O wie süß!

Gottesdienst am Zweiten Weihnachtstag, Dienstag, dem 26.12.2017

Thema: O wie süß!

Predigt: Pastor Gero Cochlovius

 

Liebe Gemeinde,

I.
O wie süß! Das sagt man ja, wenn man irgendwas besonders niedlich findet. Vor allem allerdings bei einem kleinen Baby! Ach, was ist der Kleine aber süß! Och, guck mal, das ist ja eine ganze Süße!

Und etwas ganz Besonderes ist es, wenn so ein kleines Baby auch noch in der Weihnachtszeit geboren wird! Ein liebevoller Vater fragte seine kleine Tochter lange im Voraus, was sie sich zu Weihnachten wünsche. Sie überlegte kurz und sagte dann, dass sie doch so gerne einen kleinen Bruder hätte. Zu jedermanns Freude und Überraschung kam ihre Mutter am Weihnachtstag tatsächlich mit einem süßen kleinen Jungen im Arm aus dem Krankenhaus zurück. Das Töchterlein war entzückt! “O, ist der süß!” Als der Papa im nächsten Jahr seiner Tochter wieder die gleiche Frage stellte, zögerte sie nicht lange: “Wenn es nicht zu anstrengend für Mama ist, dann hätte ich diesmal gerne ein kleines Pony!”

Als Jesus damals in Bethlehem geboren wurde, da war der sicher auch ganz süß! Wie eben jedes Baby…
Doch die Umstände waren ja alles andere als süß. Wer am Heiligabend in der Christvesper da war, wird sich erinnern, dass wir unter anderem darüber nachgedacht haben, dass der Weg Jesu in diese Welt und auf dieser Erde alles andere als ein Honigschlecken war. Statt Honig wählte er bitteres Leid. Alles andere als süß.

Und trotzdem: Es geht an Weihnachten auch um ganz viel Süßes! Die leckeren bunten Teller, die süßen Plätzchen und Kekse. Und meine Frau machte als Dessert ein Giotto-Mousse! Mmm, süß und lecker! Wie passt das zusammen? Wie süß ist Weihnachten?

Ich habe dazu mal was Schönes mitgebracht: Wer weiß, was das hier ist? Ein Candy Cane! Und wisst ihr was? Diese Zuckerstange kann sogar predigen! Sie soll uns mal erzählen, warum wir uns nicht nur frohe Weihnachten, sondern auch süße Weihnachten wünschen können.

Wenn Candy Cane reden könnte, dann würde er vielleicht so beginnen:

Meine Geschichte geht schon Jahrhunderte zurück! Und sie beginnt gar nicht in Amerika, wie man vielleicht meinen könnte, weil ich besonders in Amerika so beliebt bin. Nein, sondern man erzählt sich, dass die Ältesten meiner Familie aus Deutschland stammen, aus dem 17. Jahrhundert. 1672 ärgerte sich ein Chorleiter aus dem alten Kölner Dom über zu laute Kinder in der vorweihnachtlichen Abendmesse. Um die kleinen Störenfriede ruhig zu halten, hatte der Chorleiter die Idee, Süßigkeiten zu verteilen. Was? Süßigkeiten in der Kirche? Das geht doch nicht! Doch der pfiffige Chorleiter ließ von einem Kölner Bonbonmacher solche gebogenen Bonbons herstellen und an die Kinder im Gottesdienst verteilen. Dabei erklärte er den erstaunten Kirchenleuten: Dies gehöre doch mit zur Weihnachtsgeschichte! Denn diese Zuckerstangen seien doch ein heiliges Symbol! Schaut mich an! Ich stelle einen Hirtenstab dar! Und was wäre die Weihnachtsgeschichte ohne die Hirten?! Die Hirten gehören doch dazu! Ihr habt gerade davon gesungen. “Mit den Hirten will ich gehen”.

Ich glaube, ihr Menschen könnt so viel von den Hirten lernen! Sie waren Leute der Tat. Sie machten nicht viele Worte und diskutierten nicht erst lange. Als die Engel ihnen die frohe Botschaft verkündeten: Euch ist heute der Heiland geboren, da sagten sie gleich: “Lasst uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat.” Und dann heißt es doch in der Weihnachtsgeschichte: “Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen.” Die schnappten sich ihren Hirtenstab, der so aussah wie ich, und sausten los. Eilend! Das war ihnen so wichtig, dass sie alles stehen und liegen ließen. Und die Frage an euch Menschen ist: Wie wichtig ist euch Jesus? Macht ihr euch auch “eilend” auf den Weg zu ihm? Oder schiebt ihr das einfach vor euch her? Hm, naja, wenn ich mal alt bin, kann ich mich ja etwas mehr um den Glauben kümmern… Oder: Ich muss noch mal ne Nacht drüber schlafen. Oder: Ich muss das erst mal ausdiskutieren… Ich muss mich in meiner jetzigen Lebensphase erst mal mehr um meinen Beruf und meine Familie kümmern… Schaut mich an und seht in mir den Hirtenstab und dann erinnert euch an die Hirten und tut es ihnen gleich! Macht euch auf den Weg zu Jesus!

Und noch was könnt ihr von den Hirten lernen: Als sie da waren, behielten sie das alles nicht für sich. Ihr lest: “Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war.” Sie wurden Boten Gottes! Sie sagten es andern weiter. Macht ihr das eigentlich auch, wenn ihr Jesus gefunden habt? Oder traut ihr euch das nicht?

Denkt mal darüber nach, wenn ihr jetzt weiter singt. Und damit ihr Kinder schön mitmacht und ruhig bleibt, machen wir es wie damals in Köln: Ihr kriegt auch jeder einen von meinen Freunden. Da könnt ihr dann ein wenig dran schlecken, wenn ich nachher noch ein bisschen weiter erzähle.

II.
Ich hab euch noch nicht alle meine Geheimnisse verraten. Ich habe gesagt, dass ich wie ein Hirtenstab aussehe. Aber der erinnert nicht nur an die Hirten in der Weihnachtsgeschichte, sondern vor allem an den großen Guten Hirten, an Jesus selbst! Er ist der gute Hirte, der mit seinem Stab euch Menschen wie Schafe leiten will. Wie es im Psalm 23 heißt: “Dein Stecken und Stab trösten mich.” Wisst ihr, warum der Hirtenstab oben so gebogen ist? Wenn sich ein Schaf verirrt hat und womöglich in einen Graben gestürzt ist, kann der Hirte es mit der Krümmung wieder heraus holen.

Wenn ihr euch im Leben verirrt, wenn ihr in dunkle Täler stürzt, wenn ihr euch vom Glauben, vom Guten Hirten entfernt oder euch in Dornen des Zweifels und der Sorgen verfangt, er geht euch nach, er liebt euch nach Hause, er holt euch mit dem Stab seiner Geduld und seiner Liebe wieder zurück. Und darum stehe ich für ihn, für den Guten Hirten, und wenn ihr mich umdreht, was seht ihr dann? Ein großes “J” – das steht für Jesus! Jesus ist doch die Hauptsache an Weihnachten.

Von diesem Jesus werdet ihr jetzt singen.

III.
Warum eigentlich sind wir Candy Canes weiß und rot? Nun, das hat auch eine Bedeutung. Das Weiß steht für die Reinheit Jesu. Er ist geboren als ein Mensch wie ihr. Aber als Einziger war er ohne Sünde. Denn er kommt von Gott. Er ist Gottes Sohn. Nur darum kann er die Menschen erlösen. Und die roten Streifen, die deuten auf die Leiden Jesu, sie deuten auf das Blut Jesu, das er am Kreuz vergossen hat. Ja, Krippe und Kreuz gehören zusammen! Krippe und Kreuz sind aus dem gleichen Holz geschnitzt. Wer Weihnachten feiert, darf sich auch über Karfreitag und Ostern freuen. Denn das bedeutet doch: Jesus vergibt euch, und er schenkt Leben. Ewiges Leben!

Ihr habt alle eine Menge Geschenke unter dem Weihnachtsbaum gefunden. Aber all diese Geschenke gehen irgendwann mal kaputt, man verliert sie, oder sie werden alt. Aber Gottes Geschenk ist das größte, es verliert niemals seinen Wert! Gottes Geschenkt ist das ewige Leben!

Darum – guckt mal, wenn man das “J” umdreht, wird es ein “L” – für Leben! Das ist das allerbeste an Weihnachten: Dass Jesus uns das Leben schenkt! Das ewige Leben. Ach, und das “L” bedeutet noch so viel mehr: “Lieben”. Wollt ihr Menschen nicht Jesus lieben, der aus Liebe zu euch so viel gegeben hat? Ihr könnt euch bei ihm einhaken. Ihr könnt euch an ihn klammern. Und dann hält er euch und trägt euch, so wie 2 Candy Canes mit einander verhakt und verbunden sein können. Und schaut nur: So wird ein Herz aus uns!

Die alten Weihnachtslieder bringen das damit zum Ausdruck, dass sie das Wort “süß” benutzen. Vorhin habt ihr im Lied “Es ist ein Ros entsprungen” gesungen: “Das Blümelein so kleine, das duftet uns so süß.” Ihr müsst wissen, in alter Zeit war Süßigkeit, Zucker, etwas ganz Kostbares, etwas, was man nicht mit Dickwerden oder Zahnschmerzen in Verbindung gebracht hat – weil man es ohnehin viel zu selten hatte!- , sondern mit einem ganz hohen Wert und mit großer Liebe. Paul Gerhardt sagt zu Jesus “Süßes Heil, lass dich umfangen.” Und über Jesus dichtet er: “Nun er liegt in seiner Krippen, ruft zu sich mich und dich, spricht mit süßen Lippen…” Damit meint er nicht: Ach, wie süß und niedlich! Sondern mit Lippen, mit Worten voller Liebe und Wertschätzung.

Und ein anderer Liederdichter, Gerhard Tersteegen, der sagt zu Jesus: “Süßer Immanuel”. Immanuel ist ein andrer Name für Jesus, heißt auf Deutsch: “Gott mit uns”. Und “Süßer Immanuel” meint “kostbarer, wertvoller Immanuel, voller Liebe.” So bitter das Leiden Jesu und sein Weg von der Krippe zum Kreuz war, so süß, d.h. do wertvoll, so kostbar ist seine große Liebe zu uns.

Und darum steht das “L” auch für “Loben”: “Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.”

Nun habt ihr meine Geheimnisse erfahren. Und wenn ihr irgendwo Candy Canes seht oder andere leckere Weihnachtssüßigkeiten futtert, dann denkt daran, wie süß die Liebe Gottes ist! Und denkt an diesen Hirtenstab, an die Hirten von Bethlehem, an den Guten Hirten Jesus, für den das “J” steht und ans “L”. Für Leben, Lieben und Loben. So wollen wir jetzt weiter Gott und Jesus loben mit unsern Liedern.

Amen.

 

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