immer wieder erinnern. Was für eine Berufung ist das! Lasst uns im Aufwind Gottes leben, die Kraft des Gebets, die Kraft der Bibel für unser Leben entdecken!

Und noch eins macht den Adler stark:

 

Stark durch Pflege

Der Adler reinigt sein Gefieder täglich! Das erste, was ein Adler morgens macht, ist, sich einen hohen Felsen zu suchen. Dieser Fels könnte ein Bild für Jesus sein, der wird in der Bibel mehrmals als Fels bezeichnet. Und es ist gut, diesen Felsen zu suchen, jeden Tag neu. Und dann fängt der Adler an, sein Gefieder zu reinigen, eine Stunde lang! Ein Flügel hat ca. 1200 Federn haben – insgesamt hat ein Adler ca. 7000 Federn. Er reinigt seine Federn, indem er sie durch seinen Schnabel zieht, anhaucht und sie dadurch vom Schmutz von gestern befreit. Es ist eine Art von Dampfreinigung. Jeder Tag bringt Schmutz mit sich. Das kennen wir doch auch, oder? Die Art des Schmutzes kann bei jedem ganz unterschiedlich sein. Da sind schmutzige Gedanken, Neid, Überheblichkeit, Habgier, pornografische Bilder und Filme. Und dieser Schmutz würde den Adler kaputt machen. Er würde es gar nicht gleich merken, denn das Fliegen klappt schon noch eine Weile. Aber nun pass auf: Er saust da runter, aber das verunreinigte Gefieder erzeugt einen Ton, ein Summen, Pfeifen, für uns vielleicht nicht hörbar, aber für das Mäuschen – sein Mittagessen – schon, das haut einfach ab. Und so müsste der Adler über kurz oder lang verhungern. Er muss den Schmutz los werden! So wir auch! Wir brauchen die Vergebung!

Johannes 1,9: “Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist Gott treu und gerecht, dass er uns unsere Sünde vergibt und uns reinigt von allem Schmutz!” Ich muss meinen Sündenschmutz loswerden, sonst pfeift’s in meinem Leben. Wenn die Beziehung zu Jesus nicht in Ordnung ist, dann leidet schnell die Beziehung zu anderen Menschen. Die bekommen das auch zu spüren, dein Partner, deine Kinder. Dann wirst du für die zur Pfeife. Nimm dir Zeit bei Jesus für die Reinigung.

 

Und noch was: Der Adler ölt sein Gefieder täglich! Er hat eine Drüse, die eine ölige Substanz abgibt und damit behandelt er seine Federn jeden Tag, imprägniert sie. Dies verleiht ihnen Glanz, macht sie geschmeidig, elastisch – das ist wichtig im Sturm! – und wasserdicht! Wenn es regnet, oder wenn er ins Wasser taucht, um Fische zu fangen, dann wird er nicht nass! Und damit auch nicht zu schwer zum Fliegen.

In der Bibel ist das Öl mitunter ein Bild für den Heiligen Geist. “Du salbest mein Haupt mit Öl.” (Psalm 23,5) So möchte ich das auch mal übertragen: Wir sollen beständig erfüllt sein mit dem Heiligen Geist. Danach müssen wir uns täglich ausstrecken.

Der Adler erneuert auch sein Gefieder. Er rupft alte, spröde oder zerzauste Federn aus, damit neue Federn wachsen können. Manchmal müssen auch wir Altes loslassen. Alte, schlechte Angewohnheiten, Sorgen, Süchte, vielleicht auch schlechte Freunde, eine schlechte Clique gilt es womöglich loszulassen, damit etwas Neues wachsen kann. Paulus beschreibt das so: “Legt von euch ab den alten Menschen. Folgt nicht mehr euren Leidenschaften, die euch in die Irre führen und euch zerstören.Lasst euch in eurem Denken verändern und euch innerlich ganz neu ausrichten. Und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit.” (Epheser 4,22-24).

 

Aber für all das braucht der Adler seine “stille Zeit” auf dem Felsen!

Hast du die Sehnsucht, stark wie ein Adler zu werden? Dann nimm dir die Zeit zur Pflege deiner Jesusbeziehung, das macht dich stark. Lass dich tragen vom Aufwind Gottes, und hab keine Angst vor den Stürmen des Lebens.

Amen.

 

(Dank: Diese Predigt nimmt einige Gedanken einer Predigtreihe von ICF München auf, die ich sehr inspirierend fand.)

 

 

Zur Druckversion