Nicht auf Sand gebaut

Gottesdienst zum 60-jährigen Jubiläum des Siedlerbundes Haste / Hohnhorst am Sonntag, 30.07.2017

Thema: Nicht auf Sand gebaut

Predigt: Pastor Gero Cochlovius

Text: Psalm 127,1f u. Matth. 7,24-27

 

 

Liebe Mitglieder und Freunde der Siedlergemeinschaft Haste-Hohnhorst! Liebe Gemeinde!

Den Siedlern erst mal herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum! 60 Jahre kümmern Sie sich um Menschen mit Wohneigentum. Die meisten von Ihnen haben mal ein Häuschen gebaut oder erworben. Home, sweet home, sagt der Engländer. Trautes Heim, Glück allein! – sagen auch manche. Das zeigt, wie schön das ist, in den eigenen 4 Wänden zu leben! Mancherorts ist das gar nicht so einfach. In München hatte Tommy Schmidt die Nase voll von den teuersten Mietpreisen Deutschlands. Er fragte sich: Wie viel Haus braucht man wirklich? Und zog aus Protest mitten in Münchens Innenstadt in ein kleines Gartenhäuschen ein: 4 qm groß, oder besser klein! Darin ein Bett, eine Kommode, ein Spiegel, zwei Lampen und eine Heizung. Ohne Wasser, ohne Küche, ohne Bad! Für die eingesparte Miete geht er zum Duschen ins Fitnessstudio, zum Essen ins Restaurant und zum Lesen in die Bücherei. Und dass auch sein Klavier keinen Platz in der neuen Bleibe fand? Kein Problem: Zum Klavierspielen geht er in ein Musikgeschäft, wo er jederzeit auch einem echtem Steinway-Flügel spielen kann, für 10 Euro die Stunde. Was man sich mit so einer eingesparten Miete alles leisten kann! An seinem Häuschen steht ein großes Schild: “Mei sweet hoam”. 4 qm – klein, aber mein!

Liebe Siedler im Schaumburger Land – da haben wir es hier doch noch besser mit den Grundstücks- und Immobilienpreisen! Hier kann man bauen.

Das Häuserbauen hat die Menschen schon immer beschäftigt. Schon in der Bibel lesen wir vom Häuslebauern und von Bauarbeitern, wir haben es vorhin im Evangelium gehört. In der Martins-Gemeinde haben wir zur Zeit eine Predigtreihe zu den Psalmen. Und da gibt es den wunderschönen Psalm 127, wo vom Hausbau die Rede ist. Ich lese die ersten beiden Verse.

1 Von Salomo. Wenn der HERR nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen. Wenn der HERR nicht die Stadt behütet, so wacht der Wächter umsonst.
2 Es ist umsonst, dass ihr früh aufsteht und hernach lange sitzet und esset euer Brot mit Sorgen; denn seinen Freunden gibt er es im Schlaf.

Dazu zwei Fragen: Wer ist der Bauherr? Und: Was ist dein Fundament?

 

1) Wer ist der Bauherr?

Es geht beim Hausbau in der Bibel nicht in erster Linie um die 4 Wände, in denen wir wohnen, sondern es geht um ein viel wichtigeres Haus, es geht um unser Lebenshaus. Unser ganzes Leben kann man mit einem Haus vergleichen. Und das soll schön sein, das soll aber auch halten und nicht wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallen. Vielleicht ist unser Leben nicht unser Traumhaus, das wir uns mal erträumt haben, vielleicht ist es nicht so groß, wie wir es gerne hätten, aber es gehört zu uns. Es ist unser. Und Hausbesitzer wissen: Es wird eigentlich immer was an einem Haus gebaut. Man ist nie fertig, es gibt immer was zu reparieren, was umzubauen. So ist es im Lebenshaus auch. Auch da gibt es immer wieder Baustellen. Doch die Frage, die uns unser Psalm heute Morgen stellt, ist: Wer ist der Bauherr? Na, ich! So denkt man beim eigenen Lebenshaus. Das ist doch klar! Man muss doch sein Lebenshaus selbst bauen, sein Glück selbst in die Hand nehmen. Ja, natürlich! Das stimmt. Wir müssen unser Leben leben, selber die Entscheidungen treffen, wie wir leben wollen, welchen Beruf wir ergreifen, welchen Menschen wir heiraten, wie wir unsere Freizeit gestalten und und und. Das sind die Bausteine unseres Lebens, und wir müssen es bauen. Und viele von Ihnen haben bei ihrem wirklichen Haus auch ganz viel selber gebaut, ganz viel in Eigenleistung hinbekommen. Und wie beim Haus, so im Leben. Doch unser Psalm zeigt uns einen tieferen Blick. Er sagt: Es gibt hinter den Kulissen noch einen Herrn, einen anderen Bauherrn als uns selbst. Gott! Er möchte gerne unser Lebenshaus bauen. Nicht ohne uns, sondern mit uns. Es heißt ja nicht: Wenn der Herr das Haus baut, dann sind die Bauarbeiter überflüssig. Wenn Gott dein Leben bestimmt, hast du nichts mehr zu tun! Sondern eher umgekehrt: Wenn der Herr nicht das Haus baut, dann ist das menschliche Bauen überflüssig. Vergeblich. Umsonst vielleicht nicht, denn alles kostet was. Aber vergeblich. Doch wenn Gott das Haus baut, dann bauen die Arbeiter, die Menschen, nicht vergeblich. Das heißt: Unser Leben, unser Tun bekommt einen Sinn. Einen tieferen Sinn.

Unsere menschlichen Pläne sind ja oft so zerbrechlich, so unkalkulierbar. Das hat mich schon ziemlich traurig gemacht, als ich vor einiger Zeit mitbekam, wie ein junges Paar sich gemeinsam daran machte, ein Traumhaus zu bauen. Groß genug sollte es sein für künftige Kinder! Beide hatten einen guten Job. Trotzdem musste man einen Kredit aufnehmen. Dann war das Traumhaus fertig, es folgte die Traumhochzeit. Und dann: 1 Jahr später erfuhr ich: Das Haus steht zum Verkauf! Nanu? Wie das? Ja, die beiden haben sich getrennt. Die Scheidung läuft. Mir taten die beiden so leid! Da hatte man mit so großen Plänen und Träumen begonnen, sein Haus, sein Lebenshaus zu bauen. Und dann: alles zerplatzt wie Seifenblasen, zusammengefallen wie ein Kartenhaus. Trotz aller Mühe und Arbeit. Vielleicht sogar wegen aller Mühe und Arbeit. Ich frage mich: Will Gott vielleicht auch darum der Bauherr in unserem Leben sein, damit nicht die Arbeit der Herr ist und uns erdrückt und kaputt macht? Das Wort, das in unserem Psalm im hebräischen Urtext steht an der Stelle, wo es heißt: Wenn der HERR nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen. – das ist mit “arbeiten” fast zu schwach übersetzt. Das müsste man eigentlich übersetzen mit abmühen, abrackern, sich plagen. Und das trifft ganz gut die Lebenswirklichkeit vieler Menschen heute.

Neulich las ich wieder in einer Traueranzeige: “Müh’ und Arbeit war sein Leben.” Mal ganz ehrlich: Das klingt doch eher wie ‘ne Anzeige für ein Pferd als für einen Menschen. Unser Leben soll doch mehr sein als Müh’ und Arbeit. Und darum lädt uns der Psalm ein: Lass Gott den Bauherr deines Lebens sein. Der Bauherr führt ja in der Regel nicht alle Arbeiten selbst aus, aber er trifft die grundlegenden Entscheidungen, mit ihm beraten sich die Gewerke und Arbeiter. Und so wollen wir auch uns mit Gott beraten im Gebet. Wollen ihn bitten, bei den Entscheidungen unseres Lebens, dass er uns leitet, dass er uns führt. Dass er uns auch zeigt, wo in unserem Leben etwas renoviert werden muss, wo es Schadstellen oder gar Schimmel gibt.

Neben dem Bauherrn ist noch etwas anderes wichtig: Das Fundament!

 

2) Was ist dein Fundament?

Glücklicherweise gibt es ja bei uns Baubehörden, die auf Fundamente achten und ein gewisses Grad an Sicherheit garantieren, wenn sie auch mitunter sehr lästig sind! Ein Amerikaner und ein Deutscher wollen um die Wette ein Haus bauen. Nach 4 Wochen ruft der Ami an und sagt: „Noch 10 Tage, dann feiern wir Richtfest…“ Sagt der Deutsche: „Noch 10 Formulare – dann können wir anfangen!“ Also beim Hausbau ist hierzulande meist für ein gutes Fundament gesorgt. Aber wie sieht das bei Hausbau unseres Lebens aus? Wir haben vorhin in der Evangeliumslesung gehört, wie Jesus das sieht mit dem Fundament:

24 Darum, wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute.

Ein Fundament aus Felsen! Vielleicht so wie bei diesem Haus im norwegischen Kristiansund auf der Titelseite unseres Liedblattes. Jesus meint also: Wer auf ihn hört und danach lebt und handelt, mit ihm lebt, eine Beziehung zu Jesus pflegt, der hat ein gutes, felsenfestes Fundament für das Leben.

Denn Jesus weiß, dass es Stürme und Unwetter gibt. Wir haben das ja nun in Norddeutschland in den letzten Tagen zur Genüge miterlebt, wie das ist mit dem starken Dauerregen. Jesus sagt das so:

25 Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegründet.

Einer, der dieses Fundament hat, der diesen Glauben an Jesus Christus gefunden hat – und damit auch schon manchen Sturm und Platzregen im Leben durchstanden hat, ist einer aus der Bundesliga. Bald geht’s ja wieder los. Manche können es kaum erwarten, dass der Ball wieder rollt. Der neue Trainer von Bayer Leverkusen ist Heiko Herrlich. Manche erinnern sich noch an ihn, als er selber in den 90ern ein sehr guter Profifußballer war.

Er war eigentlich ein Party-Mensch, der sich die Nächte gerne mal mit Whisky-Cola um die Ohren schlug. Doch er merkte, dass er so sein Leben auf Sand baut. Dann kam er über den brasilianischen Fußballer Jorginho in Kontakt mit dem christlichen Glauben. Der lud Herrlich in eine Bibelstunde ein, wo er sich 1990 bekehrte, wo er Gott einlud, Bauherr seines Lebenshauses zu werden. Das können andere oft nicht verstehen. Herrlich sei “komisch”, meinte ein Mannschaftskamerad einmal, “der sitzt auf dem Klo und liest die Bibel”. Das Bekenntnis zu seinem Christsein machte sein Leben als Profi nicht leichter. Wenn er bei einem Zweikampf im Strafraum seinen Gegner mit dem Ellenbogen im Gesicht traf, wurde er später spöttisch gefragt: “Und du willst Christ sein?”

Im Alter von 28 Jahren erlebte Heiko Herrlich, dass der Glaube an Jesus nicht vor Lebensstürmen bewahrt, aber ein festes Fundament ist, was auch dann noch Halt gibt. Er erkrankte an Krebs. Ein Hirntumor. Bösartig. Als er die Diagnose erfährt, betet er. Er fragt sich: “Was ist, wenn ich heute Abend in den Himmel komme, und Gott sitzt da und fragt: Was hast du aus deinem Leben gemacht? Wenn ich oben ankomme, dann will ich mit meiner Welt im Reinen sein.”

In einem Interview mit der Abendzeitung München sagte er später, sein christlicher Glaube habe ihm in dieser Zeit Halt gegeben. „Der Glaube ist mir das Wichtigste im Leben. Ich lebe diesen Glauben permanent aus, lasse ihn auch in meine Arbeit einfließen. Ich hinterfrage mich jeden Tag neu. Ich gehe auch oft in die Kirche. Ich war schon vor dem Krebs damals gläubig, diese Werte sind für mich elementar.“ Der Krebs konnte besiegt werden, und Herrlich sagte auf einer Pressekonferenz: “Gott hat mir in der schweren Zeit Trost und Kraft und inneren Frieden gegeben.” Und auch später ging sein Leben nicht immer glatt. Auch als Christ macht man Fehler, erlebt Scheitern und Niederlagen. Seine Ehe ging in die Brüche, und gerade jetzt hat er einen ziemlichen Shitstorm erleben müssen, weil er kurz vor seinem Wechsel nach Leverkusen noch verkündet hatte, er wird seinem Club Jahn Regensburg, mit dem er gerade den Durchmarsch von der 3. in die 2. Liga geschafft hat, treu bleiben. Das war sicher ein großer Fehler. Ja, auch wir Christen sind nur Menschen, die Fehler machen. Aber das wirft nicht unser Lebenshaus um. Das Fundament unseres Hauses ist die Liebe Gottes und das Wissen um die Vergebung, die uns Jesus Christus schenkt.

Und so lohnt es sich, auf dieses Fundament zu bauen.

Amen.

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