Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel

Gottesdienst am Sonntag, dem 03.11.2019

Thema: Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel

Predigt: Pastor Gero Cochlovius

Text: Lukas 5,1-11

Liebe Gemeinde, liebe Jubilarinnen und Jubilare,

25 Jahre ist es her, dass ihr Konfirmation hattet. Wo ist die Zeit nur geblieben, fragt man sich vielleicht. Und an einem Tag wie heute versucht man sich zu erinnern.  Wie war das damals, vor 25 Jahren? Wer und was war damals so in? Bundeskanzler war “Birne” Helmut Kohl, in den Charts waren Phil Collins, Brian Adams, Mariah Carey und Pink Floyd – und die Kelly Family angesagt. Und PUR. Formel-1-Weltmeister wurde Michael Schuhmacher. Und bei den Filmen kam ein Film groß raus, den viele kennen dürften: Forrest Gump, der dann 6 Oscars bekam. 1994 kam er raus – vor 25 Jahren. Schauen wir einfach mal eine kurze Szene aus diesem bekannten Film an.

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“Meine Mama sagt immer: Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen. Du weißt nie, was du bekommst.” Diese schlichte, einfache, simple Feststellung aus dem Munde des ebenso schlichten, einfachen, simplen Forrest – für dessen grandiose Darstellung Tom Hanks den Oscar bekam – sie ist vielen von uns hängen geblieben. Weil sie stimmt.

Das Leben ist voller Überraschungen. Ich erinnere mich an meine liebe Tante Christel aus Erlangen. Sie liebte Pralinen. Und sie hatte riesige Pralinenpackungen. Ich war ein kleiner Junge. Und ich weiß noch genau: Manche dieser Pralinen waren wirklich lecker. Mit so einer weißen oder roten Creme darin. Aber dann gab’s welche, die waren scheußlich. Da muss so Weinbrand oder so’n Zeug drin gesteckt haben. Und man konnte es vorher nie genau wissen.

Ja, das ist wirklich ein gutes Bild für das Leben: Nicht alles, was du bekommst, schmeckt dir. Da sind Augenblick, die süß und lecker sind. Aber andere, die schmecken bitter. Manchmal ist eine harte Nuss darin.

Wir haben die Geschichte von Petrus gehört, der zu der Zeit noch Simon hieß. Er war Fischer. Und er könnte es ganz ähnlich sagen wie Forrest Gumps Mama. Er würde vielleicht nicht sagen: Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel, sondern: “Das Leben ist wie ein Fischernetz. Du weißt nie, ob was drin ist.” Manchmal ist das Netz voll, und es zappelt das pralle Leben darin. Manchmal bleibt das Netz leer. Und es bleibt nur Frust. Schauen wir diese Bibelgeschichte einmal etwas näher an.

Ich sehe zuerst ziemlich viel Frust bei diesem Simon.

Und das ist das erste.

1) Vom Lebensfrust

Da schildert die Bibel einen Mann mitten im Berufsleben. Er rackert sich ab, will für seinen Lebensunterhalt sorgen, für seine Familie. Manchmal erfolgreich. Aber eben dann gibt es auch Tage, wo nichts geht.

„Wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen“ –Liebe Freunde, hier in diesem Satz spiegelt sich viel vom Frust eines Menschenlebens wider. Wenn es tatsächlich nur eine Nacht wäre, dann könnte man das ja gut ertragen. Aber mir scheint, für manch einen könnte dies auch eine Lebensbilanz sein. Eine traurige Lebensbilanz. “Ich habe die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen.” Das wäre ein Fazit, wenn ich keinen tieferen Sinn im Leben habe. Und manchmal kommt einem die Frage bereits in der Mitte des Lebens: Wofür das alles?  Über manch einer Todesanzeige steht: Nur Arbeit war sein Leben. – Das wäre doch wohl ein Fazit für das Leben eines Pferds, aber doch keines Menschen! Und doch, es trifft auf manche zu. „Wir haben die ganze Nacht gearbeitet.“ Das ist von Luther fast zu milde übersetzt. Wörtlich steht da: “Wir haben uns abgemüht, gerackert, geplagt, um was zu fangen.” Ohne Erfolg.  Ich denke an ein junges Paar. Es war die große Liebe ihres Lebens. Lange waren sie schon zusammen. Dann der Hausbau, die Hochzeit, eine Traumhochzeit. Beide haben alles gegeben, im Beruf, gearbeitet, für das große Glück. – Ein paar Jahre später: Die Beziehung zerbrochen, das Haus verkauft. Und zurück bleibt eine große Leere. Wofür habe ich mich abgeplagt? Was war der Sinn? Mein Netz ist leer, mein Boot ist leer.

Zum Glück ist es oft ja nicht so, dass das Netz ganz leer bleibt. Dass die Pralinenschachtel ganz leer bleibt. Es gibt ja doch – ich glaube in jedem Leben – ganz viel Schönes, für das wir Gott auch dankbar sein können. Manchmal kleine Dinge im Alltag, kleine Überraschungen, immer wieder auch Glückspralinen, die Gott uns schenkt.

Ich könnte mir vorstellen, dass auch das Netz des Simon Petrus nicht ganz leer war. Ein paar Muscheln waren vielleicht drin. Ein paar kleine Fische. Aber nichts, was auf Dauer satt macht. Und so bleibt doch irgendwo dieses Gefühl von Frust. Von Lebensfrust. Wenn irgendwie das große Ganze nicht stimmt. Da rackert sich einer im Beruf ab und irgendwie kommt man nicht weiter. Die Anforderungen und die Verantwortung steigen von Jahr zu Jahr, aber auf dem Gehaltszettel schlägt sich das nicht wirklich nieder. Oder in der Familie: Man will doch, dass die Kinder gut geraten. Aber irgendwie spürt man, man wird ihnen nicht gerecht. Die eigenen Ideale lassen sich kaum erfüllen. Man will gerne viel mehr Zeit mit ihnen verbringen. Zeit, die man aber gar nicht hat. Und dann immer mehr das Gefühl von Entfremdung. Und dann merkt man plötzlich: Man ist Anfang 40, man schaut die Statistik der Lebenserwartung an und erkennt: Halbzeit! Was kommt noch?

Lebensfrust heißt keineswegs: das alles schief geht, nein, es kann sogar vieles gut laufen, aber Frust kommt vom lateinischen frustrum = vergeblich. Wenn einen das Gefühl beschleicht: Es bringt doch nichts. Wofür, wozu alles?

Wie gut, dass das Leben immer für Überraschungen gut ist. Wie gut, dass Gott für Überraschungen gut ist. Eben wie die Überraschungen in der Pralinenschachtel des Lebens.

Und so soll nun das andere folgen. Vom Lebensfrust zur Lebenslust.

2) Zur Lebenslust

Bei Simon Petrus passiert etwas ganz Überraschendes: Jesus steigt in sein Boot. “Da stieg Jesus in eines der Boote, das Simon gehörte, und bat ihn, ein wenig vom Land wegzufahren. Und er setzte sich und lehrte die Menge vom Boot aus.”

In dem Moment, wo sich dieser Simon völlig nutzlos und sinnlos und vielleicht auch ein wenig wertlos gefühlt hat, sagt Jesus zu ihm: Ich brauche dich. Ich möchte den Leuten von Gott erzählen. Und dazu wäre es toll, wenn ich in deinem Boot stehen könnte und du mich ein paar Meter vom Ufer wegfahren könntest, damit mich alle gut sehen und hören können.

Simon kannte Jesus schon eine Weile. Jesus war öfter in seiner Heimatstadt Kapernaum. Sie sind sich auch schon begegnet. Aber es war noch nicht diese tiefgehende Erfahrung, dass es bei diesem Jesus mehr zu entdecken gibt. Und dann ergreift Jesus selbst die Initiative: Er steigt zu Simon ins Boot. So ist das mit Gott. So könnte das auch bei uns sein. Man hat ja schon viel von Jesus und Gott gehört. Hat ja auch den Konfirmandenunterricht mitgemacht. Aber völlig überraschend gibt es dann den Moment, wo du plötzlich spürst: Da geht noch mehr. Dieser Gott, dieser Jesus, der ist ja wirklich da. Der hat etwas mit meinem Leben zu tun. Mit meinem Alltag.

Gestern war so ein Moment, wo man so was mal hautnah miterleben konnte: Wir haben in einem feierlichen und fröhlichen Taufgottesdienst 5 Konfirmanden getauft, die noch nicht getauft waren. Und die fünf erzählten kurz aus ihrem Leben. Und da erzählte ein Mädchen vor allen andern, wie sie genau diese Erfahrung gemacht hat: Sie hatte schon klein auf immer mal was von Gott und Jesus gehört. Aber dann hat sie erlebt, dass das mehr ist als nur irgendwelche Gedanken. Auf der Konfi-Freizeit haben alle Konfis einen “Brief an Gott” geschrieben, ganz in der Stille, ganz persönlich. Und dabei – so sagte sie – hat sie ganz deutlich gespürt: Gott ist wirklich da und möchte gerne in ihr Leben, sie begleiten. Das war genauso wie bei Simon: Jesus steigt ins Lebensboot. Und darum wollte sie sich taufen lassen.

Bei Simon begann dann das Abenteuer Glauben. Nachdem Jesus mit seiner Predigt fertig war, wandte er sich ganz persönlich Simon zu. Und als er aufgehört hatte zu reden, sprach er zu Simon: Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus! Das ist so seine Art. Er ist für jeden ganz persönlich da. Auch für dich heute Morgen. Er kennt genau dein Leid, dein Glück, seine Sorge, deine Freude, deine Hoffnung, deine Zweifel. Und dann passiert etwas Verrücktes. “Fahre hinaus…”, sagt Jesus. Verrückt: Jedes Kind wusste am See Genezareth, dass man a) am besten nachts fischt, und b) am besten in Ufernähe, wo die warmen Quellen von Tabgha einströmten und sich dort im seichten Wasser die Fische tummelten. Und nun hinaus fahren? Simon als Berufsfischer, wo die ganzen Menschenmassen zuschauten. Er macht sich ja zum Affen. Jesus, hier verlangst du zu viel von mir! So könnten heute auch manche denken: Wie jetzt, zur Kirche gehen? Was sollen denn meine Freunde von mir denken? Und Simon antwortete und sprach: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen;

Was sind unsere Vorbehalte?

Aber auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen.

So ist die Antwort des Simon. Ich will es wagen, ich will es einfach versuchen. Auch wenn es im Moment vielleicht nicht sehr vernünftig erscheint! Aber wer weiß? Vielleicht gibt es doch noch mehr als das, was man berechnen, messen, erklären kann. Und als sie das taten, fingen sie eine große Menge Fische und ihre Netze begannen zu reißen.

Überraschung! Auf einmal erlebt er: Mit Gott können Wunder geschehen. So was gibt es auch heute. Dass die Pralinenschachtel des Lebens große Überraschungen bereithält.  Ich denke an meinen Freund, der so eine Überraschung wirklich erlebt hat. Er hat es selber vor Jahren hier einmal erzählt. Seine Frau und er haben sich sehnlichst Kinder gewünscht. Aber es klappte nicht. Über Jahre. Und dann wurde alles versucht, auch mit medizinischer Hilfe. Und immer wieder gebetet. Doch ohne Erfolg Irgendwann gab es das schriftlich vom Arzt: Unmöglich. Kinder werden bei Ihnen nicht kommen. Doch dann, als beide in keinster Weise damit gerechnet hätten, da kündigte sich ein Baby an! Heute haben die beiden das Netz voll! Da zappelt es nur so – nicht von Fischen, aber von 4 lebensfrohen Mädchen.

So kann das gehen, dass Gott uns beschenkt. Oft auf überraschende Weise. “Schmeckt und seht, wie freundlich unser Gott ist. Wohl dem, der auf ihn vertraut!” So heißt es in Psalm 34. Da spürt man etwas von der Lebenslust, die der Glaube schenken kann. Schmeckt und seht! Da sind manche tolle, süß gefüllte Pralinen!

Und wie reagiert Simon Petrus? Er sagt natürlich: “Wow! Das ist es, was ich mir immer schon gewünscht habe! Endlich das Netz voll, endlich macht das Leben Spaß! Jesus, du bist echt ein cooler Typ! Gut, dass wir jetzt Kumpels sind…” – NEIN!!! Wenn wir die Bibel lesen, lesen wir etwas völlig anderes, etwas erschreckend anderes: “Da Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sprach: Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch. Denn ein Schrecken hatte ihn erfasst und alle, die mit ihm waren, über diesen Fang, den sie miteinander getan hatten.”

Das irritiert! Was war denn da los? Simon erkennt: Dieser Jesus, der muss direkt von Gott sein. Der ist so mächtig, so rein, so heilig. Er und ich – wir passen einfach nicht zusammen. Da ist so viel Schlechtes in meinem Leben, so viel Egoismus, Neid, Sünde. Nein, das geht nicht. Vielleicht denken manche von uns auch so: Also, Glaube – das passt nicht zu mir. Das ist so gar nicht meins. Dafür bin ich der falsche. Irgendwie nicht gut genug, nicht fromm genug… Doch Jesus sagt zu Simon – und zu dir: “Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen für mich gewinnen.” Hab keine Angst! Du denkst: Wir passen nicht zusammen. Ich denke das Gegenteil! Du und ich – wir sind wie füreinander gemacht! Ich kann dich, gerade dich, gebrauchen! Es ist nicht so, wie du denkst, dass du zu schlecht für mich bist. Und für alles, wo du meinst, dass es dich von mir trennt, für alles, was zwischen uns steht, da gebe ich mein Leben! – Ja, dafür ist Jesus am Kreuz gestorben! Um uns zu retten. Das ist die Riesenüberraschung! Ich schließe mit einer Begebenheit, die sich vor genau 1 Monat zugetragen hat. Eine echte Überraschung!

Der Hobbysportler Tyler Moon nahm an einem Zehn-Meilen-Lauf in Minneapolis teil. Er ist ein sehr gläubiger, bekennender Christ und möchte seinen Glauben gerne auch öffentlich bekennen. So lässt er auf sein Leibchen über der Startnummer statt seines Namens die Botschaft drucken: “Jesus saves”. Doch kurz vor dem Ziel erleidet der 25-jährige eine Herzattacke und stürzt. Bitter. Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel, du weißt nie, was du kriegst… Eine bittere Praline. So könnte man meinen. Doch: direkt hinter ihm läuft ein Krankenpfleger. Als der bemerkt, dass Moon nicht mehr atmet, beginnt er sofort die Reanimation. Er rettet das Leben von Tyler Moon. Doch jetzt kommt’s – Überraschung! -, der Name des Retters: Jesus Bueno. Das ist echt ein Hammer. Jesus saves. Ja, Jesus rettet.

Amen.