Krieger des Lichts

Festgottesdienst am ersten Sonntag im Advent, dem 01.12.2019

Thema: Krieger des Lichts

Predigt: Pastor Gero Cochlovius

Text: Römer 13,8-12

Liebe Krieger!

Eine befremdliche Wortwahl, ganz besonders in der Kirche. So etwas anders als “Liebe Gemeinde!” Ist nicht die Botschaft der Kirche eine Botschaft von der Liebe Gottes? Und unsere Aufgabe ist es doch, diese Liebe weiterzugeben und zu helfen, dass zwischen Menschen Versöhnung und Frieden gibt. Und ist nicht der Respekt vor der Würde des Anderen ein wichtiger Bestandteil des Glaubens? Krieger – das scheint da gar nicht so recht als Anrede zu passen. Und es lässt uns erschaudern, wenn wir das Wort “Gotteskrieger” in den Nachrichten hören. Wie jetzt wieder bei dieser Messerattacke in London. Das ist wahrlich kein Ehrentitel! Das steht für Terrorismus und Gewalt. Und dennoch heute Morgen, an so einem gemütlichen, festlichen Adventssonntag diese Anrede “Liebe Krieger!” – Warum? Die Anrede muss weitergehen: “Krieger des Lichts” muss es heißen. Und sie wird uns durch unseren Predigttext nahegelegt, den wir vorhin gehört haben. “So lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts.”  So sagt es Paulus.

Paulus weiß, dass wir nicht in einer heilen Welt leben. Sondern, dass es in unserem Leben Kämpfe gibt. Und auch in dieser Welt. Dass da Licht und Dunkelheit aufeinanderprallen. Gut und Böse. Hell und Dunkel. Und das wissen wir alle. Diese Realität spiegelt sich wider in all den Fantasygeschichten, wo es diese Kämpfe und Kriege gibt zwischen den Mächten der Finsternis und des Lichts. Denken wir z.B. an “Herr der Ringe”. Aber auch in so vielen Computerspielen wollen die Zocker Krieger sein, kämpfen, siegen. Und manchmal merken sie gar nicht, wie sie dabei selbst gefesselt und gefangen werden. Vor 3 Wochen erst passierte wieder so etwas Schreckliches: Der 17-jährige Piyawat Harikun, ein Junge in Thailand, starb an einem Schlaganfall, nachdem er Tag und Nacht Computerspiele spielte. Tagsüber zog er die Vorhänge zu, um ungestört zocken zu können. Ein Krieger, der alle besiegte und dabei selbst ums Leben kam.

Paulus will ganz andere Kämpfer, andere Krieger. Er will, das Christen “Krieger des Lichts” sind. Glaube ist eine Beziehung, die unser ganzes Leben prägen will. Eine Freundschaft mit Jesus Christus, dem Licht der Welt, und das bedeutet zugleich ein Kampf gegen alle Finsternis, gegen alles Böse und den Bösen. Ein Kampf für die Liebe, gegen Hass und Selbstsucht, ein Kampf für Frieden, gegen Gewalt und Streit. Glaube ist kein Zuckerschlecken und kein Spaziergang, sondern eine Herausforderung. Und doch lohnt es sich, diesen Weg zu gehen. Diesem Aufruf zu folgen an die Krieger des Lichts.  Vor Jahren machte die Gruppe Silbermond einen Song, der sich sehr gut auf die Botschaft des Glaubens übertragen lässt. Dieser Song kann uns helfen, den alten Worten der Bibel nachzuspüren und ihre Bedeutung für unser Leben zu entdecken. Wir hören dieses Lied.

Soweit die Gruppe Silbermond.  Wie ich finde, passt es ausgezeichnet zu den Worten des Paulus, die wir vorhin gehört haben. Ja, es sind z.T. die gleichen Worte.

1) Lasst uns aufstehn!

11 Und das tut, weil ihr die Zeit erkannt habt, dass die Stunde da ist, aufzustehen vom Schlaf, denn unser Heil ist jetzt näher als zu der Zeit, da wir gläubig wurden. 12 Die Nacht ist vorgerückt, der Tag ist nahe herbeigekommen.

So sagt es Paulus. “Lasst uns aufstehn! Macht euch auf den Weg!” So sagt es Silbermond.

Jetzt macht euch auf den Weg des Glaubens! “Wo seid ihr? Ihr seid gebraucht hier!” Das sagt Gott uns zu. Er braucht uns, er braucht dich auf dieser Erde, wo so viel Finsternis herrscht, weil die Menschen oft so verstrickt sind in sich selbst, weil Neid und Habgier das Denken prägen, weil schon in der Schule manche fast zerbrechen unter dem irren Leistungsdruck oder unter dem Mobbing durch andere. Weil im Berufsleben die Anforderungen oft gnadenlos sind. Weil in unserer Zeit die Auseinandersetzungen mit den unterschiedlichen politischen Meinungen und Positionen immer rücksichtsloser und erbarmungsloser werden. Muss man denn den andern als Person beschimpfen, hasserfüllt niederbrüllen und fertigmachen, nur weil man seine Überzeugungen ablehnt? Und das geht in einem wilden Kreislauf hin und her und schaukelt sich immer höher. Man wirft dem andern Hass und Hetze vor und hetzt dabei selber voller Hass. Und umgekehrt. Wer stiftet Versöhnung? Wer unterscheidet zwischen Person und Position? Lasst uns aufstehen vom Schlaf der Gleichgültigkeit! Wo sind die Krieger des Lichts, die Boten des Evangeliums, der rettenden Botschaft von Gottes Liebe? Die kämpfen, nicht mit den Waffen der Finsternis, nicht mit Hass und Verunglimpfung. Ich weiß selber, wie schwer es mir fällt, bei manchen Dingen, die in unserm Land vor sich gehen, die ich als dumm und kurzsichtig empfinde, nicht wütend zu werden und selbst in die Falle zu tappen, lieblos über andere zu urteilen, deren Meinung ich nicht teilen kann. Doch als Krieger des Lichts lass dich nicht abbringen vom Weg des Evangeliums, auch wenn andere dir Steine in den Weg legen wollen. Sei wie der Fluss, der eisern ins Meer fließt. Der sich nicht abbringen lässt, egal, wie schwer’s ist.

Das ist manchmal ermüdend. Vielleicht bist du einfach manchmal müde im Glauben, resigniert, erschöpft, enttäuscht.  Der Pastor einer Dorfgemeinde ist ein wenig ärgerlich: Der alte Hermann kommt zwar regelmäßig mit seinem Enkel Paul zum Gottesdienst, aber in der Predigt schläft er jedes Mal ein, und schnarcht auch noch so kräftig, dass die Leute schon darüber tuscheln. Nun, der Pastor ist ein Pfiffikus und nimmt eines Tages den Enkel Paul zur Seite: „Hör mal, Paulchen, wir machen’s so: Immer wenn Opa einschläft, dann gibst du ihm einen kleinen Stoß in die Seite, dass er aufwacht, und ich geb dir hinterher 50 Cent dafür, ja?“ – „Klar, Pastor, abgemacht.“ Das klappt auch einige Sonntage hervorragend. Opa Herrmann bleibt wach. Doch auf einmal, nach ein paar Wochen, mitten in der Predigt geht’s wieder los mit dem Geschnarche. Hinterher fragt der Pastor den Jungen: „He, Paul, was ist los? So kriegst du deine 50 Cent aber nicht.“ Darauf grinst der Kleine: „Nö, aber von Opa krieg ich 1 Euro, wenn ich ihn schlafen lasse!“ Ist unser Glaube manchmal so wie Opa Hermann? Dass er einfach eingeschlafen ist? Du hast mal gebrannt im Herzen, vielleicht bei der Freizeit, aber inzwischen bist du wieder träge und müde. Silbermond singt: Wenn dein Wille schläft, dann weck ihn wieder! Paulus würde sagen: Wenn dein Glaube schläft, dann weck ihn wieder! Es ist Zeit aufzustehen vom Schlaf. Die Nacht ist vorgerückt.

2) Hab keine Angst vor deinen Schwächen

Was Paulus so alles aufzählt, wie ein Leben als Krieger des Lichts aussehen sollte, das kann auch durchaus entmutigend sein. 8 Seid niemandem etwas schuldig, außer dass ihr euch untereinander liebt. »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.« 10 Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung. So viel ist da von Liebe die Rede. Und weiter, in der Übersetzung “Hoffnung für alle” heißt es dann: Lasst uns ein vorbildliches Leben führen, so wie es zum hellen Tag passt. Wer schafft das denn immer, so selbstlos, so vorbildlich zu leben? So aus der Liebe zu leben? So treu im Glauben? Ich jedenfalls nicht. Wenn wir auf unsern eigenen Glauben schauen würden, müssten wir Angst haben, weil der oft wackelig ist, stimmt’s. Aber Silbermond singt es so toll: „Hab keine Angst vor deinen Schwächen!“ Vielleicht fühlst du dich manchmal schwach und allein. Und du siehst nur deine Schwächen. Vielleicht guckst du in den Spiegel, und du magst dich nicht und bist verzweifelst, wenn du dich mit andern vergleichst. Du denkst: Was kann man mit mir schon anfangen?! Gott kann etwas mit dir anfangen! Mehr als du glaubst! Und er braucht dich! Ihr seid gebraucht hier! Hab keine Angst vor deinen Schwächen! Auch nicht vor deinem Scheitern. Gott vergibt dir dein Versagen und gibt dir immer wieder neu eine neue Chance! Paulus redet von einem Geheimnis. Er sagt: “Zieht an den Herrn Jesus Christus.” Wenn man das hört, dann kapiert man erst mal nicht viel. Jesus anziehen? Wie geht das? In der Hoffnung für alle-Übersetzung heißt es: Legt alles Böse ab und zieht Jesus Christus wie ein neues Gewand an: Er soll der Herr eures Lebens sein. Darum passt auf, dass sich nicht alles um eure selbstsüchtigen Wünsche und Begierden dreht! Jesus anziehen bedeutet: Eine Verbindung, eine Beziehung zu ihm haben! Und zwar im Alltag. Wie man ja tagtäglich Klamotten anzieht und nicht nackig rumläuft, so soll Jesus in unserm Alltag an uns dran sein. Nicht nur ab und zu, sonntags zieh ich Jesus an, aber den Rest lauf ich nackig. Das wäre nicht so doll… Also die Beziehung zum Herrn Jesus, die gilt es zu pflegen, durch Gebet, auch wenn nicht jedes Gebet so erhört wird, wie wir es uns wünschen. Gebet eines Schülers: Lieber Gott, du bist allmächtig und kannst große Dinge machen. Heute möchte ich dich aber nur um eine Kleinigkeit bitten: Mach doch bitte Paris zur Hauptstadt von Italien, denn das hab ich in der Erdkundearbeit geschrieben. Nicht jedes Gebet wird erhört. Besonders schlimm ist es allerdings, wenn es um wirklich ernste Dinge geht. Und wir mit Gott regelrecht ringen. “Gott, du hast die Macht, du kannst ihn gesund machen! Warum tust du es dann nicht?!” Und dann ist mitunter auch im Glauben Enttäuschung und Frust da. Aber trotzdem, auch wenn Gebete nicht erhört werden, dennoch ist es so wichtig, denn das Gebet stärkt unsere Beziehung zu Jesus. Wir kennen Gottes Gedanken nicht. Aber allein, dass wir beten, das zeigt doch schon: Wir sind nicht allein. Da ist einer, der uns hört. Ja, wir dürfen auch klagen, sogar anklagen. Als “Krieger” dürfen wir kämpfen, sogar mit Gott kämpfen, wie einst Jakob. Wenn wir Jesus wie ein Alltagsgewand “anziehen”, dann heißt das doch: Wir können uns in ihn einhüllen, er ist um uns. Neben dem Gebet ist es auch der Gottesdienst, die Bibel, die Gemeinschaft mit anderen Christen.

Silbermond hat noch einen ganz wichtigen Hinweis für euch Krieger des Lichts, für uns alle:

3) Lass dich nicht täuschen

Lass dich nicht täuschen, auch wenn’s aus Gold ist!
Lass dich nicht blenden erst recht von falschem Stolz nicht!

Die vielleicht größte und schlimmste Täuschung, die Menschen erfahren können, ist, wenn sie ihr Herz an irdische Dinge klammern, an Materielles, an Karriere und Geld! Paulus schreibt: Lasst uns ein vorbildliches Leben führen, so wie es zum hellen Tag passt, ohne Fressgelage und Saufereien, ohne sexuelle Zügellosigkeit und Ausschweifungen, ohne Streit und Eifersucht.

Paulus hat nichts gegen Spaß im Leben oder Feiern. Aber schwierig wird es, wenn man sich blenden und täuschen lässt. Wenn man denkt, das Vergnügen hier und da, das könnte uns im Tiefsten satt und glücklich machen. Und wenn der Sinn von Weihnachten nur noch in Konsum besteht. Dann stimmt da was nicht. Wenn der Besitzt uns besitzt. Gold und Geld. Wenn darüber Beziehungen kaputt gehen, Ehen und Familien, nur wegen des Geldes – ich habe schon mehrfach erlebt, wie etwa wegen Erbstreitereien, Familie zerrissen wurden, oder wie für den Beruf die Ehe und Familie geopfert wurde. Für den Tanz ums Goldene Kalb! Lass dich nicht täuschen, auch wenn’s aus Gold ist. Höre vielmehr auf Paulus und – hier auch auf – Silbermond: Lerne vergeben und verzeihn.

Und schließlich viertens als Abschluss eine wunderbare Zusammenfassung:

4) Deine Macht ist dein Glaube

Seine Macht ist sein Glaube
Um nichts kämpft er mehr
Und das immer und immer wieder
Deswegen ist er ein Krieger

Es lohnt sich zu kämpfen für den Glauben, für Gott! Und eines wissen wir schon jetzt: Jesus Christus ist Sieger! Auch über den Tod, über das Böse. Wenn wir unser Leben für ihn einsetzen, dann haben wir schon gewonnen! Schon jetzt, weil er uns hilft im alltäglichen Kampf. Und dann schenkt er uns auch die Liebe, die wir brauchen. Und am Ende unseres Lebens und am Ende der Zeit, wenn der Tod endgültig besiegt ist und alles Böse in dieser Welt, dann werden wir im Licht sein, als Krieger des Lichts. Nein – dann als Sieger des Lichts.

Amen.