Bange machen gilt nicht

Gottesdienst am Sonntag, dem 22.07.2018

Thema: Bange machen gilt nicht – oder: Was Jesus auch gesagt hat und heute kaum zu hören ist

Predigt: Pastor Jürgen Wiegel

 Text: Markus 16, 15-16 u.a.

 
Liebe Gemeinde,
wenn ich bedenke, wie die deutsche Nationalmannschaft bei der WM abgeschnitten hat, dann tut das richtig weh. Oder ich ärgere mich sogar darüber! Wie kann man nur so spielen. Auf der Jugendfreizeit in Kroatien haben wir natürlich auch das Endspiel gesehen. Ich hatte gehofft und gewünscht, dass Kroatien gewinnen würde. Vor dem Spiel und auch nach dem Spiel sprach ich mit einem Campingplatzwächter und er sagte hinterher, der Schiedsrichter sei kriminell gewesen. Nun denn, ich lasse das mal dahin gestellt.
Die deutsche Nationalmannschaft hat es jedenfalls nicht einmal bis ins Achtelfinale geschafft, in der Vorrunde sprich nach drei Spielen schon ausgeschieden, und das als amtierender Weltmeister. Katastrophe hoch drei mindestens. Enttäuschend bis auf die Knochen. Nicht mehr dabei. Sie mussten sehr früh nach Hause fahren und waren damit ausgeschlossen vom weiteren WM-Turnier. Das ist bitter. Für Fußballfans ist das jedenfalls sehr schwer zu ertragen. Plötzlich ist man ausgeschlossen, das ist eine harte Wirklichkeit. Es gibt Gewinner und es gibt Verlierer. Und Verlierer sein kann sehr sehr bitter sein.
Unser Thema heute lautet: „Bange machen gilt nicht“ oder „Was Jesus auch gesagt hat und heute kaum zu hören ist.“
Was will ich damit sagen. Nun, die gute Nachricht von Jesus Christus ist von je her und mit recht „die gute Nachricht“ genannt worden. Und das wird auch immer so bleiben. „Euangelion“ – die gute Nachricht oder die frohe Botschaft oder die froh machende Botschaft. Ein Glück, dass es diese gute Nachricht gibt, dieses Evangelium von Jesus Christus. Wenn man vom Evangelium spricht, dann ist das ja immer verbunden mit der Persönlichkeit Jesus Christus. Der Name „Jesus“ sagt es ja schon, in seinem Namen klingt es ja schon an. In Kroatien haben wir u.a. auch über den Namen „Jesus“ nachgedacht und vor ein paar Monaten habe ich hier eine Predigt darüber gehalten. „Jesus“ bedeutet „Gott rettet.“ Oder: „Gott ist Heil.“ Oder: „Gott ist Rettung.“ In unserm so gern gesungenen Weihnachtslied „Stille Nacht, heilige Nacht“ wird das ja zum Ausdruck gebracht. Wie heißt es doch gleich: „Christ, der Retter ist da, Christ, der Retter ist da.“
Wo ein Retter ist und sein muss, da gibt es eine ganz gefährliche Situation. Wo eine gute Nachricht gesprochen wird, da atmen Menschen auf, weil sie in einer sehr prekären Lage sind. Wo Jesus in der Menschenheitsgeschichte auftaucht – und Jesus bedeutet „Gott rettet“, da gibt es einen höchst gefährlichen und zerstörenden Zustand unter den Menschen, wo Rettung bitter nötig ist.
Kommen wir zur angegebenen Bibelstelle für den Predigttext aus Markus 16, 14 – 16. Ich lade Sie ein, trotz dieser kurzen Lesung zur Ehre unseres Herrn Jesus Christus noch einmal aufzustehen. Bei den noch folgenden Bibelstellen bleiben wir dann sitzen. Ich lese ab Vers 14:
14 „Zuletzt, als die Elf zu Tisch saßen, offenbarte er sich ihnen und schalt ihren Unglauben und ihres Herzens Härte, dass sie nicht geglaubt hatten denen, die ihn gesehen hatten als Auferstandenen.
15 Und er sprach zu ihnen: Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur.
16 Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden.“

Bitte nehmen Sie wieder Platz.
Der Missionsauftrag beinhaltet das Evangelium, eingangs haben wir das schon bedacht. Die gute Nachricht von Jesus Christus. Damit Menschen gerettet werden. Damit Menschen befreit werden. Denn das hat Jesus eben auch gesagt: „Wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden.“
Das ist aber hart, oder?! Das klingt aber sehr unbarmherzig, oder?! So kann man doch nicht von einem liebenden Gott reden, oder?!
Nun, die Antwort ist eigentlich sehr einfach. Wer das erstgenannte, die gute Nachricht von Jesus ausblendet, wer die Rettungsaktion Gottes in Jesus Christus mißachtet, wer da leichtfertig drüber weggeht, für den das alles nur Humbug ist, – Jesus nannte das so und sagte: „Wer aber nicht glaubt,“ – für den gibt es nur Verdammnis. „Der wird verdammt werden,“ sagte er. Das ist tatsächlich sehr hart. Und es ist nur konsequent. Wer Jesus nicht will, den will Jesus am Ende auch nicht. Das ist nichts weiter als die Folge der eigenen Entscheidung.
Und verdammt sein ist wirklich bitter! Ist das schlimmste, was uns passieren kann!
Wenn etwas schief geht, wenn etwas richtig schlecht läuft, dann kann man doch schon einmal sogenannte Flüche hören. Und „verdammt“ oder „verdammt nochmal“ ist einer von ihnen. Wir haben dieses Stichwort „verdammt sein“ sogar in unsere Sprache aufgenommen und bezeichnen damit eine tatsächlich sehr sehr schlechte Situation oder Begebenheit.
In neutestamentlicher Sprache bedeutet „verdammt sein“ oder „Verdammnis“ von Gott getrennt sein. Das steckt dahinter. Und das ist tatsächlich verdammt schrecklich. Und gerade um diesen verdammt schrecklichen Zustand zu beheben, kam Jesus – Gott rettet, in die Welt. Und deshalb lädt er bis heute ein zum Glauben, zum Vertrauen auf ihn, damit diese Verdammnis ein Ende hat. Und das ist wirkliches Evangelium. Da kann man aufatmen. Da kann man durchatmen. Da kriegt man wieder Luft, Himmelsluft, weil uns mit Jesus der Himmel nahe kommt, Gott selbst nahe kommt, Gott uns persönlich begegnet. Und deshalb ist es so so wichtig, von Jesus zu reden. Diese gute Nachricht wird tatsächlich in allen Völkern und Kulturen verstanden, sehr wohl verstanden. Wo Vergebung angeboten wird, da öffnet sich der Himmel. Wo Jesus in einem Menschenherzen aufgenommen wird, da tritt Gott ein und nimmt gerne Platz in einem Menschenleben. Wir sagen doch: „Tritt ein, bring Glück herein.“ Wo Jesus in ein Menschenleben eintritt, da kommt ewiges Glück herein.
In der Evangeliumslesung in Matthäus 7 haben wir vorhin von der engen und breiten Pforte gehört und dem schmalen Weg und breiten Weg. Die weite Pforte und der breite Weg führen zur Verdammnis, sagt Jesus. Und die enge Pforte und der schmale Weg führen zum Leben, zu Gott. Jesus sagte – und der Evangelist Johannes hat es aufgeschrieben: „Ich, ich bin der Weg, ich, ja ich bin die Wahrheit, und ich, wirklich ich selbst bin das Leben, niemand kommt zum Vater denn durch mich“ (Johannes 14, 6).
Ganz am Anfang seiner Wirksamkeit und Lehrtätigkeit hat Jesus schon dieses Gleichnis von der engen und breiten Pforte und dem schmalen und breiten Weg gesprochen und warnt vor der Verdammnis. Und am Schluss seiner Erdenlaufbahn warnt er noch einmal in seinem Missionsauftrag und spricht: „Wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden.“
Paul Humburg, gesegneter Zeuge und Theologe aus dem Raum des rheinisch-westfälischen Pietismus Anfang des letzten Jhd., gebrauchte einmal folgendes Bild:
“Oberhalb des Rheinfalles von Schaffhausen waren zwei Männer mit ihrem Boot umgekippt und trieben hilferufend im Strom. Es wurde ihnen vom Ufer ein Rettungsseil zugeworfen. Der eine der beiden ergriff das Rettungsseil und wurde ans Land gezogen. Der andere klammerte sich in seiner Verwirrung und Todesangst an das Boot und trieb mit ihm in den Tod. Beide haben etwas ergriffen. Beide haben in den Stunden der höchsten Gefahr auf etwas ihr Vertrauen gesetzt. Beide haben an etwas geglaubt. Nur der eine ergriff das Richtige, der andere das Falsche. Es kommt nicht darauf an, dass man überhaupt etwas erfasst als seine Rettung in der Not des Todes, sondern dass wir das Richtige ergreifen. So auch im Blick auf unser ewiges Heil. Es gilt, die Wahrheit Gottes im Glauben zu erfassen, denn ,das ist das ewige Leben, dass sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesum Christum, erkennen’ (Joh. 17,3).” Zitatende.
Viele andere Male hat Jesus von dem Ernst der Nachfolge gesprochen und wie dringlich es ist, ihm zu glauben und ihm zu folgen. Hier nur einige Beispiele:

  • Die ersten Predigtworte Jesu waren: „Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen“ (Mtt. 4, 17).
  • In der Bergpredigt spricht Jesus über das Thema Töten. Er sagte: 21 „Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist (2.Mose 20,13; 21,12): »Du sollst nicht töten«; wer aber tötet, der soll des Gerichts schuldig sein. 22 Ich aber sage euch: Wer mit seinem Bruder zürnt, der ist des Gerichts schuldig; wer aber zu seinem Bruder sagt: Du Nichtsnutz!, der ist des Hohen Rats schuldig; wer aber sagt: Du Narr!, der ist des höllischen Feuers schuldig.“
  • Jesus spricht vom Tage des Gerichts im Zusammenhang der Aussendung der Zwölf Jünger und der Reaktion der Zuhörer auf ihre Predigt. In Mtt 10, 14+15: 14 „Und wenn euch jemand nicht aufnehmen und eure Rede nicht hören wird, so geht heraus aus diesem Hause oder dieser Stadt und schüttelt den Staub von euren Füßen. 15 Wahrlich, ich sage euch: Dem Land der Sodomer und Gomorrer wird es erträglicher ergehen am Tage des Gerichts als dieser Stadt.“
  • Jesus warnt vor allem nichtsnützigem Gerede und sagt in Mtt 12, 36: „Ich sage euch aber, dass die Menschen Rechenschaft geben müssen am Tage des Gerichts von jedem nichtsnutzigen Wort, das sie geredet haben.“
  • Jesus warnt vor Verführungen. In Mtt. 18, 8 sagt er z.B.: “Wenn aber deine Hand oder dein Fuß dich zum Abfall verführt, so hau sie ab und wirf sie von dir. Es ist besser für dich, dass du lahm oder verkrüppelt zum Leben eingehst, als dass du zwei Hände oder zwei Füße hast und wirst in das ewige Feuer geworfen.“
  • Jesus berichtet von den zehn Jungfrauen, für fünfe war es zu spät, Mtt 25, 11+12: 11 „Später kamen auch die andern Jungfrauen und sprachen: Herr, Herr, tu uns auf! Er antwortete aber und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Ich kenne euch nicht.“
  • Am Ende der Rede vom Weltgericht sagte Jesus: 45 „Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr nicht getan habt einem von diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan. 46 Und sie werden hingehen: diese zur ewigen Strafe, aber die Gerechten in das ewige Leben.“

Es gibt noch viele andere Bibelstellen, wo im N.T. von Gericht und Verderben die Rede ist. Der Ernst der Lage ist groß. Doch größer ist das Evangelium, die gute Nachricht.
Das Evangelium ist eine Frohe Botschaft, keine Drohbotschaft. Leider leider haben manche das aber dazu verwendet und ausgenutzt, Geld damit zu machen. Im Mittelalter hat man viel Schmuh damit gemacht, das hat Gott bestimmt nicht gefallen. Wenn ich nur an die Ablassbriefe denke, wo man sich von Sünden loskaufen sollte und drauf reingefallen ist. Tetzel und Co. haben da ein sehr böses Spiel getrieben. Von der Verdammnis kann nur einer befreien: Jesus Christus.
Trotzdem gibt es ein DRINNEN und ein DRAUSSEN!
Unser Thema hieß: „Bange machen gilt nicht“ oder „Was Jesus auch gesagt hat und heute kaum zu hören ist.“
Der Apostel Paulus hatte den Mut und den Auftrag von Jesus bekommen, das Evangelium von Jesus in die weite Welt zu tragen, und ist dabei bis Rom gekommen. Soviel wissen wir aus der Apostelgeschichte. Ich möchte schließen mit einem seiner Worte aus dem Römerbrief, das auch den Ernst der Lage sowie das Evangelium verbindet.
22 Denn es ist hier kein Unterschied:
23 Sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten, (Wörtlich: »Alle haben gesündigt und die Herrlichkeit verloren, die Gott ihnen zugedacht hatte.«)
24 und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist.

Das ist Evangelium. Und wer weiß, vor was oder wovon er gerettet ist, der ist dem Retter umso dankbarer.
Amen.

 

 

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