Wenn das Leben zum Fest wird…

Gottesdienst am Sonntag, 15.01.2017

Thema: Wenn das Leben zum Fest wird

Predigt: Pastor Gero Cochlovius

 

Liebe Gemeinde,

Mami,“ sagt das kleine Julchen, das zum ersten Mal bei einer Hochzeit ist, und zeigt auf das Brautpaar, „Mami, sag mal, da vorne sitzt doch die Braut, oder?“ – „Ja, mein Kind.“ – „Warum ist ihr Kleid denn ganz weiß?“ Mutti überlegt einen Moment. „Hm, weißt du, weiß ist doch die Farbe der Freude! Sie ist so weiß gekleidet, weil sie sich ganz doll freut! Weil heut ihre Hochzeit ist.“ Julchen nickt verständig. Ein paar Augenblicke später: „Mami, und warum ist der Mann neben ihr ganz in Schwarz gekleidet?“

Ein Hochzeitsfest ist wahrlich ein Fest der Freude! Trauer ist da nicht angesagt. Bei einem Fest will man feiern und fröhlich sein. “Wenn das Leben zum Fest wird…” – Doch Julchen macht uns nachdenklich. Könnte so ein schwarzer Anzug schon so was wie eine leise Ahnung sein, dass das Leben eben nicht nur immer Freude und Fest ist, dass eben auch Schatten kommen, dass das Leid, die Schwierigkeiten eben nicht ausbleiben, dass auch Trauer zum Leben gehört. Das Fest, von dem in der Lesung vorhin gehört haben, kann uns helfen, das Fest des Lebens zu feiern – auch dann, wenn Schwierigkeiten kommen. Zwei Teile:

 

1) Das Leben wird zum Fest, wenn wir Jesus einladen

Hören wir noch mal den Beginn aus Johannes 2:

Die Hochzeit zu Kana

1 Und am dritten Tage war eine Hochzeit in Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war da.
2 Jesus aber und seine Jünger waren auch zur Hochzeit geladen.

Da ist also eine Hochzeit, eine jüdische Hochzeit, eine richtig große Sache! Da wird gefeiert, nach jüdischer Sitte sieben Tage lang! Und dann heißt es: „Jesus und seine Jünger waren auch zur Hochzeit eingeladen.“ Was Besseres kann man doch nicht machen, als Jesus einzuladen.

Liebe Gemeinde, manch einer lädt Jesus ein, wenn’s ihm dreckig geht. Jesus, komm doch mal, hilf mir! Gute Nachrichten für die Feuerwehr! Sie haben ein neues Mitglied: Jesus. Denn für viele ist Jesus ein Feuerwehrmann! Wenn’s brennt, lädt man ihn ein. Ja, Jesus kommt und hilft gerne in Not. Aber wie reich würde unser Leben, wenn wir Jesus doch auch zu den Hoch-Zeiten unseres Lebens einladen würden! Gerade auch dann, wenn wir denken: Mir geht’s prächtig! Ich schaff das schon! Mir sagte mal einer bei einem Hausbesuch: Also, ich bete eigentlich nur dann, wenn’s ich’s brauch, wenn Not ist. Eigenartig! Wenn’s gut läuft, meint man, braucht man wohl das Gebet nicht, braucht man Jesus nicht so sehr. Ich muss gestehen, mir selber geht’s auch manchmal so: Ich bete mehr und intensiver in schweren Stunden, bei Not und Problemen. Die Leute hier in Kana waren anders: Sie sagen: Komm, Herr Jesus, sei unser Gast! Wir laden dich ein zu unserem Fest, zu unserer Hochzeit. Und Jesus kommt gerne, weil das Feiern eine Gabe des Schöpfers ist, und die Hochzeit erst recht.

“Am dritten Tage…” findet die Hochzeit statt. Der Dienstag ist der traditionelle jüdische Hochzeitstag. Warum? Weil der dritte Schöpfungstag der einzige ist, an dem es gleich zweimal heißt: „und Gott sah, dass es gut war.“ Tiefsinnig: Hochzeit ist etwas doppelt Gutes! Es ist gut, wenn zwei Menschen sich finden – und es ist gut, wenn Gott dabei ist. Und darum gilt: Jesus zu diesem Fest und in die Ehe einzuladen, ist das Beste, was man machen kann.

Denn in einer Ehe, wie aber auch sonst im Leben, sind die Vorräte an Freude nicht unerschöpflich. Schlecht ist, wenn wir nur aus dem Eigenen schöpfen! Dann sind wir bald erschöpft. Ich sage gerne: “Ohne den Schöpfer ist das Geschöpf bald erschöpft.” Wenn der Alltagstrott uns unterkriegt.

Die meisten Ehen zerbrechen nicht an irgendeinem großen Ehestreit – da kann man sich wieder zusammenraufen. Nein, sondern an der Leere des Alltags! Die Krüge der Liebe sind leer, der Wein der Freude ist alle! Was bleibt ist, fades, blasses Wasser der Langeweile. Die Illusionen weg, man ist ernüchtert. Man habt den Geschmack aneinander verloren! Die Liebe ist erschöpft.

3 Dann ging der Wein aus.

Vielleicht geht’s dir auch so im Glauben? Es schmeckt nicht mehr, die Krüge sind leer. Du bist erschöpft. Du hattest zwar Jesus mal eingeladen. Aber irgendwie spielt es irgendwann keine Rolle mehr. Er war zwischen den vielen andern Gästen und Inhalten deines Lebens untergegangen. Und auf einmal war der Wein des Glaubens alle. Ausgeschöpft, afgebraucht. Weil du nur noch aus dem Eigenen gelebt, geliebt und geglaubt hat. Ach käme einer, der aus dem faden Alltagswasser wieder Wein machen könnte! Ach könnte die erste Liebe wiederkommen, in der Ehe oder im Glauben!

Jesus kann das. Er verwandelt Wasser in Wein.

Ein kritischer Lehrer nimmt diese Geschichte im Reli-Unterricht durch. Er will das Wunder lächerlich machen und fragt: „Was haben wohl die Leute gedacht, als sie hörten, dass Jesus sechs große Steinkrüge mit zusammen über 300 Litern Wasser in Wein verwandelt haben soll?“ Er erwartete eine Antwort wie: „Die Leute dachten: So ein Quatsch! Gibt’s ja gar nicht“, doch da meldete sich ein Junge: „Die Leute haben sicher gedacht: voll krass ey, den laden wir auch mal ein!“ Jawohl, das ist es doch! Den laden wir auch mal ein! Laden wir Jesus doch in unser Leben ein, sei es zum ersten Mal, oder wieder neu. Komm, Herr Jesus, sei unser Gast – in den Hoch-Zeiten und in den Tief-Zeiten, in Ehe und Familie, in Beruf, Schule und Gemeinde.

 

2) Das Leben wird zum Fest, wenn Jesus uns einlädt

Nun wird’s aber noch interessanter! Eben noch wurde Jesus als Gast eingeladen, da kommt es zum Rollentausch. Das fängt damit an, dass Maria ihm sagt: Du, hier gibt’s ein Problem, der Wein ist alle. 3 Und als der Wein ausging, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr.

Ja, ist denn das Jesu Problem, ist er denn Gast oder Gastgeber? Ist er der Hausherr? Maria ahnte es: das Fest, und das Leben kann nur gelingen, wenn Jesus nicht nur Gast, sondern Hausherr ist! Und so redet sie Jesus an, als ob er der Hausherr sei. Natürlich bestimmt der Hausherr dann auch, was wann dran ist. Und das kann mit unsern eigenen Erwartungen kollidieren.

4 Jesus spricht zu ihr: Was geht’s dich an, Frau, was ich tue? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.

Das klingt erst mal hart und abweisend. Warum Jesus hier so abweisend reagiert, wissen wir nicht. Denn so, wie die Geschichte weitergeht, ist es doch genau das Richtige gewesen, was Maria getan hat: Einfach zu Jesus zu gehen

Es war Johannes wichtig, genau diesen befremdlichen Satz Jesu mit aufzuschreiben in seinem Evangelium. Vielleicht, weil er damit zeigen wollte: Jesus reagiert nicht immer so, dass wir das gut nachvollziehen können. Es gibt Situationen, da können wir Gott und sein Handeln nicht verstehen. Da haben wir den Eindruck, dass Gott wirklich grob mit uns umgeht.

Da müssen wir lernen, wie Maria Geduld zu haben. Das fällt uns schwer. Du betest, dass Jesus endlich deine Situation verwandelt, deine Ehe erneuert, dir bessere Noten in der Schule schenkt, dir einen Job gibt, dir deinen ersehnten Freund bzw. Freundin schickt – und die Antwort ist: “Meine Zeit ist noch nicht gekommen”.

Vielleicht lässt uns Jesus manchmal auch ein wenig zappeln, um uns zu prüfen. Maria ließ sich davon nicht entmutigen.

5 Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut.

So gilt’s, Marias Rat zu befolgen: „Was er euch sagt, tut“ – nicht aus Ungeduld selber das Heft in die Hand nehmen, und sagen: Na ja, Jesus greift nicht ein in meiner beruflichen Krise, dann muss ich halt die Ellenbogen nehmen. Es klappt nicht mit den besseren Noten, also schreib ich ab und betrüge. Es klappt nicht, ich krieg keinen christlichen Partner, dann nehm’ ich mir eben einen anderen. Sondern: Was er euch sagt, tut!

Aber dann, dann erfahren wir, wie Jesus tatsächlich in unser Leben eingreift und Wasser zu Wein macht. Ich habe keine Probleme, das Wunder von Kana zu glauben. Durch Jesus Christus wurde der Kosmos aus dem Nichts geschaffen, wieso sollte er denn nicht aus ein paar Wassermolekülen Wein erschaffen können?

Aber auch wer Mühe damit hat, sich so etwas vorzustellen, wichtiger ist doch die Botschaft der Geschichte: Jesus kann aus unseren ausweglosen Situationen, aus der wässrigen Geschmacklosigkeit unseres Lebens, unserer Liebe, unseres Glaubens, wieder ganz neuen Freudewein schaffen! Kann unser Leben zum Fest machen, selbst wenn Pleiten, Pech und Pannen dazugehören.

“Du hast’s in Händen, kannst alles wenden, wie nur heißen mag die Not”, heißt es in einem Lied (In dir ist Freude in allem Leide). Und auf einmal: Ihr denkt, ihr habt ihn eingeladen, aber dann entdeckt ihr: In Wirklichkeit hat er euch eingeladen! Er ist ja der Gastgeber: „Kommet her zu mir alle, die ihr abgerackert, mühselig, beladen, kaputt seid! Ich will euch erquicken, erfrischen!“ Schon in diesem Leben, aber erst recht danach. Das tiefste Geheimnis dieser Geschichte ist nämlich folgendes:

Sie ist eine großartige Einladung zur himmlischen Hochzeit. In V. 11 heißt es: „Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat – und er offenbarte seine Herrlichkeit.“ Haben Sie sich auch schon gewundert über diese Menge Wein? Über 300 Liter? Sicher, es waren viele Gäste, aber etwas weniger Wein hätte es wohl auch getan! Doch Jesus wollte ein Zeichen geben, ein Zeichen dafür, dass er wirklich der Messias ist, der die Fülle, die Herrlichkeit hat! Der den Himmel aufschließt, uns einlädt zum himmlischen Hochzeitsmahl. Wenn die Gemeinde als Braut mit ihm, dem Bräutigam, zusammentrifft. Es ist jenes Mahl, von dem uns bereits Jesaja berichtet (Jesaja 25,6-8): Der Herr wird allen Völkern ein fettes Mahl machen, ein Mahl von reinem Wein. Und wird abwischen alle Tränen. Was für ein Freudenfest! Wenn unsere Abendmahlsfeiern, unsere Gottesdienste, aber auch sonst die Feste unseres Lebens doch nur ein Stück dieser Freude widerspiegeln würden! Aus Vorfreude auf dieses Fest dürfen wir jetzt schon feiern. Und nehmen Sie das aus dem Gottesdienst mit: Laden Sie Jesus Christus ein in Ihr Leben, weil er Sie schon längst eingeladen hat.

Amen.

 

 

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