Leben wie ein Feuerwerk

Jahresschlussgottesdienst am Altjahresabend, Sonntag, dem 31.12.2017

Thema: Leben wie ein Feuerwerk

Predigt: Pastor Gero Cochlovius

Text: Psalm 97,11; 1. Joh. 2,17; Richter 5,31 u.a.

Liebe Gemeinde,

Feuerwerk! Was für eine Faszination geht von Feuerwerk aus! Mir scheint, besonders Jungs sind fasziniert von den bunten Böllern. Ich erinnere mich, als ich noch ein kleiner Steppke von vielleicht 8 Jahren war – wir wohnten damals noch in Oberfranken -, da marschierte ich am Neujahrsmorgen los und wollte lauter nicht gezündete Böller und Knallfrösche einsammeln und mein eigenes kleines Feuerwerk machen. Ich glaub, mein großer Bruder hatte diese verrückte Idee. Ich fand jede Menge so komische runde Dinger, kleine Kügelchen. Mein großer Bruder hatte mir gesagt: “Das sind solche Knaller!” Als ich mit vollgestopften Jacken- und Hosentaschen nach Hause kam, sah meine Mutter die Bescherung. “Was hast du denn da eingesammelt?!” fragte sie ganz verdattert. “Na ja, Böller, halt…” – “Nee, mein Lieber, das sind alles Hasenköddel!” Da hatte mich mein lieber Bruder ganz schön reingelegt.

Seit der chinesischen Song-Dynastie vor über 1000 Jahren, wo man wohl das Feuerwerk erfand, ziehen Feuerwerke weltweit die Menschen in ihren Bann. Auch dieses Jahr werden wir Deutschen in sechseinhalb Stunden beginnen, 137 Millionen Euro (und leider auch jede Menge Feinstaub!) in die Luft zu jagen. Feuerwerk! Allein schon der Begriff lässt vor unserm inneren Auge sprühende Funken und helles Funkeln, gleißendes Glitzern und bunte Lichter entstehen. Irgendwie schön. Und so gibt es auch ein Feuerwerk der Turnkunst, Feuerwerk der Volksmusik, Feuerwerk der Geschmacksnerven, Feuerwerk der Glücksgefühle oder wie Andreas Bourani es in seinem Song “Ein Hoch auf uns” mal ausgedrückt hat: “Ein Feuerwerk der Endorphine”. Und im Radio läuft derzeit ein Song von Wincent Weiss: “Leben wie ein Feuerwerk” Und auch Max Giesinger singt von einer Art himmlischen Feuerwerk: “Wenn wir uns begegnen, dann leuchten wir auf wie Kometen.”

Drei Gedankengänge, die ich mit Schlagworten überschreiben möchte, die direkt aus einer Feuerwerkswerbung kommen könnten: Hell! Schnell! Sensationell!

1) Hell: Ein Lichtblick
In diesen Liedern, die wir in dieser Songcollage zu hören waren, da steckt für mich ganz viel von dem Lebensgefühl unserer Zeit. Ich finde, Feuerwerk ist wirklich ein passendes Bild dafür, wie viele Menschen – besonders vielleicht junge Menschen – ihr Leben erleben wollen. Hell und grell und bunt und laut. Spaß und Freude. Feiern und Fröhlich sein. Lauter Lichtblicke: “Lass uns leben wie ein Feuerwerk, die ganze Welt kann uns gehörn. Verbrenn’n die Raketen Stück für Stück.” Und dann heißt es in dem Song: “Ich geh’ noch nicht rein, weil ich nichts verpassen will.”

Bloß nichts verpassen wollen. Alles erleben. Hm. Da kommen einem vielleicht schnell warnende und mahnende Gedanken. Ist das nicht viel zu oberflächlich? Nur für den Augenblick zu leben, nur für den Spaß, nur für das Vergnügen? Ist das nicht zu wenig? Doch wir sollten nicht vorschnell kritisieren. Ich sehe darin auch eine ungeheure Lebensfreude. Und es ist schön, sich an den Leuchtraketen und Lichtblicken des Lebens zu freuen. Und als Christen können wir Gott doch für Lichtblicke im Leben danken. Oder sehen wir diese hellen Momente, diese Lichtblicke gar nicht mehr, weil wir so damit beschäftigt sind, uns Sorgen zu machen, oder weil wir vieles so düster sehen?

In Psalm 97,11 heißt es: “Dem Gerechten muss das Licht immer wieder aufgehen.” Das heißt doch: Gott schenkt dem Gerechten, und das ist in der Sprache der Psalmen der, der ihm ganz vertraut, immer wieder Lichtblicke. Er schenkt uns Lichtblicke, Freudestrahlen, Trostglanz, Hilfefunken, Kraftschöpfungsleuchten… Das Schöne am Feuerwerk ist: Es leuchtet hell mitten in der Nacht. Also dann, wenn es ringsum dunkel ist. Und so ist es auch mit Gottes Leuchtraketen: Auch wenn in dieser Welt vieles dunkel ist und im Argen liegt, dennoch schenkt er uns helle Lichtblicke. Und so möchte ich einfach mal fragen: Was waren die Lichtblicke deines Lebens im vergangenen Jahr? Was waren helle Momente? Wo du auch ein Feuerwerk aus Endorphinen, aus Glücksgefühlen verspürt hast? Und dann denke ich: Jesus will auch uns gebrauchen, um für andere ein Lichtblick zu sein. Sagt er nicht: “Ihr seid das Licht der Welt.” (Matthäus 5,14)? Am dunklen Nachthimmel dieser Welt braucht es Menschen, die für Jesus leuchten! In Lukas 12,35 sagt er: “Lasst eure Lichter brennen!” Wo können wir im neuen Jahr für einen anderen Menschen ein Lichtblick, ein Bote der Liebe Gottes sein? Einen Kranken besuchen? Streitende zur Versöhnung ermutigen? Den ersten Schritt wagen und um Verzeihung bitten? Eine Patenschaft für ein Kind in Afrika anfangen? Den Kurs für Sterbebegleiter mitmachen, der bei uns im Januar beginnt? Es sind vielleicht nur kleine Leuchtspuren am dunklen Nachthimmel – aber es kann einem Menschen einen Lichtglanz ins Gesicht zaubern.

Hell: Ein Lichtblicke.

2) Schnell: Ein Augenblick
Das ist ja ein zweites Kennzeichen von Feuerwerken. Sie sind unglaublich schnell vorbei. Auch heute Nacht! In einer viertel oder halben Stunde ist alles aus und vorbei! Und so ist es leider mit den Glücksaugenblicken im Leben auch oft. Sie sind meistens so vergänglich! Wincent Weiss singt: “Lass uns leben wie ein Feuerwerk, als wenn es nur für heute wär’. Denn diese Augenblick kommt nie zurück! Feuerwerk und alles ist so schnell vorbei! Asche und Erinnerung ist, was morgen überbleibt.”

Ich glaube, das ist eine ganz wichtige und wertvolle Erkenntnis! Denn es zeigt uns doch: So schön das Glück und die hellen Lichtblicke im Leben sind, sie sind vergänglich. Und sie reichen nicht, um unser Leben allein daran zu hängen, um unsere Sehnsucht zu stillen. Von unserem Leben soll doch am Ende mehr übrig bleiben als Asche und Erinnerung! Wenn es in dem Song heißt: “Lass uns leben wie ein Feuerwerk, und alles ist so schnell vorbei!”, dann erinnert mich das an die Bibel, die uns im 1. Johannesbrief 2,17 sagt: “Die Welt vergeht mit ihrer Lust; wer aber den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit.” Das ist eine klare Botschaft für unser Leben. Für junge Leute, aber ich denke, auch für uns alle: Spaß, Vergnügen, Party – das alles trägt nicht für immer. Bitte versteht das nicht falsch! Jesus ist kein Spaßverderber und auch nicht gegen das Feiern. Keineswegs! Er hat selber gefeiert, hat Wasser in Wein verwandelt, wurde als “Fresser und Weinsäufer” verspottet. Und wenn wir heute Silvester feiern, dann können wir das auch als Christen fröhlich tun, solange es nicht versaut oder maßlos zugeht. Aber macht das Feiern und den Spaß nicht zu euerm Hauptlebensinhalt! Johannes schreibt hier: “Habt nicht liebt die Welt noch was in der Welt ist.” Damit meint er: Hängt nicht euer Herz daran. Wer nur für den Spaß und die Partys lebt, der lebt nur für den Augenblick, der zwar hell und grell sein mag wie ein Feuerwerk, aber der viel zu schnell verglüht. Der große Goethe sagt im Faust: “Augenblick, verweile doch, du bist so schön!” Und der Philosoph Friedrich Nietzsche schreit: “Alle Lust will Ewigkeit -, will tiefe, tiefe Ewigkeit!”

Leben wie ein Feuerwerk, nur für den kurzen Moment, für den Augenblick, hell und schnell – das ist zu wenig! Darum gut, dass es noch mehr gibt: Wer aber den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit.

Hell, schnell, sensationell! So wirbt man für ein Feuerwerk. Wirklich sensationell ist das, was Gottes Wort uns anbietet:

3) Sensationell: Ein Ausblick
Der Ausblick, den Gott uns gibt, überstrahlt alle Feuerwerke dieser Welt. Der ist sensationell! In Richter 5,31 lesen wir diesen Ausblick: “Die Gott lieb haben sollen sein, wie die Sonne aufgeht in ihrer Pracht.” Und Jesus greift das auf und sagt über alle Gotteskinder: “Dann werden die Gerechten leuchten wie die Sonne in ihres Vaters Reich.” (Matthäus 13,43)

Was ist so ein Feuerwerk gegenüber der Sonne? Ein Nichts! Ein kleiner, kurzer Funke! Was ist alle Herrlichkeit dieser Welt, alle Freude dieses Lebens gegenüber der Herrlichkeit in Gottes Welt?! Wir dürfen wie die Sonne leuchten, aufgehen in Pracht! Wohlgemerkt: Aufgehen! Hier ist vom Sonnenaufgang die Rede, nicht vom Untergang! Hier ist vom Morgen die Rede! Und das ist Hoffnung, das ist Trost, auch wenn das Leben nicht so fröhlich und hell aussieht wie ein Feuerwerk. Auch wenn die Raketen verglüht und der Lärm der Böller verhallt sind und die Nacht alles überdeckt. Auch wenn einem das Liebste genommen wurde oder du vielleicht gerade im vergangenen Jahr Schweres erlebt hast: Wenn du Jesus hast, wenn du ein Kind Gottes bist, dann gibt es ein Morgen! Und das gibt Mut auch für das kommende Jahr, das Jahr 2018. Was immer uns Sorgen macht, oder bedrohlich vor uns liegt, wir dürfen ans Morgen und an den Morgen denken! An den Morgen mit einem hellen, warmen Sonnenaufgang. Die Gott liebhaben, sollen sein wie die Sonne aufgeht in ihrer Pracht.

Sagt diese Botschaft allen, die meinen, dieses Leben hier bis zum Letzten auspressen zu müssen wie ein Zitrone. Wenn Wincent Weiss singt “Wir hab’n uns mal geschworen: Ey wir warten nie auf morgen”, wer sagt ihm: Hey, Junge, es gibt ein Morgen, auf das es sich zu warten lohnt! Es ist schon gut und richtig, ganz im Hier und Heute leben zu wollen und nicht immer nur an gestern oder morgen zu denken. Aber es ist auch gut zu wissen: Wir haben ein Morgen, eine Zukunft! Eine Zukunft, die größer und heller ist als die paar Jahre hier auf der Erde.
Es ist irgendwie traurig, dass die Menschen heutzutage eine viel geringere Lebenserwartung haben als in früheren Zeiten. Wir haben heute nur noch 80 oder 90 Jahre zur Verfügung, und in denen muss man alles erleben! Wisst ihr, dass die Menschen früher älter wurden als heute? Früher wurden sie 30 + ewig. Heute werden sie nur noch 80 oder 90. Das ist wenig. Im Vergleich zu 30 + ewig! Und da muss man in diese 90 Jahre alles reinpacken, alles erleben, was es gibt. Bloß nichts verpassen. Uns ist heute die Perspektive Ewigkeit oft verloren gegangen. Doch manch einer ahnt es, dass es mehr gibt! Ja, selbst Wincent Weiss sagt ja in seinem Song: “Da ist noch so viel mehr!” Eine Ahnung davon, dass es mehr gibt als nur Feuerwerke. Wenn wir den Glauben an Jesus, eine Beziehung zu Jesus haben, dann geht uns die Sonne auf. Dadurch können wir gelassen und fröhlich unser Leben leben. Und frohen Mutes in die Zukunft schauen, ohne die Freuden der Gegenwart aus dem Blick zu verlieren. Und dann können wir uns auch freuen an den kleinen Feuerwerken und Lichtblicken, die Gott uns schon in diesem Leben, schon im Jetzt und im Hier schenkt.

Ich habe vorhin gefragt: Wo sind die Lichtblicke, die Feuerwerke für dich im vergangenen Jahr, vielleicht auch in deinem bisherigen Leben gewesen? Wo hat Gott dir tiefe Freude geschenkt? Ich lade Sie und euch ein, mal innezuhalten und Gott zu danken. Und dabei kann es uns vielleicht inspirieren, hier vorne auch ein kleines Feuerwerk zu erleben.

Amen.

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