Getauft und Gottes Kind

Taufgottesdienst am Sonntag, dem 03.06.2018

Thema: Getauft und Gottes Kind

Predigt: Pastor Gero Cochlovius

Text: Markus 1,9-13; 1. Johannes 3,1

Liebe Gemeinde, liebe Malena, liebe Tauffamilie,

in einer Familie steht Taufe an. Große Aufregung. (So ähnlich wie heute bei Familie Breselge.) Dort also soll der kleine Dennis soll getauft werden. Die beiden größeren Geschwister sind auch ganz aufgeregt. Marie, die noch nicht alles so ganz kapiert, hüpft voller Vorfreude von einem Bein aufs andere. “Hurra! Heute wird unser Dennis gekauft! Heute wird Dennis gekauft!” Der große Bruder verbessert sie: “‘Getauft’ heißt das, nicht ‘gekauft’. Hörst du: Getauft! Mit T.” Marie stutzt kurz. “Nein!! Doch nicht mit Tee! Mama hat gesagt: mit Wasser!”

Da gab’s wohl ein paar Missverständnisse…

 

Missverständnisse

Und die gab es und gibt es beim Thema Taufe oft.

  • Für manche ist die Taufe wie so eine Art zusätzliche “Schutzimpfung”. “So ‘ne Taufe kann ja nicht schaden, und dann passt der liebe Gott ganz besonders auf, damit dem Kind nichts zustößt.” – Natürlich wünschen wir uns alle, dass Gott unsere Kinder behütet und beschützt. Aber die Taufe hat damit nichts zu tun. Ein getauftes Kind kann genauso wie ein nicht getauftes Kind in Schwierigkeiten kommen, Krankheit, Unfall und Gefahr erleben. So wie ein gläubiger Mensch genauso Leid erfahren kann wie ein Nichtgläubiger. Aber es ist ein Unterschied, ob ich mich in aller Not von Gott gehalten und begleitet weiß, oder nicht… Wir haben vorhin in der Lesung gehört, dass es bei Jesus sogar so war, dass nach seiner Taufe die Schwierigkeiten so richtig losgingen: Es begann eine Wüstenzeit, Versuchungen durch den Teufel. Doch Jesus widerstand, weil er sich an Gott und an Gottes Wort klammerte.
  • Oder das Missverständnis: Wer getauft ist, kommt in den Himmel – und umgekehrt: Wenn etwa ein Kind nicht getauft ist, kommt es nicht in den Himmel. Das war früher sehr verbreitet, besonders auch hier im Schaumburger Land. Da sollten die Mütter mit dem Neugeborenen am besten gar nicht mit dem Kinderwagen das Haus verlassen, bevor es nicht getauft ist, denn es könnte ihm ja was zustoßen – und was dann? Doch die Bibel redet an keiner Stelle davon, dass uns die Taufe in den Himmel bringt. Sondern es heißt: “auf dass alle, die an Jesus glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.” (Joh. 3,16)
  • Oder das Missverständnis, man müsse die Taufe wiederholen, wenn man bei seiner Taufe noch nicht richtig gläubig war. Nach der Bibel ist zwar ganz klar, dass Taufe und Glaube zusammengehören und die Taufe ohne den Glauben nichts bringt. Aber heißt das, dass die Gültigkeit der Taufe von meinem Glauben abhängig ist? Nein! Gott handelt in der Taufe und nicht ich. Mein Glaube kann auch mal in Krisen kommen, er verändert sich im Laufe eines Lebens. Es gibt ja auch immer wieder mal Zweifel.

Da ist einer als Säugling getauft worden. Dann kommt er später mit 13 Jahren bei einer Freizeit zum Glauben. Und nun denkt er: Oh, meine Taufe als Säugling gilt bestimmt nicht, da war ich doch noch gar nicht gläubig. Jetzt erst bin ich gläubig, da will ich mich noch mal taufen lassen! Er geht zu einer Freikirche, lässt sich dort wiedertaufen. Doch schon 1 Jahr später ist von seinem Glauben nicht mehr viel da. Er ist in eine Clique geraten, die ihn total von Gott wegführt. Er kommt ziemlich auf die schiefe Bahn, Alkohol und Partys bestimmen sein Leben. Gott und Jesus geraten ganz in Vergessenheit. Nach ein paar Jahren das Wunder. Er findet erneut zu Gott. Und er denkt: Damals, auf der Freizeit, das war ja noch gar nicht echt! Ich hatte das mit dem Glauben ja nur gemacht, weil die Atmosphäre so schön war, die Lieder, das Lagerfeuer, und weil meine damaligen Freunde auch Christen waren. Aber, Moment mal, wenn ich also gar nicht richtig gläubig gewesen war, dann war doch auch meine Taufe noch gar nicht richtig echt. Also dann muss ich mich noch mal taufen lassen! Außerdem würde ich ja gerne dieses schöne Gefühl von damals noch mal erleben. –

Und so kann das immer weitergehen… Nein! Es reicht, einmal getauft zu werden! Es wäre doch vermessen, wenn wir Menschen an Gottes Stelle entscheiden wollen, welche von den Taufen denn nun wirklich echt und gültig ist! “Nee, lieber Gott, meine ersten fünf Taufen, die waren noch nicht gültig, da hab ich noch nicht gut genug geglaubt. Aber jetzt, jetzt bin ich so weit!” So geht das nicht: Gott handelt doch in der Taufe – und nicht wir. Ob du zunächst als kleines Kind getauft bist und dann später zu einem bewussten persönlichen Glauben findest, oder umgekehrt – wie bei Malena – dass du erst erlebst, dass Jesus dein Freund ist, und du Ja sagst zu Jesus und du danach getauft wirst, die Reihenfolge ist nicht entscheidend. Hauptsache ist, beides kommt zusammen: Glaube und Taufe.

Ein Bild: Die Taufe ist wie ein Zugticket zum Himmel, und der Glaube ist der Zug. Das Ticket bringt dir gar nichts, wenn du nicht selber einsteigst in den Zug! Aber es ist egal, ob du von deinem Himmelspapa schon vorher das Ticket geschenkt bekommst und dann in den Zug einsteigst, oder ob du erst einsteigst und dein Papa dir dann im Zug das Ticket gibt. – So viele Menschen sind getauft, haben ihr Ticket, aber steigen nicht in den Zug des Glaubens ein! Das ist schade…

Nachdem wir ein paar Missverständnisse bedacht haben, stellt sich doch die Frage:

 

Was passiert eigentlich bei einer Taufe?

Wieso mit Wasser und nicht mit Tee oder Cola? Und vielleicht hatte die Marie vom Anfang gar nicht so ganz Unrecht – und “getauft” und “gekauft” hängen enger zusammen als man denkt…

Wenn ich etwas kaufe, dann gehört es mir! Und das kommt in der Taufe zum Ausdruck: So wie er einst auch öffentlich bei der Taufe Jesu gesagt hat: “Du bist mein lieber Sohn! Du gehörst zu mir.” Und so sagt Gott zu dir: Du, du gehörst mir! Du gehörst zu mir! Ich habe dich gekauft. Und habe den teuersten Preis für dich bezahlt: Ich habe meinen Sohn Jesus gegeben. Und weil wir Gottes Stimme in der Regel nicht so akustisch hören, ist die Taufe dann ein sichtbares Zeichen. So wie der Ehering ein sichtbares Zeichen ist: Meine Frau gehört zu mir und ich zu ihr.

Bei der Taufe Jesu war dieser Ruf Gottes: “Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen!” im Grunde eine Berufung. “Werde, der du bist.” Und wenn wir uns heute an unsere Taufe erinnern lassen, dann ist dies die Erinnerung an unsere Berufung – als Menschen zu leben, die zu Gott gehören! Als Kinder Gottes leben. Werde, der du bist!

Und warum das Wasser? Das Wasser steht für Leben. Gott schenkt dir Leben, erfülltes, sprudelndes, durststillendes, sinnvolles, ewiges Leben. Und das Wasser steht für Reinwerden – Vergebung unserer Schuld.

Aber da ist noch mehr: Wenn Jesus bei seiner Taufe im Wasser untertaucht und dann wieder auftaucht, ist das schon ein Hinweis auf sein Sterben und Begrabenwerden und auf sein Wiederauferstehen! Und so zeigt auch unsere Taufe, dass unser altes, sündiges Ich sterben, untergehen muss und wir ein neues Leben, ein ewiges Leben bekommen! Paulus sagt das so: “Denn durch die Taufe sind wir mit Christus gestorben und begraben. Und genauso wie Christus durch die herrliche Macht des Vaters von den Toten auferstanden ist, so können auch wir jetzt ein neues Leben führen.” (Römer 6,4)

 

Gottes Kind sein

Und dieses neue Leben ist ein Leben als Kind Gottes. Gott nennt uns seine Kinder! Das ist toll. So wie er einst zu Jesus gesagt hat: Du bist mein lieber Sohn, so sagt er zu Dir, Malena: Du bist meine liebe Tochter! Und das sagt er auch zu jedem von uns, der an ihn glaubt. Malenas Taufspruch heißt: “Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Gottes Kinder heißen sollen – und wir sind es auch!” (1. Johannes 3,1)

Was für ein Ehrentitel! Gottes Kinder!

Ich liebe die Kinder, sagt Gott, ich will, dass alle ihnen gleichen. Ich liebe nicht die Alten, sagt Gott, es sei denn, sie wären noch Kinder.
Außerdem will ich nur Kinder in meinem Reiche, das ist beschlossen seit ewig.
Verschrumpfte Kinder, bucklige Kinder, verrunzelte Kinder, weißbärtige Kinder, alle Arten von Kindern, die ihr wollt, aber Kinder, nichts als Kinder.
Da gibt es kein Zurück mehr, das ist beschlossen, es gibt keinen Platz für die anderen.
[…]
Ich liebe die Kinder, weil sie noch fähig sind, größer zu werden. Sie sind unterwegs, auf dem Wege.
Aus den Erwachsenen aber, sagt Gott, ist nichts mehr herauszuholen.
Sie werden nicht mehr größer, sie sind steckengeblieben.
Das ist ein Unglück, sagt Gott, die Erwachsenen meinen, sie seien schon angekommen.
Ich liebe die großen Kinder sagt Gott, weil sie noch fähig sind zu kämpfen, weil sie noch Sünden begehen.
Nicht weil sie sie begehen, sagt Gott, versteht mich recht, sondern weil sie wissen, dass sie sie begehen, und weil sie das sagen und weil sie sich bemühen, sie nicht mehr zu begehen.
Die Erwachsenen aber, sagt Gott, sie haben nie jemanden ein Leid zugefügt, sie finden nichts Tadelwertes an sich.
Ich kann ihnen nicht verzeihen, es gibt nichts, das man ihnen verzeihen könnte.
Das ist herzzerreißend sagt Gott, das ist herzzerreißend, weil es nicht wahr ist.
Ich liebe die Kinder, sagt Gott, ich will, dass alle ihnen gleichen.

Diese Zeilen von Michel Quoist verstören, machen nachdenklich und fügen sich doch so gut zu dem, was Jesus sagt: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen.” (Matthäus 18,3)

Und so möchte ich zum Schluss mit euch noch ein paar Dinge entdecken, die wir von Kindern lernen können.

1) Kinder können sich beschenken lassen.

Erwachsene haben es schwer, sich etwas schenken zu lassen. Was hat das gekostet? Was müsste man wohl wieder schenken? Wir wollen uns das Glück verdienen. Dafür was tun! Und wenn es irgendwo was umsonst gibt, dann muss da ja ein Haken dran sein! Kinder sind da anders. Die können bei Geschenken einfach zugreifen. Ich erinnere mich, unser Jüngster war noch ganz klein, einmal kam er in mein Büro spaziert, und ich hatte gerade ein kleines Tütchen Gummibärchen offen. Mit zielsicherem Schritt marschierte er geradewegs darauf zu. Sein flehender Blick erweichte mein Herz, und ich überreichte ihm ein schönes rotes Gummibärchen, das sofort im Mund verschwand. „Und?“ sah ich ihn fragend an, „was sagt man da?“ – Die Antwort kam prompt: „Noch eins!“ Kinder können sich beschenken lassen. Und im Glauben geht’s nicht ohne, dass wir uns beschenken lassen. Denn der Glaube ist ein Geschenk! Der Himmel ist ein Geschenk! Wir können ihn uns nicht verdienen, auch nicht, indem wir uns noch so sehr bemühen, gute Menschen zu sein.

2) Kinder können sich von Herzen freuen.

Das können wir auch von Kindern lernen. Es ist toll, wie sich Kinder freuen können, oft an Kleinigkeiten! Wie sie spielen und lachen. Weil sie ganz im Jetzt und Hier leben. Bei uns Erwachsenen schwingen so oft Sorgen mit, Gedanken an die Zukunft. Die Bibel sagt: “Alle eure Sorgen werfet auf ihn, denn er sorgt für euch!” (1. Petrus 5,7) Und: “Dies ist der Tag, den der Herr macht. Lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.” (Psalm 118,24) Lernen wir doch, wieder im Jetzt und Hier zu leben und nicht ständig von einem ganz anderen Leben zu träumen.

3) Kinder können weinen.

Kinder schämen sich nicht ihrer Tränen. Sie können weinen. Bei Gott dürfen auch wir weinen. Er sagt: “Ich habe deine Tränen gesehen.” (2. Könige 20,5)

4) Kinder wollen lernen.

Wie ist das bei uns – in unserm Glauben? Wollen wir da noch lernen? Oder meinen wir: Es reicht uns. Wir wissen genug. Bewahren wir uns doch kindliche Neugier. Mehr zu entdecken von Gott, von Jesus.

5) Kinder wollen wachsen.

Das hängt ganz eng mit dem vorherigen zusammen! Kinder wollen wachsen. Erwachsene fühlen sich oft so fertig. Aber ein Kind Gottes ist nie fertig im Glauben. Paulus sagt vom Ziel des Glaubens: Nicht, dass ich’s schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach!

6) Kinder sind nicht nachtragend

Das ist schon erstaunlich, wie sich Kinder manchmal mit anderen streiten und zoffen können. Und ein paar Minuten schon ist alles vergessen und verziehen. Sie sind nicht nachtragend. Ich erinnere mich, wie unser Daniel mal voller Wut sagte: “Ich hasse meine Schwestern. Ich werde nie wieder mit ihnen reden. Und ich geh auch nicht zu ihrer Beerdigung!” Und eine Viertelstunde später spielten alle fröhlich miteinander. Wie ist das bei uns Erwachsenen? Können wir einander vergeben, wie Gott uns vergeben hat in Christus?

7) Kinder brauchen Hilfe

Papa, kannst du mir mal helfen? Ich will einen neuen Hühnerstall bauen! Ich will eine Nashornspardose bauen. Ich will eine Känguru-Maske bauen. Kinder scheuen sich nicht, trotz allem Wagemut und Selbstvertrauen auch um Hilfe zu bitten. Das ist auch eine Voraussetzung im Glauben: Dass wir uns nicht zu schade sind, andere und Gott um Hilfe zu bitten und nicht meinen: Wir kriegen unser Leben alleine hin.

8) Kinder können ehrlich sein.

Das kann manchmal peinlich sein. Und nicht immer ist es angebracht, etwa wenn man laut durch den Supermarkt brüllt: “Mama, der Mann da ist aber dick!” Aber vor Gott müssen wir und dürfen wir ganz ehrlich sein. Und ihm sagen, wie es uns geht, was uns schmerzt.

9) Kinder können vertrauen.

Ich erinnere mich, als ich noch ganz klein war und auf einer hohen Mauer stand, da traute ich mich nicht, herunterzuspringen. Da kam mein Papa und sagte: Spring! Ich fang dich auf! Und da klappte es. Lasst uns von Kindern lernen Gott ganz zu vertrauen.

10) Kinder werden geboren.

Das ist vielleicht das Selbstverständlichste. Aber im Glauben fällt es uns schwer, das zu begreifen. Dass man kein Kind Gottes wird, ohne von neuem geboren zu werden. Der Glaube ist wie eine Geburt. Manchmal beschwerlich. Manchmal dauert es. Aber es beginnt ein neues Leben.

Getauft & Gottes Kind. Jesus sagt: “Wenn jemand nicht geboren wird aus Wasser (= getauft werden) und Geist (= Gottes Kind werden), so kann er nicht in das Reich Gottes kommen.”  (Johannes 3,5)

Amen.

 

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