Der ist wie ein Baum…

Hofgottesdienst 30 Jahre Obsthof Brüggenwirth am Sonntag, 10.09.2017

Thema: Der ist wie ein Baum…

Predigt: Pastor Gero Cochlovius

Text: Jeremia 17,7+8

 

Liebe Gemeinde,

nicht weit von hier liegt das Rittergut Remeringhausen. Viele von Ihnen waren schon mal dort gewesen. Ein idyllisches Ort! Fast so schön wie der Obsthof Brüggenwirth. Vor kurzem bin ich mal wieder da gewesen. Und da hat mich unsere liebe Margit, die auch da war, auf einen besonderen Baum aufmerksam gemacht. Eine mächtige, uralte Linde.

Der ist wie ein Baum

Es ist die von der Titelseite des Liedblattes. Aber wenn man sie in echt sieht, ist sie beeindruckend! Nicht nur ihre Ausmaße, ihr gewaltiger, knorriger Stamm, ihre schattenspendende Blätterpracht in saftigem Grün, das fröhliche Vogelgezwitscher in ihrer majestätischen Krone… Sondern am meisten fasziniert, dass der mächtige Stamm zu einem großen Teil pechschwarz, hohl und tief zerfurcht ist. Was ist da los? Vor vielen Jahren ist dort einmal krachend der Blitz eingeschlagen und hat dem schönen Baum einen großen Schaden zugefügt. Doch das hat ihn nicht zerstört. Die Linde ist immer noch voller Saft und Kraft. Und dieser für die Linde sicher schreckliche Schicksalsschlag hat der Schönheit dieses Baums keinen Abbruch getan. Im Gegenteil: Strahlt der Baum doch umso mehr auf faszinierende Weise Lebenswillen, Hoffnung und Zuversicht aus. Ich habe mich gefragt, was ihm diesen Halt und diese Kraft gibt. So viele andere vom Blitz getroffene Bäume werden morsch und beim erstbesten Sturm umgeknickt wie ein Streichholz und modern dann vor sich hin. Nun, diese Linde steht direkt an einem großen Gewässer. Die alten bizarr anmutenden Wurzeln strecken sich tief zu dem lebenspendenden Wasser, das dem Baum seine Energie und Frische gibt.

Solch einen Baum muss der Prophet Jeremia vor Augen gehabt haben als er schreibt, was heute unser Predigttext ist (Jeremia 17):

7 Gesegnet ist der Mann, der sich auf den HERRN verlässt und dessen Zuversicht der HERR ist.
8 Der ist wie ein Baum, am Wasser gepflanzt, der seine Wurzeln zum Bach hin streckt. Denn obgleich die Hitze kommt, fürchtet er sich doch nicht, sondern seine Blätter bleiben grün; und er sorgt sich nicht, wenn ein dürres Jahr kommt, sondern bringt ohne Aufhören Früchte.

“Er bringt ohne Aufhören Früchte”! Liebe Familie Brüggenwirth, das wäre es doch! Solch einen Baum – diese Sorte – die bräuchten Sie hier im Obsthof! Lieber Jeremia, wie heißt nur diese Obstsorte, wo ständig die Früchte wachsen? In der Realität des Obsthofes sieht es ja doch etwas anders aus. Da gibt es mal ein Jahr, wo die Äpfel im Übermaß wachsen, wo man ohne Ende ernten kann, so wie letztes Jahr, und dann aber auch mal ein Jahr, wo es nicht so läuft, wo der späte Frost, die ausgepowerten Bäume empfindlich trifft, und wo es dann zu erheblichen Ernteausfällen kommt, so wie dieses Jahr. Doch Jeremia ist kein Obstbauer. Er redet nicht von Elstar, Jonagold oder Boskoop. Jeremia spricht von uns Menschen. Und der Baum ist für ihn ein Gleichnis.

 

1) Der Standort

Der Standortfaktor ist entscheidend. Ob der Baum in der Wüste oder am Wasser gepflanzt ist, das macht einen großen Unterschied! Und so ist die Frage, was ist der Standort meines Lebens? Was gibt mir Halt, wo bin ich zu Hause? Jeremia nennt zwei verschiedene Grundeinstellungen des Lebens, zwei Standorte. 2 Verse vorher sagt er mit scharfen Worten: “Verflucht ist der Mensch, der sich auf Menschen und auf sich selbst verlässt und der mit seinem Herzen vom Herrn weicht, der ist wie ein Dornbusch in der Wüste.” Wenn ein Mensch sich ganz allein auf seine eigenen Fähigkeiten und Leistungen, auf menschliche Kraft vertraut und zugleich sich um Gott nicht schert, dann ist dieser Standort eine Wüste.

Nun, das kann man leicht missverstehen. Es klingt ein bisschen nach Schwarz-weiß-Denken. Und ganz ehrlich: Es gibt in unserer Welt doch genügend Leute, denen Gott herzlich egal ist und deren Leben alles andere als eine Wüste ist. Sondern da grünt und blüht es ohne Ende. Menschen, die Erfolg haben, die Einfluss haben, die reich und reicher werden. Und umgekehrt: Menschen, die sich wirklich an Gott klammern, erleben schweres Leid und Niederlagen.

Also, Jeremia, hast du dich nicht ein bisschen getäuscht? Ist Gottvertrauen vielleicht doch nicht der entscheidende Standortfaktor? Geht es vielmehr um Fleiß, Cleverness, Beziehungen? Nun, Wüste heißt nicht nur karge, öde, trockene Landschaft. Ich habe in der Negev-Wüste schon erlebt, wie in der Regenzeit auch eine Wüste für kurze Zeit herrlich blühen kann. Aber weh der Wüste, wenn dann der heiße “Chamsin”, der Ostwind kommt, der innerhalb von Tagen oder sogar Stunden alles blühende Leben vertrocknet! Ruckzuck ist alles verdorrt und verwelkt. Und so hat es schon seinen Grund, warum in der Wüste – ohne Bewässerung – keine großen Obstbäume wachsen. Jeremia spricht hier nicht von einer Momentaufnahme. Es geht ihm um eine Bewertung aus Gottes Perspektive. Aus der Perspektive Ewigkeit. Und da kann ein Leben, was hier auf der Erde blühenden Landschaften gleicht, eine Wüste sein. Und umgekehrt. Wer bei Gott zuhause ist, der hat den richtige Standort gefunden. Jeremia sagt es so: Gesegnet ist der Mann, der sich auf den HERRN verlässt und dessen Zuversicht der HERR ist.

Während bei Bäumen eine Standortveränderung, eine Verpflanzung, ja nicht immer so leicht ist, haben wir Menschen die Möglichkeit, den Standort zu wechseln.

Der Schweizer Kurt Bühlmann war 40 Jahre alt, beschäftigte 200 Mitarbeiter und hatte ein Vermögen von 50 Millionen Franken. Man sollte meinen: der hat sein Glück gefunden! Auf dem Höhepunkt seiner Karriere schenkte ihm ein Mann eine Bibel und sagte ihm: “Sie brauchen Jesus!”. Was für ein Unsinn! denkt man da. Das ist doch zum Lachen! Eine Standortveränderung? Sich in neuen Lebensboden einpflanzen lassen? Wozu? Mir geht es gut. Doch just in jener Zeit kam in der Schweiz eine Gesetzesänderung zur Immobilienspekulation. Die Preise gingen in den Keller. Innerhalb von 6 Monaten hat er sein Vermögen, seine Firmen, und seinen Ruf verloren. Er begann in dieser Bibel zu lesen… Und irgendwann entdeckte er: Ja, es stimmt. Ich war bisher in der Wüste gepflanzt. Ich will mich von jetzt an auf Gott verlassen, meine Zuversicht auf den Herrn setzen. Ich will am lebendigen Wasser gepflanzt sein! Er hat viel verloren, doch noch mehr gefunden! Einen neuen Halt und Kraft, auch nun mit seinem Absturz und den Schulden zurechtzukommen.

 

2) Die Wurzeln

Der Standort allein reicht noch nicht aus, dass der Baum wächst und gedeiht. Es braucht mehr.

8 Der ist wie ein Baum, am Wasser gepflanzt, der seine Wurzeln zum Bach hin streckt.

Ein Baum verwendet viel Energie in seine Wurzeln. Sie müssen tief und weit reichen. Sie geben Halt in den Stürmen, aber wichtiger noch: Sie versorgen den Baum mit Nährstoffen. Sie dienen der Wasseraufnahme. Im Urlaub hatten wir eine Wanderung durch eine felsige Landschaft unternommen. Und da konnte man einen Baum bestaunen, der auf einem riesigen glatten Felsen stand, wo überhaupt keine Erde war und nix anderes gewachsen ist. Doch bei näherem Hinsehen entdeckte man, dass er meterlange Wurzeln ausgebildet hatte, die sich um den Felsen und durch Felsspalten hindurch geschlängelt haben, bis sie irgendwo die Erde erreichten. Faszinierend. “…der seine Wurzeln zum Bach hin streckt.”

Das kann auch mal mühsam sein. Wie ist das bei uns? Was gibt uns Nahrung, was ist unser Wasser?
Für Jeremia ist es die Verbindung zu Gott. In der Bibel wird öfter Jesus selbst als das lebendige Wasser beschrieben, das unsere Seele erfrischt. Und die Wurzeln, die diese Verbindung zum Wasser halten, sind das Gebet, auch das Lesen in der Bibel, Worte Gottes, die eine Quelle des Lebens sein können. “Leben aus der Quelle” heißt das Lied, das wir gleich singen werden. Aber das kann schon auch mal anstrengend sein. Das ist nicht immer bequem, manchmal sind uns die Worte der Bibel hart wie ein Felsen und fremd. Doch wenn wir unsere Wurzeln weiter und tiefer treiben lassen, dann finden wir Lebenswasser darin.

 

3) Die Umstände

Jeremia zeigt uns weiter: Auch wenn wir als gläubige Menschen fest verwurzelt sind in der Beziehung zu Gott, verbunden sind mit der Wasserquelle Jesu, dennoch können die Lebensumstände sehr unterschiedlich sein. Da ist nicht nur schöner Sonnenschein und Frühlingsduft.

Denn obgleich die Hitze kommt, fürchtet er sich doch nicht, sondern seine Blätter bleiben grün; und er sorgt sich nicht, wenn ein dürres Jahr kommt.

Hitze und dürre Zeiten werden hier angesprochen. Das könnten Zeiten der Einsamkeit, der Anfechtung oder Zweifel sein. Oder es gibt mal ein kräftiges Unwetter, Gewitter, Blitz und Hagelschlag. Wenn etwa Arbeitslosigkeit, Krankheit oder sogar der Tod geliebter Menschen in das Leben treten. Auch Christen sind vor solchen schlimmen Umständen nicht verschont. Die Bibel ist da sehr offen! An Gott glauben bedeutet nicht: ein Leben ohne Probleme. Aber doch gibt es ein Geheimnis: dieser Baum fürchtet sich nicht und er sorgt sich nicht. Offensichtlich machen die Umstände ihn nicht kaputt! Sie zerstören ihn nicht.

Ihr Lieben, da denke ich sofort nochmal an diese beeindruckende Linde vom Rittergut Remeringhausen! Sie ist doch das perfekte Gleichnis dafür. Ja, die Umstände konnte sie nicht beeinflussen. Sie hat Schweres erlebt. Sie konnte nicht verhindern, dass der Blitz in ihr Leben eingeschlagen hat. Aber hat sie sich dadurch zerstören lassen? Hat sie aufgegeben? Ist sie kaputt gegangen? Nein! Ihre Wurzeln gaben ihr Halt und die Verbindung zum Wasser hielt sie am Leben, so dass sie weiter wächst und gedeiht!

Ich wünsche uns, dass wir in schweren Zeiten wie diese Linde sind! Die Umstände können schwer sein, aber sie dürfen uns nicht kaputt machen. Jemand hat mal gesagt: Dein Gebet verändert nicht immer die schweren Umstände, aber es verändert dich darin! Du hörst auf dich zu fürchten oder dich zu sorgen. Denn obgleich die Hitze kommt, fürchtet er sich doch nicht, sondern seine Blätter bleiben grün; und er sorgt sich nicht, wenn ein dürres Jahr kommt, sondern bringt ohne Aufhören Früchte.

 

4) Die Früchte

Und nun noch: die Früchte! Was könnten Früchte in unserem Leben sein? Paulus hat sie wunderbar in Galater 5,22f aufgezählt. Es sind neun sehr wertvolle Früchte, die der Heilige Geist in unserem Leben wachsen lassen möchte. Sie passen gut hierhin in einen Obsthof.

Die Früchte aber, die Gottes Heiliger Geist in uns wirkt, sind: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Keuschheit (=Reinheit).

Das sind viele einzelne wichtige, wertvolle Früchte. Ich habe jetzt folgenden Vorschlag. Ich lese jetzt noch einmal alle Früchte einzeln und langsam vor. Und Sie suchen sich eine einzige aus, die Sie im Moment am meisten anspricht, wo Sie die Sehnsucht haben zu wachsen. Wo Sie sich wünschen, dass diese Frucht in nächster Zeit eine größere Rolle in Ihrem Leben spielt. Beten Sie darum. Überlegen Sie, an welcher Stelle in der kommenden Woche diese eine Frucht für Sie eine Rolle spielen könnte.

Die Früchte aber, die Gottes Heiliger Geist in uns wirkt, sind:

Liebe,
Freude,
Friede,
Geduld,
Freundlichkeit,
Güte,
Treue,
Sanftmut,
Keuschheit (=Reinheit).

Wir können diese Früchte nicht erzwingen. Aber wir können Gott darum bitten, dass er sie in uns wachsen lässt. Wir allerdings können unsere Wurzeln ausstrecken hin zu Jesus, zum lebendigen Wasser. Dann sind wir wie ein Baum, am Wasser gepflanzt.

Amen.

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