Jesus redet Klartext

Gottesdienst am Sonntag, dem 17.03.2019

Thema: Jetzt mal ehrlich (Teil 3) – Jesus redet Klartext

Predigt: Pastor Gero Cochlovius

Text: Lukas 14,25ff

Liebe Gemeinde,

Ein amerikanischer Werbemanager und Marketingexperte träumt, er sei gestorben und steht vor Petrus. Der fragt ihn: “Wollen sie in den Himmel oder in die Hölle?” Da entgegnet der Werbemanager: “Ja, kann ich mir Himmel und Hölle mal anschauen? Das würde mir die Entscheidung erleichtern.” “Sicher”, antwortete Petrus und zog mit dem Werbemanager los. Zuerst kamen sie über eine große Wiese, auf der viele Menschen in kleinen Gruppen zusammensaßen. Sie sangen Lieder, waren vergnügt, fröhlich, zufrieden, glücklich. “Das ist der Himmel.” sagte Petrus.

Sie gehen weiter. Da sehen sie vor sich einen großen Swimmingpool unter Palmen. Es herrschte Partystimmung. Den Menschen im Pool wurden von leichtbekleideten Mädchen Drinks serviert. “Das ist die Hölle.”, sagte Petrus. “Also, für was entscheiden sie sich?” “Na, dann möchte ich wohl doch lieber in die Hölle!”

Kaum hat der Werbemanager diese Worte gesagt, biegen um die Ecke zwei grässliche Teufel, die nach Schwefel stinken. Sie zerren den Werbefritzen, der sich heftig wehrt, mit sich zu einem großen Topf mit kochendem Öl. “He”, ruft der empört, “was soll das! Vorhin sah das hier noch ganz anders aus, so mit Pool und Mädchen und Drinks!” “Tja”, entgegnete einer der Teufel, “da haben sie wohl nur unsere Werbeabteilung gesehen!”

Werbung und Wirklichkeit – das passt oft nicht zusammen! Und wenn wir die Bibel lesen, merken wir, dass der Teufel ein hervorragender Werbestratege ist. Er verspricht das Blaue vom Himmel herunter, aber am Ende hat er nur die Hölle zu bieten. Jesus nennt ihn “Vater der Lüge”. Johannes 8: “Denn die Wahrheit ist nicht in ihm. Wenn er Lügen redet, so redet er aus dem Eigenen; denn er ist ein Lügner und ein Vater der Lüge.” (Joh. 8,44) Und wie viel Triumphe feiert der Teufel in unserer Welt und in unserer Zeit, die so voller Lüge, voller – wie man neuerdings sagt – “Fake News” ist! Und was wird in Politik und Medien den Menschen nicht alles als Fortschritt verkauft und als Freiheit und als Gewinn an Selbstbestimmung und Glück – und letztlich sind es oftmals Mogelpackungen!

Jesus ist ganz anders. Er hält nichts von Täuschung und falschen Werbeversprechen! Er redet Klartext. Er sagt, was einen erwartet, wenn man ihm nachfolgt, an Gutem und Schönem, aber auch an Problemen und Schwierigkeiten.

Auch wenn er damit in Kauf nimmt, dass er Leute verliert!

In Johannes 6 heißt es: “Viele nun seiner Jünger, die das hörten, sprachen: Das ist eine harte Rede; wer kann sie hören? […] Von da an wandten sich viele seiner Jünger ab und gingen hinfort nicht mehr mit ihm.” (Joh. 6,60.66)

Und die Worte, die wir vorhin gehört haben, waren auch nicht gerade einladend, oder? Und wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein. Was haben wohl seine Jünger gedacht, als ihr Meister so redete? Vielleicht hätten sie ihm am liebsten zugeraunt: “Halt! Stopp! Doch nicht so! Jesus, du machst alles kaputt, wenn du so redest. Kannst du nicht ein bisschen diplomatischer sein? Mit mehr Fingerspitzengefühl? So vergraulst du noch deine letzten paar Anhänger! Du magst dich ja mit dem Reich Gottes gut auskennen, aber von Marketing hast du keine Ahnung!”

Doch Jesus redet unbeirrt von den Schwierigkeiten des Christseins, der Nachfolge!

Es ist eben nicht so: Wenn du mir nachfolgst, ist alles immer Sonnenschein. Mitnichten!

Normalerweise kommen ja bei einem Vertrag die unangenehmen Dinge immer erst im Kleingedruckten. In seitenweise AGBs, Allgemeinen Geschäftsbedingungen, die kein Mensch sich durchliest. Nicht so bei Jesus. Er redet Klartext, ganz offen, stellt die Bedingungen der Nachfolge so deutlich klar, dass man sich wundert, dass darüber 1.) kaum gepredigt wird, und 2.) überhaupt noch Leute ihm nachfolgen. Wir wollen versuchen, Jesus zu verstehen und bedenken, warum Glaube kostbar ist. Im doppelten Sinn des Wortes.

In 4 Punkten legt Jesus ganz offen seine AGBs, seine Allgemeinen GlaubensBedingungen dar.

Doch schauen wir zunächst auf den Zusammenhang!

25 Es ging aber eine große Menge mit ihm; und er wandte sich um und sprach zu ihnen:

Eine große Menge ging mit ihm. Das waren viele Menschen, die neugierig geworden sind, die diesen Jesus irgendwie interessant fanden. Die irgendwie dazu gehören wollten, aber es womöglich doch nicht so ganz ernst meinten. Das merkte Jesus. Darum macht er klar: Es geht beim Glauben nicht darum, irgendwo mitzulaufen. Jesus sucht keine “Mitläufer”, sondern Nachfolger. Wenn ich Statistiken lese: In Deutschland sind noch immer fast 60% Christen, rund 46 Millionen Christen, dann frag ich mich: Wo sind die denn? Sind es Mitläufer oder Nachfolger? Sind wir Mitläufer oder Nachfolger? Ich glaube, es ist ganz wichtig, diesen Zusammenhang zu sehen, um zu erkennen, welche seelsorgerliche Absicht Jesus mit seiner doch recht harten, ehrlichen Rede bezweckt: Er will die vielen Mitläufer damals und heute nachdenklich machen, herausfordern, ihre Stellung zu Jesus mal zu überdenken. Was bedeutet mir Jesus? Und nun folgen also die 4 Punkte seiner AGBs:

1) Jesus ist die Nummer 1

26 Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater, Mutter, Frau, Kinder, Brüder, Schwestern und dazu sich selbst, der kann nicht mein Jünger sein.

Das ist wohl der schwierigste Satz. Und hier bewahrheitet sich einmal mehr, dass man in der Bibel niemals einzelne Sätze isoliert für sich betrachten sollte, sondern immer den Gesamtzusammenhang in Gottes Wort betrachten muss. Verlangt Jesus allen Ernstes, seine Familie zu hassen? Und sogar sich selbst zu hassen? Nein, niemals! Denn er hat ja die 10 Gebote voll und ganz bejaht. Und darin heißt es schließlich: “Du sollst Vater und Mutter ehren.” Und wie sollte man sich selbst hassen, wenn Jesus doch sagt: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst! Widerspricht sich Jesus hier selbst? Die biblische Bedeutung des Wortes “hassen” ist viel umfangreicher als im Deutschen. Es kann nämlich auch einfach bedeuten: Etwas ist mir weniger wichtig als etwas anderes. Etwas rutscht in die zweite Reihe. Bedenken wir, was Gott selbst sagt: “Jakob habe ich geliebt, aber Esau habe ich gehasst.” (Römer 9,13) Natürlich hat Gott auch Esau geliebt, aber in Gottes Heilsplan spielte Jakob die wichtigere Rolle als Esau.

Darum geht es also: Natürlich sollen wir unsere Familie lieben. Frau und Kinder. Und auch die Eltern. Aber: Und das ist ungeheuerlich und schwer genug: Jesus sollen wir noch mehr lieben. Jesus soll an erster Stelle stehen, die Nummer 1 sein.

Die “Hoffnung für alle”-Übersetzung bringt es gut zum Ausdruck: “Wenn einer mit mir gehen will, so muss ich ihm wichtiger sein als seine Eltern, seine Frau, seine Kinder, seine Geschwister, ja wichtiger als das eigene Leben. Sonst kann er nicht mein Jünger sein.” Das bedeutet aber nicht automatisch, dass der Glaube die Beziehung zu den Angehörigen belastet. Sondern das Gegenteil kann der Fall sein: Wenn Jesus die Nr. 1 ist, dann wird seine Liebe einen Menschen so verändern, dass es auch auf sein Umfeld ausstrahlt. Ich erinnere mich an ein Ehepaar aus dem Kölner Raum, das ich mal kennen gelernt habe. Dessen beiden Kinder sind zum Glauben gekommen. Die Eltern hielten gar nix von diesem religiösen Quatsch. Aber als sie merkten, wie der Glaube ihre Kinder veränderte, sie fröhlicher machte – und, ja, auch irgendwie etwas lieber, wurden sie selber neugierig und kamen schließlich zum Glauben.

Aber es kann mitunter auch zu sehr schweren Lebenssituationen und Entscheidungen führen. Wenn Angehörige sich ganz gegen Jesus und den Glauben stellen. Wir hatten letzte Woche im Konfirmandenunterricht einen Mitarbeiter von Open Doors zu Gast, jene Organisation, die sich für verfolgte Christen weltweit einsetzt. Und der berichtete von einem jungen Mädchen aus dem islamischen Teil Äthiopiens, das mit 12 Jahren Jesus kennen gelernt hat, und Christ geworden ist – und von da ab keinen Platz mehr in seiner Familie hatte, vom Vater immer wieder verprügelt wurde, bis es schließlich nicht mehr in der Familie ging und sie fliehen musste. Inzwischen hat sie Christen kennen gelernt, die für sie eine ganz neue Familie sind.

2) Das Kreuz tragen

27 Und wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein.

“Sein Kreuz tragen” ist ja heute geradezu sprichwörtlich, wenn jemand ein schweres Schicksal hat. Aber in den Worten Jesu spürt man die ursprüngliche Bedeutung. Sein Kreuz tragen – das musste damals der, dessen Todesurteil “Kreuzigung” lautete, eine – so grausam sie auch war – bei den Römern übrigens sehr häufige Hinrichtungsmethode. Denn es war so üblich, dass der Verurteilte selber den Querbalken seines Kreuzes zu seiner Hinrichtungsstätte zu tragen hatte. “Sein Kreuz tragen” bedeutete also ganz wörtlich: bereit sein für das eigene Martyrium. Für mich ist das – ehrlich gesagt – eine sehr bedrohliche Vorstellung. Und ich weiß nicht, ob ich das überhaupt könnte, oder ob ich nicht vielleicht doch schwach werden würde… Aber was doch Trost und Mut geben könnte, ist, dass es heißt: “Und wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt“, sagt Jesus, und in dieser Formulierung drückt er aus, dass er selbst vorangeht! Man muss es eigentlich so verstehen: …sein Kreuz trägt und mir darin nachfolgt…, also sagt Jesus: Ich verlange nichts von euch, was ich nicht selber vorlebe! Ich selber geh den Weg zum Kreuz! Und wir wissen, dass das mehr bedeutet als sterben. Es bedeutet auch: auferstehen! Das ist eigentlich das letzte Ziel der Nachfolge: Nicht dass wir Christus in den Tod nachfolgen – sondern ins Leben!

Und nun benutzt Jesus noch 2 Gleichnisse, um zu veranschaulichen, was man zu bedenken hat. Zunächst die Frage:

3) Was sind die Kosten?

28 Denn wer ist unter euch, der einen Turm bauen will und setzt sich nicht zuvor hin und überschlägt die Kosten, ob er genug habe, um es auszuführen, –
29 damit nicht, wenn er den Grund gelegt hat und kann’s nicht ausführen, alle, die es sehen, anfangen, über ihn zu spotten,
30 und sagen: Dieser Mensch hat angefangen zu bauen und kann’s nicht ausführen?

Jesus möchte mit diesem Gleichnis deutlich machen, dass Nachfolge auch etwas kostet. Und man sich das bewusst machen soll. Wie auch ein Turm oder ein Gebäude, ein schönes Haus, das man baut, mit Kosten verbunden ist, so auch der Glaube. Wir haben gesehen, was das für Kosten sein können. Zum Beispiel Konflikte in der Familie, im Freundeskreis, Opfer, die man bringt. Verzicht auf einen ungeistlichen Lebensstil. Manchmal auch finanzielle Nachteile, wenn du in Finanzdingen ehrlich lebst und und und. In anderen Ländern sogar Diskriminierung und Verfolgung, im äußersten Fall kostet es das eigene Leben. Jesus verschweigt die Folgekosten nicht, wie so mancher Händler, der einem irgendwas unterjubeln will. Aber: Warum baut man ein Haus, obwohl es viel kostet? Weil es sich lohnt! Weil man dann davon etwas hat, was Bestand hat! Die eigenen vier Wände, ein Zuhause! Wir sagen: das ist die Kosten wert! Und genauso ist es beim Glauben: Die Kosten lohnen sich, weil er uns ein ewiges Zuhause bietet! Und schon jetzt – in dieser Zeit – beschenkt uns Jesus mit vielen Dingen. Mit Kraft und Hilfe in ausweglosen Situationen, mit Trost in Zeiten der Traurigkeit, mit Freude im Alltag.

Ja, Glaube ist mit Kosten verbunden. Aber es lohnt sich, denn er ist im wahrsten Sinne “kost-bar”. Er kostet was, aber er ist zugleich kostbar.

4) Glauben heißt auch Kampf

31 Oder welcher König will sich auf einen Krieg einlassen gegen einen andern König und setzt sich nicht zuvor hin und hält Rat, ob er mit zehntausend dem begegnen kann, der über ihn kommt mit zwanzigtausend?
32 Wenn nicht, so schickt er eine Gesandtschaft, solange jener noch fern ist, und bittet um Frieden.
33 So auch jeder unter euch, der sich nicht lossagt von allem, was er hat, der kann nicht mein Jünger sein.

Da wird der Glaubende mit einem König verglichen, der in die Schlacht zieht. Was will uns Jesus damit sagen? Er will sagen: Zum Glauben, zum Christsein, zur Nachfolge gehören auch manche Kämpfe dazu. Und – wie das Gleichnis deutlich macht – wir sind eigentlich mit unseren eigenen Kräften und Möglichkeiten hoffnungslos unterlegen. Wenn wir nur auf unsere eigenen Kräfte vertrauen würden, dann würden wir lieber nicht in den Kampf des Glaubens ziehen. Dann würden wir die Finger davon lassen. Paulus sagt es ja: “Wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen” (Eph. 6,12), und Martin Luther dichtet: “Der altböse Feind mit Ernst er’s jetzt meint. Groß Macht und viel List sein grausam Rüstung ist.” Doch im Gesamtzusammenhang der Bibel wird deutlich, dass Jesus selber der König ist, der mit uns geht. Der mit uns in den Kampf zieht. Der stärker ist als der Teufel und alle Feinde. Jesus, der am Ende der Sieger ist!

Jesus redet Klartext: Glaube ist manchmal schwer. Es bedeutet auch loszulassen. Sich loszusagen von dem, woran das Herz hängt. Aber es ist dennoch lohnend. Am Ende bist du auf der Seite des Siegers.

Ich schließe mit einem Satz, der mich als Jugendlichen sehr gepackt hat. Ich war auch immer so ein bisschen hin- und hergerissen beim Glauben und hab irgendwie gespürt, dass es dran wäre, mal so richtig ganze Sache mit Jesus zu machen. Und nicht nur so larifari zu glauben. Und da hab ich in der Jungschar mal den Satz gehört:

“Sei ganz SEIN, oder lass es ganz sein.” Sei ganz SEIN – also sei ganz Jesu, gehöre ganz zu ihm, oder lass es ganz sein.

Damit können wir ermutigt werden, nicht den zweiten Teil des Satzes zu befolgen, sondern den ersten: Sei ganz SEIN!

Amen.