Fest und frisch

Gottesdienst zur Einführung von Kinder- und Jugenddiakon Marcel Steinbach am Sonntag, 27.08.2017

Thema: Fest und frisch

Predigt: Pastor Gero Cochlovius

Text: Josua 4,1-8.14

 

Liebe Gemeinde, lieber Marcel,

in einer Gemeinde soll der neue, junge Diakon seine erste Predigt halten. Als er auf der Kanzel steht, ist er furchtbar nervös. Unbewusst sucht er etwas, um sich irgendwie ein bisschen festzuhalten und findet einen hölzernen Bolzen, der so ein bisschen in die Kanzel hineinragt. Während der Predigt spielt er die ganze Zeit damit herum. Zu seiner großen Erleichterung aber ist die Gemeinde sehr aufmerksam und schaut gebannt zu ihm hoch. Nach dem Gottesdienst kommt einer der Kirchenvorsteher auf ihn zu und meint: “Haste wirklich gut gemacht, dafür, dass du so nervös warst.” – “Woher wissen Sie, dass ich nervös war?” fragt er. “Nun”, antwortet der Kirchenvorsteher, “während der gesamten Predigt drehte sich das an die Kanzel gedübelte Kreuz wie ein Propeller!”

Ich weiß nicht, ob du, lieber Marcel, vielleicht auch ein bisschen aufgeregt bist, wenn du nun deine erste Stelle antrittst. Aber ich glaube, wir alle kennen solche Situationen, wenn etwas Neues beginnt, – etwa eine neue Arbeitsstelle oder eine neue Schulklasse – und man nicht so genau weiß, wie alles werden wird, dann ist man doch ein bisschen nervös, und einerseits gespannt und voller Erwartung, andererseits auch ein bisschen mit Sorgen und Ängsten: Schaff ich das? Momente des Neuanfangs, des Aufbruchs.

Josua und das Volk Israel standen vor einer ähnlichen Situation. Ein neues Land lag vor ihnen, eine unbekannte Zukunft. Ein beliebter Anführer, Mose, war von ihnen gegangen, und sein junger Nachfolger Josua sollte nun das Vok führen. Und sie mussten erst mal durch den Jordan. Ein erstes Hindernis. Wie sollten sie das schaffen? Keine Brücke, keine Furt. So wie wir manchmal nicht so recht wissen, wie es weitergeht. Und dann öffnet sich überraschend eine Tür oder ein Weg und wir können weiterziehen. Das erlebten Josua und das Volk Israel. Gott hatte geboten, dass die Priester mit der Bundeslade in das Jordanwasser steigen und dann stehen bleiben sollten. Und durch ein Naturwunder staute sich das Wasser oberhalb, während das Wasser unterhalb abfloss, so dass das Volk den Fluss durchqueren konnte. Und dann lesen wir als heutigen Predigttext aus Josua 4:

1 Als das ganze Volk durch den Jordan gezogen war, sprach der HERR zu Josua:
2 »Wählt nun zwölf Männer aus dem Volk aus, von jedem Stamm einen.
3 Befehlt ihnen, zwölf große Steine aus dem Jordan zu holen, genau an der Stelle, wo die Priester stehen. Sie sollen die Steine zu dem Ort bringen, an dem ihr heute übernachten werdet.«
4 Josua rief die zwölf Männer
5 und wies sie an: »Geht zurück in den Jordan, bis an die Stelle, wo die Priester mit der Bundeslade des HERRN, eures Gottes, stehen. Jeder von euch soll sich dort einen großen Stein auf die Schulter laden, damit wir zwölf Steine haben, für jeden Stamm Israels einen.
6 Aus ihnen soll ein Denkmal gebaut werden. Wenn euch eure Kinder später einmal fragen, was diese Steine bedeuten,
7 dann erklärt ihnen: ›Als man die Bundeslade durch den Jordan trug, staute sich sein Wasser, und wir konnten trockenen Fußes hinüberziehen. Daran soll dieses Denkmal die Israeliten zu allen Zeiten erinnern.‹«
8 Die zwölf Männer taten, was Josua ihnen befohlen hatte. […]
14 An diesem Tag sorgte der HERR dafür, dass ganz Israel vor Josua Achtung bekam. Das Volk vertraute ihm so wie früher dem Mose; und so blieb es sein Leben lang. 

Fest & Frisch – so lautet unser Thema heute. Und darum:

1) Fest wie ein Stein

Zwölf Steine für die zwölf Stämme Israels sollen mitten aus dem Jordan geholt werden. Und dann am Jordan aufgebaut werden. Komisch ist es schon. Was soll das? Steine am Fluss?

Nun, die Antwort gibt uns die Geschichte, die wir eben gehört haben, selbst: Aus diesen Steinen, so heißt es in V. 6, “soll ein Denkmal gebaut werden. Wenn euch eure Kinder später einmal fragen, was diese Steine bedeuten…” – dann sollt ihr es ihnen erklären. Dann sagt ihnen: Die erinnern uns an Gottes Hilfe. Und warum Steine? Warum am Fluss?

Der Fluss ist ständig in Bewegung. Ständig in Veränderung. Und damit ist er ein Bild für unsere Welt und für unser Leben. Alles verändert sich. Heraklit, der alte griechische Philosoph, hat mal gesagt: “Panta rhei!” Alles fließt! Alles verändert sich. Er sagt: “Du kannst nicht zweimal in denselben Fluss steigen.” Für Marcel gibt es gerade eine Menge Veränderungen. Für das Volk Israel gab es damals eine Menge Veränderungen: Ein neues Land galt es einzunehmen, einen neuen Leiter anzunehmen, mit ihm zusammen Neues zu wagen. Für uns als Gemeinde gibt es Veränderungen, und für euch Jugendliche auch: nachdem Tjedo weg ist, einen neuen Leiter anzunehmen, mit ihm zusammen Neues zu wagen. Wie hieß es so schön: An diesem Tag sorgte der HERR dafür, dass ganz Israel vor Josua Achtung bekam. Das Volk vertraute ihm so wie es früher dem Mose vertraute. Und auch in eurem Leben verändert sich so viel. Vieles ist im Fluss. Ihr seid nicht mehr Kinder, und doch auch noch nicht erwachsen. Manchmal spielen die Gefühle verrückt. Eben noch bis über beide Ohren verliebt, dann schon wieder aus und vorbei. Alles fließt! Oder ihr Älteren, ihr Senioren: Wie schwer ist es zu sehen, wie um euch herum die Welt sich verändert! Vieles Vertraute gibt es nicht mehr! Wer hat schon noch ein Telefon mit Wählscheibe?! Gewohntes muss man lernen loszulassen. Alles fließt! Die Gruppe Silbermond hat einen tollen Song geschrieben, darin heißt es:

Diese Welt ist schnell und hat verlernt beständig zu sein…
Gib mir’n kleines bisschen Sicherheit
In einer Welt, in der nichts sicher scheint
Und gib mir in dieser schnellen Zeit irgendwas, das bleibt.

Irgendwas, das bleibt! Und genau dafür stehen die Steine am Jordan. Große feste Steine, 12 an der Zahl. Sie sollen das Volk erinnern, dass es im Fluss der Zeit etwas Beständiges gibt, etwas, das bleibt: Und das ist die Hilfe Gottes. Auf ihn können wir uns felsenfest verlassen. 12 für die 12 Stämme Israels, jeder einzelne von ihnen hat die Hilfe Gottes erfahren! Und auch jeder einzelne von uns darf darauf vertrauen: Gott ist bei mir im Fluss der Zeit. Die Steine sind ein Denkmal, das heißt, sie sagen: “Denk mal!” Denk mal nach, wo hat Gott dich in deinem Leben geführt und begleitet, wo hat er dir geholfen, dich getröstet, dir Halt gegeben, dich fest gemacht? Und aus dem “Denk mal” könnte dann sehr schnell ein “Dank mal!” werden. Gott weiß, wie vergesslich wir oft sind. Psalm 103: “Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!” Darum also diese Steine. Fest wie ein Stein ist die Treue Gottes. Das sollen sie sagen. Immer wieder liest man das im Alten Testament, dass Menschen solche Steine aufgebaut haben. Und diese Steine haben manchmal sogar Namen bekommen.

Als Jakob auf der Flucht in der Wüste in dunkler Nacht, in seiner Einsamkeit und Verlassenheit, im Traum die Himmelsleiter gesehen hat und gespürt hat: Gott ist bei mir trotz meines Versagens und meiner Schuld, Gott segnet mich, da hat er auch einen Stein aufgerichtet als “Denkmal” – und hat ihn genannt: “Beth-El” – “Haus Gottes” (1. Mose 28).

Oder Samuel: Nachdem Gott dem Volk Israel in einer gefährlichen Schlacht gegen die Philister beigestanden und zum Sieg verholfen hat, heißt es (1. Samuel 7,12): “Da nahm Samuel eine Stein, stellte ihn auf … und nannte ihn ‘Eben Eser’, d.h.: ‘Stein der Hilfe’ und sprach: Bis hierher hat uns der Herr geholfen.”

Und für wen waren diese Denk-mal-Steine bestimmt? Wenn euch eure Kinder später einmal fragen, was diese Steine bedeuten…

Es geht also darum, den Glauben an Gott weiterzutragen an die nächste Generation. Ich glaube, dass das in unserm Volk oft versäumt wurde. In der Kriegsgeneration ist bei vielen noch der Glaube verwurzelt. Aber dann hat man sich bei den eigenen Kindern auf anderes konzentriert. Sie sollten es materiell mal besser haben! So hat man sich abgerackert, geschuftet, gebaut, aber dabei manchmal das Wichtigste übersehen: Den Kindern ein festes Fundament für ihr Leben mitzugeben, den Glauben! Und heute: Auch hier will man den Kindern alle Möglichkeiten eröffnen! Sie sollen 2 Sportarten machen, 3 Instrumente lernen und 1000 andere Hobbies haben und und und. Da bleibt dann für den Glauben mitunter gar keine Zeit mehr. Obwohl es das wichtigste ist, dass sie etwas haben, was fest wie ein Stein, felsenfest ist im Fluss der Zeit: die Beziehung zu Jesus Christus. Es gibt nichts Wichtigeres, lieber Marcel, als Kindern und Jugendlichen Jesus lieb zu machen.

Jesus ist selber der festeste Stein. Er wird in der Bibel der Eckstein genannt. Das ist so etwas wie ein Fundament, auf das man bauen kann. Auf dem die ganze Gemeinde gebaut wird. Und jeder von uns kann ein Stein in diesem Bauwerk sein. Petrus sagt dazu etwas Kurioses: “Lebendige Steine”. “Lasst auch ihr euch als lebendige Steine zu einem geistlichen Haus aufbauen.” (1. Petr. 2,5). Fest und trotzdem lebendig, fröhlich, leidenschaftlich, frisch. Fest wie ein Stein und zugleich frisch.

2) Frisch wie ein Bach

Warum sollen diese Steine im Jordan sein, diesem Fluss oder auch größeren Bach? Nun, zum einen war es der Grenzfluss, den Israel überqueren musste auf dem Weg ins verheißene Land. Zum andern ist da aber auch eine Botschaft drin.

Denn der Jordan ist nicht irgendein Fluss, er ist bis heute die Lebensader für ganz Israel und Jordanien. Die wichtigste Wasserquelle. Bevor in den letzten Jahrzehnten 90% des Wassers für die Landwirtschaft abgezweigt wurden, war das Jordanland zwischen See Genezareth und Totem Meer das ganze Jahr hindurch eine blühende Oase inmitten karger Wüste. Der Jordan erfrischte Pflanzen, Tiere, Menschen. Fische und Otter tummelten sich darin, sogar Leoparden labten sich an den Fluten. Über den Weiden am Ufer zogen zwei Mal im Jahr hunderte Millionen Wandervögel hinweg – eine der wichtigsten Zugvogel-Routen der Erde.

„Das Wasser des Jordan ist uns so kostbar wie das Blut in unseren Adern“ – sagte mal ein israelischer Ministerpräsident. Und wer die Landschaft Israels kennt, weiß wie wichtig das Wasser dort ist. Ohne Wasser kein Leben. Und so ist das Wasser in der Bibel oft ein Bild für den Glauben, für die Beziehung zu Jesus. “Herr, bei dir ist die Quelle des Lebens”, heißt es in Psalm 36. Oder denken wir an Psalm 23: Die Konfis können das auswendig: “Er führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele.” Und Jesus sagt: “Wer an mich glaubt, wie die Schrift es sagt, von des Leib werden fließen Ströme des lebendigen Wassers” (Joh. 7,37). Wir wünschen dir, lieber Marcel, – und ich wünsche es jedem von uns, auch mir selbst – dass du selber immer an der Quelle bleibst, bei Jesus bleibst, täglich auftanken kannst, damit du dieses lebendige Wasser des Glaubens auch an andere weitergeben kannst. Beides ist wichtig: Empfangen und weitergeben! Wenn wir das lebendige Wasser empfangen und weitergeben, dann kann ganz viel aufblühen. Der Jordan ist ein beeindruckendes Beispiel. Denn oben ist der See Genezareth: Da fließt der Jordan rein und auch wieder raus – und drum rum ist ein wahres Paradies für Tiere und Pflanzen. Aber ganz unten fließt der Jordan ins Tote Meer. Und das ist so tot, weil es eine Sackgasse ist, es fließt nichts mehr da heraus. Das Wasser verdunstet, der Salzgehalt steigt. Und es ist kein Leben dort möglich! Kein Fisch kann es da aushalten. So ist es, wenn wir nichts weitergeben von dem, was Gott uns schenkt, wenn wir den Glauben nur für uns behalten, aber nichts weitersagen. Nichts weitergeben von dem, was uns Gott im Überfluss gibt. Dann wird der Glaube bald tot. Lebendiges Wasser will fließen. Wie ein Fluss, wie ein Bach. Dann bleibt es frisch. Dann bleibt der Glaube frisch.

Und so wünsch ich dir, Marcel, und uns allen hier in der Martins-Gemeinde, dass wir im Glauben fest werden wie ein Stein und frisch wie ein Bach.

Und ich danke dir, Marcel, dass du uns immer wieder daran erinnern wirst! Immer, wenn wir dich sehen, können wir uns an diese Botschaft erinnern. Denn: Falls es jemand noch nicht gemerkt hat, es ist sein Name, der die Predigt zusammenfasst: Marcel STEINBACH. Fest wie ein STEIN, frisch wie ein BACH!

Amen.

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