Influencer

Festgottesdienst zu den Konfirmationen am Sonntag, dem 28.04.2019 und am Sonntag, dem 05.05. 2019

Thema: Influencer

Predigt: Pastor Gero Cochlovius

Text: Markus 1,16-18

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Familien, liebe Gemeinde,

bei dem Begriff “Influencer” denken sicher viele Ältere unter uns erst mal an Grippe. “Influenza” – klingt ja so ganz ähnlich. So ein schlimmer Virus, der ganz viele Leute ansteckt. Dann gibt es eine regelrechte Grippewelle. Influenza kommt aus dem Italienischen und heißt. “Einfluss”. Bei einer Grippe kann man schon sagen: Dieser Virus hat keinen guten Einfluss.

Aber heute geht es um Influencer – das ist dann doch noch was anderes. (Oder vielleicht auch nicht?). Influencer sind Leute, die Einfluss haben auf Tausende, ja, oft sogar Millionen von Menschen, zumeist junge Menschen. Mithilfe sozialer Medien wie Instagram oder YouTube. Und für manch einen Influencer ist das sehr lukrativ, denn damit lässt sich richtig Geld verdienen: Bis zu 100.000 Euro! Pro Jahr? Nee, pro Posting!

Das klingt reizvoll. Und so tummeln sich viele junge Leute und manche haben richtig Erfolg. Mit die erfolgreichsten Influencer in Deutschland sind die jungen Zwillinge Lisa und Lena. Sie waren gerade mal 13 Jahre alt, als sie ihre ersten Videos veröffentlichten, wo sie gar nicht selbst gesungen haben, sondern einfach ihre Lippen synchron zu irgendwelchen Songs bewegten. Aber eben richtig gut. Inzwischen sind sie 16 und haben 14,4 Millionen Follower, die ihnen auf Instagram folgen, sie abonniert haben! Influencer suchen möglichst viele Follower.

Es gibt einen Influencer, der hat keinen Instagram-Account und keinen eigenen YouTube-Kanal. Und doch hat er Millionen Follower. Leute, die ihm folgen. Und das schon seit fast 2000 Jahren! Wir wollen heute Morgen auf diese Geschichte hören, wie Jesus seine ersten Follower gewinnt. Aus dem Markusevangelium, Kapitel 1:

16 Als Jesus am See Genezareth entlangging, sah er dort Simon und dessen Bruder Andreas. Sie waren Fischer und warfen gerade ihre Netze aus.
17 Da forderte Jesus sie auf: »Kommt, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschen machen, die andere für Gott gewinnen.«
18 Sofort ließen die beiden Männer ihre Netze liegen und gingen mit ihm.
19 Nicht weit davon entfernt begegnete Jesus Jakobus und Johannes, den Söhnen von Zebedäus. Die beiden waren im Boot und brachten ihre Netze in Ordnung.
20 Auch sie forderte er auf, ihm nachzufolgen. Da verließen sie ihren Vater mit seinen Arbeitern und gingen mit Jesus.

Dazu möchte ich drei Gedanken entwickeln:

1) Mit dem Netz fischen

Es waren Fischer, die ihr Netz auswarfen, um den großen Fang zu machen. So wie wir in unserem Leben unsere Netze auswerfen, um ein bisschen was zu fischen an Erfolg, an guten Noten, an Anerkennung, an Liebe, an Glück. Mit dem Netz fischen? Das klingt durchaus modern. Denn das Internet nennt man ja auch Netz. “Net” heißt “Netz”. Und “www – world wide web” heißt “weltweites Netz”. Wir sind heute weltweit vernetzt. In den sozialen Netzwerken hat man Hunderte Kontakte und “Freunde” – und doch sind viele Menschen einsam. Und dann nutzen viele das Netz, um dort nach Glück und Spaß zu fischen. Viele sind sogar schon süchtig nach Smartphone und Internet. Die Bundesdrogenbeauftragte spricht von 600.000 internetabhängigen Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Gehört ihr auch dazu? Man kann sich ja in einem Netz schnell verheddern und gefangen sein. Und dann gibt es die, die uns beeinflussen. Unser Denken und Wollen, was wir gut finden und was schlecht, und vor allem: was wir kaufen sollen! Influencer. Und manche sind sehr erfolgreich, haben wie Lisa und Lena Millionen Follower. Da gibt es Bibis Beauty Palace, Julien Bam, German let’s play, Felix von der Laden, Marina und die Ponys und wie sie alle heißen. Für mich ist das z.T. sehr befremdlich, was da so zu sehen ist: Da kann man also diesen Leuten einfach beim Kochen oder Schminken zuschauen, bei Bibis Morgenroutine, oder wie bei Marina und die Ponys ein kleines Mädchen auf einem Holzpferd sitzt. Oder man kann stundenlang Gamern beim Zocken ihrer Computerspiele zuschauen. Um Sie als Eltern und Großeltern mal ein bisschen reinzunehmen in die Welt ihrer Kinder, wollen wir mal ein paar neue YouTube-Stars kennen lernen, die bald zu den Top Influencern Deutschlands, ach was, weltweit gehören werden!

Da haben wir den neuen YouTube-Channel – der bald schon Lisa und Lena Konkurrenz machen wir – “Sarah und Lara Tipps”, wo man zwei Mädels – sind es Zwillinge? –  beim Kochen zuschaut, und dann “Insas Beauty Insel” mit den besten Schminktipps und Felix – The hardest Gamer” mit hammer brutalen Computer Games. Eventuelle Ähnlichkeiten mit unseren Konfi-Teamern sind rein zufällig.

[Video: Teamer]

Ich frag mich, warum diese Sachen im Netz solch einen großen Einfluss auf uns haben? Warum sie so faszinieren? Vielleicht ist es irgendwie die Sehnsucht, selber auch beliebt zu sein. Auch andere zu haben, die mir folgen? Sehnsucht nach Anerkennung? Nach Liebe?

Doch irgendwann merkt man: Hey, das im Netz, das ist ja alles gar nicht echt! Ich brauche jemanden, der mir wirklich nahe ist. Der mich versteht, zu dem ich immer hin kann.

Zurück zu den Fischern am See Genezareth.

Zu ihnen kommt Jesus. Und sie spüren: Das ist jemand, dem ich wirklich vertrauen kann!

2) Jesus – der beste Influencer

Jesus sagt zu ihnen: “Kommt, folgt mir nach! Seid meine Follower!” – Aber anders als bei all den Influencern im Netz, ist dieser Jesus wirklich an uns interessiert. Er fragt nicht zuerst, ob wir ihn liken – sondern umgekehrt: Er liked uns, er liebt uns! Das müssen die Fischer damals ganz tief im Herzen gespürt haben. Denn es heißt: Sofort ließen die beiden Männer ihre Netze liegen und gingen mit ihm.

Sie gingen mit ihm, sie gingen zu ihm. Weil sie merkten: Diesem Jesus muss ich nichts vorspielen. Für sie ist Jesus ein echter Freund. Ihnen kommt in den Sinn: Wenn ich sein muss, wie ich wirklich bin, würd ich zu dir gehen, Jesus.

Da ist ein Mädchen aus Hannover, welches genau solche Gefühle beschreibt in einem Song. Sie war selber gerade mal 15 Jahre alt, als sie anfing, Lieder bei YouTube singen. Und im letzten Jahr hat sie einen Song rausgebracht, der genau solch eine Beziehung, solch eine Freundschaft beschreibt, um die es bei Jesus geht. “Zu dir” so heißt der Song von LEA. Bestimmt denkt sie dabei eher an die Beziehung zu einem Menschen, ein guter Freund. Aber mir ist aufgefallen, dass fast jede Zeile dieses Liedes auch zu Jesus passt. Und dann kann man dieses Lied als Gebet singen. Und das wird unsere Band jetzt mal machen.

[LEA – Zu dir]

Wow! Das ist ein toller Song. Da steckt so viel drin, und wenn wir bei diesem “zu dir” auch an Jesus denken, dann ist der Song alleine schon eine Predigt. Denn er zeigt uns, dass wir bei Jesus ganz echt sein können:

“Wenn ich sein muss, wie ich wirklich bin, ohne Maske, ohne fakes Grinsen” also falsches, geheucheltes Grinsen, würd ich zu dir gehen, singt sie. Jesus kennt uns ohnehin. Ihm brauchen wir nichts vorzuspielen. Bei ihm dürfen wir auch ehrlich zugeben, wenn wir Mist gebaut haben, “wenn ich alles vergeige”:  Er vergibt uns. Schenkt uns einen Neuanfang! “Wenn ich mich schäme, wegen meiner Fehler, ich würd zu dir gehen.” Und wie ist das in den Krisen des Lebens?

“Wenn Träume platzen, die Erde bebt, es um Leben oder Sterben geht, ich würd’ zu dir gehen” Auch das gibt es im Leben: Katastrophen, wenn was kaputt geht, vielleicht eine Freundschaft, vielleicht ist da in der eigenen Familie was zerbrochen, vielleicht kommt plötzlich aus heiterem Himmel eine Krankheit, wo es um Leben oder Sterben geht. Vielleicht hab ich euch im Konfa mal von einem Jungen aus meiner Verwandtschaft erzählt, der plötzlich – mit 15 Jahren – die Diagnose bekam: Leukämie! Die Ärzte sagte ihm: Lebenschance 50:50. Dann platzen erst mal viele Träume. Und das hat mich schon beeindruckt, wie dieser Junge sein Leben ganz in Gottes Hand legen konnte und bei Jesus Halt fand und Geborgenheit. Gott sei Dank ist es bei ihm gut ausgegangen. Aber wohin sonst sollten wir denn in solchen Situationen gehen, Jesus? Ich würd zu dir gehen! In Marits  Konfirmationsspruch wird diese Geborgenheit schön beschrieben: “Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, spricht der Herr, dein Erbarmer.” (Jes. 54,10) Oder bei Julias: “Du, Herr, bist alles, was ich habe. Du gibst mir alles, was ich zum Leben brauche. In deiner Hand liegt meine Zukunft!” (Ps. 16,5)

Lea singt: “Wenn die Tränen kommen und ich trauern muss, und ich da einfach durch muss, bis zum Schluss. Ich würd’ zu dir gehen.” Haben wir nicht diesen Psalm 23 gelernt: Und ob ich schon wanderte im  finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir! Oder wie es der Konfirmationsspruch von Annmari sagt: “Und dennoch gehöre ich zu dir. Du hast meine Hand ergriffen und hältst mich.” (Ps. 73,23)

Und dann denkt dieser Song sogar ans Ende. “Wenn die letzte Stunde für mich schlägt, und ich die Wahl hab’, wohin ich mich leg’, ich würd’ zu dir gehen.” Wenn wir’s als Gebet sehen, dann ist doch völlig klar: Wenn dieses Leben hier zu Ende ist, dann ist eben nicht alles aus und vorbei, sondern ich werd zu die gehen, Jesus, zu dir! Und ich hab die Wahl, jeder hier hat die Wahl, willst du dich für diesen Jesus entscheiden? Ihm folgen, sein Follower werden? Heute bei der Konfirmation ist so eine Gelegenheit, das noch mal so richtig fest zu machen! Nicht nur für die Konfis.

Und dann gewinnt dieser Tag noch viel mehr Freude und Tiefe als ohnehin. Dann kann man auch so richtig feiern!

“Wenn ich feiern will, so wie noch nie, weil ich das Leben spür’ und Energie” – auch das gehört zum Glauben! Freude und Grund zum Feiern. Und Jesus hat uns auch den heiligen Geist versprochen, den Geist Gottes, und das ist Energie und Lebenskraft. Influencer heißt: Beeinflusser! Und so will Jesus uns beeinflussen mit Freude. Celines Konfirmationsspruch spricht von dieser Freude: “Du zeigst mir den Weg, der zum Leben führt. Du beschenkst mich mit Freude, denn du bist bei mir.”  (Ps. 16,11) Und mit Liebe, mit Kraft, mit Mut! Er ist der allerbeste Influencer. Manche denken vielleicht, Glaube und Christsein ist uncool und altmodisch.

Toll, dass es junge Leute gibt, die uns zeigen, dass es ganz anders ist. Bei uns in der Gemeinde, coole Teamer z.B., aber auch in dieser so coolen Internetwelt. Für manche dürfte es eine echte Überraschung sein: Aber auch Lisa und Lena sind Christen. Okay, sie hängen ihren Glauben nicht so an die große Glocke, und posten ihn nicht bei Instagram, aber sie sind mutig genug, zu Jesus zu stehen, wenn man sie danach fragt. Ich habe ein Interview mit den beiden gelesen, darin sagt Lena: “Mir bedeutet es echt megaviel, Christ zu sein – weil das so etwas Positives ist. Wenn es mir schlechtgeht oder wenn ich eine Frage habe, kann ich beten, und das gibt mir Kraft.” Sie sagen: “Christsein – das ist doch megacool und was Besonderes.” Auf Lenas Handyhülle klebt ein Sticker: “Mit Jesus, mit Christus”. Und in einem Video performen sie das Glaubensbekenntnis. Und gelegentlich sind sie einfach ganz normale Teilnehmer bei christlichen Jugendfestivals.

[Video]

Lisa und Lena haben gecheckt, dass Jesus der beste Influencer ist. So wie die Jünger damals das auch gecheckt haben und ihm nachgefolgt sind. Doch dann hatte Jesus noch einen Auftrag für sie bereit und für auch für euch Konfis, für jeden Christen. Man könnte es so sagen, und das ist das dritte:

3) Werdet Gottes Influencers!

Ich werde euch zu Menschen machen, die andere für Gott gewinnen.

Wow! Das ist ein toller Auftrag! Andere Menschen für Gott gewinnen. Es gibt so viele schlechte Influencer in dieser Welt, die uns weiß machen wollen: Du wirst glücklich, wenn du immer nur das tust, was dir Spaß macht, wenn du nur an dich selbst denkst, wenn du alles kaufst, was du willst usw.

Werdet ihr gute Influencer, Gottes Influencer! Die Virusgrippe Influenza ist eine ansteckende Krankheit. Fröhliche Christen sind ansteckende Gesundheit mit der besten Botschaft, die es gibt, wie sie etwa die Konfirmationssprüche von Lars und Lea Marie zum Ausdruck bringen: “Jesus sagt: Ich bin das Licht der Welt!” Wer an ihn glaubt, wird das Licht des Lebens, des ewigen Lebens haben! Wie wir es vorhin auch gesungen haben: Sei mein Licht!

Und vergesst nicht, dass Jesus der ist, zu dem ihr immer gehen könnt und der immer bei euch ist! Amen!