Auf dem Weg

Gottesdienst am Himmelfahrtstag, Donnerstag, dem 10.05.2018

Thema: Auf dem Weg

Predigt: Pastor Gero Cochlovius

Text: Apostelgeschichte 1,4-11

 

Liebe Gemeinde,

“unterwegs”. Heute sind wieder unzählige Leute unterwegs, auf dem Weg, und sie feiern “Vatertag”. Meist sind es junge Männer oder Jugendliche und immer mehr auch Mädchen. Und nun sah ich diese Werbung von Kaufland “Vatertag-Starterset” – mit Limo, Bier und Schnaps. „Bereite dich jetzt für den Vatertag vor und decke dich mit passendem Proviant ein“, schreibt Kaufland dazu.

Was für ein Unfug! Ich hab ja nichts gegen fröhliches Feiern, aber wenn der Tag “Christi Himmelfahrt” so verkommt, dass er zu einem riesigen sinnlosen Besäufnis degradiert wird, dann kann man nur sagen: Armes Deutschland! Lasst uns statt dessen auf den Ursprung und Sinn dieses Tages schauen. Und wir werden sehen: Ja, es geht auch ums “Unterwegssein”! Es geht auch um die Vorbereitung dafür, und um den Proviant für unterwegs, die Ausrüstung.

1) Unterwegs für Jesus
Jesus schickt seine Jünger auf eine große Reise. Das war kein Vatertagsausflug am Mittellandkanal entlang und morgen liegt man mit Kater im Bett. Sondern es geht um einen Weg, der das ganze Leben dauert, ein Weg, der ein großes Ziel hat: Jesus bekannt machen! Ein Zeuge Jesu sein.

Ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde.

Was ist das für eine Unternehmung! Was ist das für ein Auftrag! Und bedenken wir – heute nach 2000 Jahren Christentumsgeschichte, wo wir wissen, dass das Evangelium bis an die Enden der Erde gekommen ist, scheint uns das gar nicht mehr so aufregend, aber damals, als dieser Auftrag auf dem Ölberg vor Jerusalem zu 11 entmutigten und ängstlichen jungen Männern gesagt wurde, da war das doch eine ganz verrückte Sache! Wie soll das gehen?! So ein kleiner Haufen, so wenige, und so ein großes Ziel – das geht niemals!

Doch die Jünger Jesu vertrauen, sie machen sich auf den Weg. Sie leben ihre Berufung. Sie denken nicht: Das schaffen wir nie! Sondern sie leben das, was Jesus ihnen zusagt. Sagt er: Strengt euch an! Versucht euch zu bemühen, meine Zeugen zu sein! Gebt alles, kämpft, rackert euch ab, krempelt die Ärmel hoch, zeigt Einsatz… ??? Nein, er sagt ganz schlicht: Ihr werdet meine Zeugen sein. Das wird einfach so sein! Wenn ihr zu mir gehört, wenn ihr meine Jünger seid, dann werdet ihr einfach meine Zeugen sein. Das geht gar nicht anders. So wie er an anderer Stelle gesagt hat: Ihr seid das Licht der Welt. Oder: Bleibet in mir und ich in euch, dann bringt ihr viel Frucht! Und die Jünger haben darauf vertraut und sind losgegangen. Petrus nach Rom, Philippus nach Samarien, Johannes nach Kleinasien, Andreas wohl bis zur Donau, Thomas eventuell sogar bis nach Indien… Sie waren Zeugen Jesu.

Liebe Gemeinde, das gilt auch uns. Auch wir sind unterwegs auf dem Weg unseres Lebens. Und auch uns sagt Jesus zu: Ihr werdet meine Zeugen sein. Und zwar an dem Platz, an dem ich euch hingestellt habe. In eurer Familie, an eurem Arbeitsplatz, in eurer Klasse, in eurem Verein.

Was heißt: Zeuge sein? Vor Gericht hat ein Zeuge nur auszusagen, was er selber gesehen und gehört und erlebt hat. Und er darf auch sagen, was er nicht gesehen und gehört hat, was er nicht weiß, wo er selber Fragen zum Geschehen hat und Zweifel. Mehr brauchen wir auch nicht. Einfach weitersagen, was wir mit Gott erfahren haben, und auch, wo wir manches eben auch noch nicht erfahren oder gesehen haben, und wo wir selber Fragen haben. Das darf ein Zeuge sagen. Und sagen, dass Jesus unser Freund ist, dass wir im Glauben einen Sinn im Leben und Hoffnung über den Tod hinaus haben.

Aber – Hand aufs Herz: Fällt uns das nicht doch manchmal ganz schön schwer im Alltag? Einfach Zeuge sein… Wenn das mal so einfach wäre…

Deshalb sind zwei Hinweise Jesu noch ganz wichtig, und netterweise ähneln sie ein bisschen der Kauflandempfehlung: “Bereite dich jetzt für den Vatertag vor und decke dich mit passendem Proviant ein!” Bereite dich vor, decke dich mit Proviant ein!

Wenn es also zuerst hieß: Unterwegs für Jesus, dann heißt es nun:

2) “Bereite dich vor!”
Nichts liegt Jesus ferner, als uns zu blindem Aktionismus aufzurufen. Er sagt: Bereitet euch vor! Wir war der Beginn dieser Geschichte:

4 Und als er mit ihnen beim Mahl war, befahl er ihnen, Jerusalem nicht zu verlassen, sondern zu warten auf die Verheißung des Vaters, die ihr – so sprach er – von mir gehört habt;
5 denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit dem Heiligen Geist getauft werden nicht lange nach diesen Tagen.

Also, bevor es losgeht, sollten die Jünger erst mal warten! Das fällt uns ja so schwer, innehalten, warten, auf Gottes Stunde warten! “Warten auf die Verheißungen des Vaters”. Das ist ein guter Vatertag, wenn wir auf die Verheißungen des Vaters warten. Diese Worte Jesu sind ja 10 Tage vor dem Pfingstereignis gesprochen. Das heißt: Der Heilige Geist, die Kraft Gottes, war noch nicht über sie gekommen. Und darum sollten und konnten sie noch gar nicht losgehen, sonst hätten sie alles aus eigener Kraft angepackt! Wie oft versuchen wir aus eigener Kraft, mit eigenen Ideen unsere Wünsche und Pläne und vielleicht auch Gottes Aufträge umzusetzen. Weil wir uns nicht die Zeit nehmen, zunächst innezuhalten, zu warten, Geduld zu haben. Bereite dich vor! Das heißt doch für uns: Nimm dir Zeit für die Stille, für das Gebet, für die Begegnung mit dem Vater im Himmel. Mir geht es leider manchmal so, dass ich gerade an Tagen, die sehr voll mit Terminen und Aufgaben sind, mehr oder weniger in den Tag hineinstolpere und mir nicht genügend Zeit zum Gebet und zur Stille nehme. Martin Luther war da anders. Er sagte mal: “Heute habe ich viel zu arbeiten, darum muss ich heute viel beten!” Bereite dich vor. Und nun das letzte und wichtigste:

3) “Decke dich mit Proviant ein!”
Proviant ist etwas unglaublich Wichtiges für das Unterwegssein. Wenn wir als Familie eine Wanderung machen, dann ist der Proviant für unsere Kinder das Allerwichtigste. Der Rucksack muss gut gepackt sein für so manche Rast. Und dann wandern wir los. Und wir wandern und wandern und dann, so ungefähr 1 Minute nachdem es los ging: “Wann machen wir endlich eine Rast? Ich brauch Proviant!”

Decke dich mit passendem Proviant ein! lautet die Kauflandwerbung. Für das Unterwegssein mit und für Jesus heißt das allerdings nicht einen Bollerwagen voll Bier und Schnaps. Sondern der Proviant Gottes heißt: Heiliger Geist.

Aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein.

Das ist ganz wichtig. Jesus sagt eben nicht einfach: Ihr werdet meine Zeugen sein. Sondern er schickt voraus: Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen und werdet meine Zeugen sein! Und das gilt auch uns. Wir wollen uns erfüllen lassen mit Gottes Kraft! Wie geht das? Ich denke, vielleicht so, dass wir unser Herz neu öffnen, dass wir beten: Herr, komm neu in mein Leben! Fülle mich neu mit deinem Geist! Und nimm alles weg, was dich hindert. Hilf mir dein Zeuge zu sein.

Und dass wir aufblicken auf Jesus und uns an seine Himmelfahrt erinnern, bedeutet doch dieser Tag: Dass Jesus in Gottes unsichtbare Welt aufgenommen wurde und regiert und alles in seiner Hand hat, auch deine und meine Zukunft, unser Leben, unsern Weg!

Ich habe hier das Werbebild mit dem Bollerwagen, aber ich erlaube mir, das ein bisschen zu verändern. Und auf einmal ist hier im Bollerwagen nicht mehr lauter Bier, Schnaps und Mini-Salamis, sondern auf einmal liegt hier: — “Die Kraft des Heiligen Geistes”. Das ist unser Proviant für diesen Tag Christi Himmelfahrt. Und für jeden Tag.

Amen

Singen wir nun: Vertraut den neuen Wegen, auf die der HERR uns weist.

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