Was für eine Freude

Gottesdienst am Sonntag, 03.07.2016

Thema: Was für eine Freude

Text: Lukas 10,17-21

Predigt: Pastor Gero Cochlovius

Einspielung:

“Ein Stern, der deinen Namen trägt…”

Einen Stern, der deinen Namen trägt
Hoch am Himmelszelt
Den schenk ich Dir heut’ Nacht
Einen Stern, der deinen Namen trägt
Alle Zeiten überlebt
Und über unsere Liebe wacht

Seit Jahren schon leb ich mit Dir
Und ich danke Gott dafür
dass er mir Dich gegeben hat
Als Erinnerung an unser Leben
Möchte ich Dir heut’ etwas geben
Ein Geschenk für alle Ewigkeit

Einen Stern, der deinen Namen trägt
Hoch am Himmelszelt
Den schenk ich Dir heut’ Nacht
Einen Stern, der deinen Namen trägt
Alle Zeiten überlebt
Und über unsere Liebe wacht…

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Wer hat dieses Lied schon mal irgendwo im Radio oder auf einer Party gehört? Von DJ Ötzi ist es. Vor Jahren Platz 1 in den deutschen Charts und immerhin der meistverkaufte deutsche Schlager.

Vielleicht liegt der Grund dafür in diesem schönen Bild: Da ist am unendlich weiten und großen Sternenhimmel ein Stern, der zu dir gehört, der deinen Namen trägt, dein Name ist in den Himmel geschrieben!

Die kleine Pauline, die heut getauft wird, ist für ihre Familie auch so ein Stern! Schon in der Geburtsanzeige wird sie als Stern bezeichnet. Und die Vorstellung, dass ihr Name am Himmel leuchtet – das macht froh!

Vielleicht darum der Taufspruch aus Lukas 10,20:

Jesus sagt: “Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.”

Was für eine Freude! So das Thema heute. Aber ich möchte es nicht nur bei diesem Ausruf belassen: Was für eine Freude! – sondern es als Frage verstehen: Was für eine Freude? Um was für eine Freude geht es Jesus? Darum geht es heute.

Jesus hatte nicht nur die 12 Jünger, die wir kennen. Sondern noch einen erweiterten Jüngerkreis. 72, die ihm folgten und die er auch ausgesandt hat, um das Reich Gottes zu verkündigen. Und diese kommen voller Freude und Begeisterung zurück. Hören wir auf den Predigttext aus Lukas 10,17-21:

17 Die Zweiundsiebzig aber kamen zurück voll Freude und sprachen: Herr, auch die bösen Geister sind uns untertan in deinem Namen.
18 Er sprach aber zu ihnen: Ich sah den Satan vom Himmel fallen wie einen Blitz.
19 Seht, ich habe euch Macht gegeben, zu treten auf Schlangen und Skorpione, und Macht über alle Gewalt des Feindes; und nichts wird euch schaden.
20 Doch darüber freut euch nicht, dass euch die Geister untertan sind. Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.
21 Zu der Stunde freute sich Jesus im Heiligen Geist und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du dies den Weisen und Klugen verborgen hast und hast es den Unmündigen offenbart. Ja, Vater, so hat es dir wohlgefallen.

 

1) Was für eine Freude: Wenn uns was gelingt!

17 Die Zweiundsiebzig aber kamen zurück voll Freude.

Was für eine tolle Erfahrung! Jesus hatte sie ausgesandt, wie wir in Lukas 10,1 lesen: “Danach setzte der Herr weitere 72 Jünger ein und sandte sie je zwei und zwei vor sich her in alle Städte und Orte, wohin er gehen wollte.” Sie sollten Menschen heilen und ihnen die Botschaft vom Reich Gottes weitersagen. Und offensichtlich ist es ihnen gelungen! Sie kamen mit ganz viel Freude zurück. Es hat geklappt! Die Menschen haben auf uns gehört. Ja, wir konnten hier und da Menschen Gutes tun, Kranken Hilfe bringen. Das ist eine gute Grundlage, um selber Freude zu erfahren: anderen Freude bereiten. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich als vielleicht 10jährige Junge auf der Suche nach einem Muttertagsgeschenk für meine Mama war. Eigentlich wollte ich in dem kleinen Dorflädchen ein paar Pralinen oder eine Flasche Eierlikör oder so was kaufen. Aber dann blieb mein Blick an so einem Sinnspruch auf einer Holztafel hängen:

Willst du glücklich sein im Leben,
Trage bei zu andrer Glück,
Denn die Freude, die wir geben,
Kehrt ins eigne Herz zurück.

Dieses – vermutlich ziemlich kitschig aussehende – Schild kaufte ich für Mama. Aber dieses schlichte Verslein hat sich mir so eingeprägt, dass ich es selbst jetzt, 35 Jahre später noch weiß. Und die 72 Jünger Jesu machen dieselbe Erfahrung. Es tut gut, andern Gutes zu tun. Es macht froh, andere froh zu machen. Gelingen heißt eben in der Perspektive Gottes nicht in erster Linie “Erfolg haben” im materiellen Sinn oder eine tolle Leistung bringen. Auch das kann uns mal Vergnügen bereiten, wenn uns der Job gelingt, wenn wir einen Großauftrag an Land gezogen haben, oder wenn wir ein super Zeugnis nach Hause bringen, wie manche Schüler jetzt vor anderthalb Wochen. Aber eine tiefere Freude liegt darin, selber andern eine Freude zu machen. Das wünschen wir Pauline, dass ihr Leben in dieser Hinsicht gelingt. Und sie fängt jetzt schon damit an, andern Freude zu machen – einfach damit, dass sie da ist.

Übrigens: Wichtig ist, dass Jesus seine Jünger nicht allein losschickt. Sondern immer je zwei und zwei. Weil er weiß: Wir brauchen Wegbegleiter. Reise nicht allein! – heißt das Thema unseres Martins-Boten. Lesen Sie darin, warum das so wichtig ist im Leben. Im Glauben vor allem: Keiner kann allein glauben. Wir brauchen die Gemeinschaft mit anderen Christen. Taufe bedeutet ja auch: Hineingenommen werden in die Gemeinde, in die Gemeinschaft. Wegbegleiter zu haben. Hast du einen Menschen, zu dem du Vertrauen hast? Mit dem du deinen Glauben teilen kannst? Dass der Auftrag der Jünger gelungen ist – das lag auch daran, dass sie nicht allein unterwegs waren. Das hat sehr zu ihrer Freude beigetragen.

 

2) Was für eine Freude: Wenn Einsatz was bringt!

Es wäre allerdings ein wenig zu wenig, wenn Jesus seine Leute nur damit losgeschickt hätte: Seid nett zu den Menschen und macht mal ein paar Leute froh. Nein, sein Auftrag war viel tiefer und herausfordernder. Jesus hatte gesagt: Geht hin, siehe, ich sende euch wie Lämmer mitten unter die Wölfe! (V.3) Es ging nicht nur darum, ein paar Blumen zu verteilen. Es ging um einen Rettungseinsatz! Dass Menschen umkehren und zu Gott finden und dadurch gerettet werden für die Ewigkeit! Und es ging auch um die Frage: Was bringt unser Einsatz?! Lohnt es sich? Werden Menschen wirklich verändert? Noch mal ein Blick in den Bericht:

17 Die Zweiundsiebzig aber kamen zurück voll Freude und sprachen: Herr, auch die bösen Geister sind uns untertan in deinem Namen.

Auch die bösen Geister sind uns untertan in deinem Namen…, sagen die. Was meinen die damit?

Manche tun das ab als ein Relikt der vormodernen Welt. Wo man noch an böse Geister und so was glaubte. Nein, das ist keine überholte Märchenwelt! Es ist vielmehr eine sehr realistische Konfrontation mit der Realität des Bösen. Es gibt eine Macht des Bösen, die die Bibel als Satan oder Teufel bezeichnet. Und wir können sie tagtäglich sehen um uns herum. Ist das etwa nicht teuflisch, was da in den letzten Tagen wieder geschehen ist – dieser Terror in Istanbul oder Bangladesch? Und wir sehen die Macht des Bösen nicht nur um uns herum, sondern manchmal vielleicht auch in uns selbst… Sicher, keiner von uns hegt solche bestialischen Blutbadfantasien. Aber die Tatsache, dass uns mitunter Gedanken und Gefühle beherrschen, die eben nicht nur positiv und gut für unsere Mitmenschen und uns selbst sind, sondern egoistisch oder voll Neid oder Gier oder Unreinheit oder Hochmut… Ich frage mich, ob in unserer ach so aufgeklärten Zeit die bösen Geister nicht noch viel mehr herumspuken als einst in der alten Welt. Und da fragt man sich: Was bringt da unser Einsatz für Gott und Jesus? Was bringt unser Einsatz für diese Botschaft der Liebe, der Liebe Gottes? Angesichts von so viel Hass und Gewalt… Angesichts von so viel bösen Geistern… Doch die Jünger machen eine bemerkenswerte Erfahrung: Sie spüren: Es gibt eine stärkere Macht! Sie spüren: In deinem Namen, Jesus, können wir das Böse besiegen! In deinem Namen ist der Einsatz nicht vergeblich. In deinem Namen bringt es was, dass wir uns abmühen und einsetzen für dein Reich, sei es in der Gemeinde, vielleicht im Kindergottesdienst, im Seniorentreff, in einer Gruppe, oder in der Familie oder wo auch immer. Auch wenn wir nicht immer die großen Erfolge sehen. Aber Jesus ist und bleibt Sieger! Das ist die große Freude bei den 72! Und das ist auch unsere Freude. Darum können wir auch in eine böse Welt und eine böse Zeit hinein Ja zu Kindern sagen. Jedes kleine Kind, das geboren wird, ist ein Zeichen der Hoffnung, dass das Böse nicht siegt. Und darum können wir uns riesig freuen – auch über die kleine Pauline!

 

3) Was für eine Freude: Wenn der Himmel uns winkt!

Die Freude steigert sich immer mehr. So schön es ist, wenn uns was gelingt, und schöner noch, wenn der Einsatz was bringt. Am schönsten ist, dass der Himmel uns winkt! So will ich das einmal bezeichnen, was Jesus hier sagt. Denn wenn er sagt: “Freut euch nicht darüber, dass euch die Geister untertan sind. Sondern freut euch darüber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.” – dann meint er nicht, dass wir uns nicht auch über das andere freuen dürfen. Er meint vielmehr: im Vergleich zu dieser einen großen Freude ist alles andere nichts. Die Freude über unser Gelingen, über unsern Einsatz, selbst über unsern Glauben ist nichts gegenüber dieser unermesslichen Freude, wenn unsere Namen im Himmel geschrieben sind. Damit ist gemeint, dass wir im “Buch des Lebens” – so wird es in der Bibel an verschiedenen Stellen genannt (z.B. Phil. 4,3; Offb. 13,8) – stehen, also das ewige Leben haben, wenn wir – wie die 72 damals – Jünger Jesu sind. Also zu ihm gehören, seine Freunde, seine Nachfolger sind, an ihn glauben. Dass wir getauft sind, reicht dazu nicht aus. Sondern zur Taufe muss der persönliche Glaube kommen. So persönlich wie dein Name, mit dem du von denen gerufen wirst, die dich lieben, die dir deinen Namen gaben, so persönlich bist du von Gott geliebt. Und so persönlich kannst du diese Liebe erwidern und Ja sagen zu ihm. Und dann leuchtet da als heller Stern am Himmel dein Name im Buch des Lebens. Und wie hat DJ Ötzi es formuliert: Ein Geschenk für alle Ewigkeit! Ja, das ist der Himmel, das ewige Leben, unser Name im Buch des Lebens. Ein Geschenk, das man sich nicht kaufen kann! Wir wünschen uns so sehr, dass Pauline auch einmal dieses Geschenk des Glaubens annimmt. Was für eine Freude – wenn der Himmel uns winkt.

Und schließlich noch eine faszinierende Beobachtung am Schluss. Es ist hier nicht nur von der Freude der Jünger die Rede. Nein, Jesus selbst freut sich! Er jubelt. Und er stimmt einen großartigen Lobgesang an.

 

4) Was für eine Freude: Wenn selbst Jesus lobsingt!

21 Zu der Stunde freute sich Jesus im Heiligen Geist und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du dies den Weisen und Klugen verborgen hast und hast es den Unmündigen offenbart. Ja, Vater, so hat es dir wohlgefallen.

Worüber freut sich Jesus? Er schaut auf seine Jünger – einfache Leute, keineswegs besonders fromm oder ohne Zweifel. Und nicht die Klugen in den Augen der Welt. Und genau die haben den Weg zum Glauben gefunden. Das unterstreicht einmal mehr, dass es bei Gott nicht auf unser Tun und unsere Leistung ankommt, sondern auf Gottes Liebe. Das ist auch der Grund, warum Jesus besonders die Kinder zu sich eingeladen hat, die Unmündigen. “Lasset die Kinder zu mir kommen, denn solchen ist das Himmelreich.”

Und wenn jemand zu Gott findet – egal ob klein oder groß-, dann jubelt Jesus und mit ihm der ganze Himmel. Im Gleichnis vom Verlorenen Sohn heißt es: Also wird Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut.

Was für eine Freude!

Was für eine Freude: Wenn uns was gelingt!
Was für eine Freude: Wenn Einsatz was bringt!
Was für eine Freude: Wenn der Himmel uns winkt!
Was für eine Freude: Wenn selbst Jesus lobsingt!

Amen.

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