ÜberLeben IV – Vertrauen wagen

Gottesdienst am Sonntag,06.03.2016

Thema: ÜberLeben IV – Vertrauen wagen

Text: 2. Mose 15,22-27

Predigt: Pastor Gero Cochlovius

Liebe Konfirmanden, liebe Eltern, liebe Gemeinde,

Vertrauen wagen – so heißt es heute. Vertrauen gehört dazu, wenn man etwa sein Auto einem andern anvertraut. Ich habe gehört, dass selbst bei manchen Ehepaaren es so ist, dass der Mann nicht gern sein Auto seiner Frau anvertraut. Vielleicht aufgrund solcher Vorkommnisse:

Da sagt die Frau zu ihrem Mann: “Schatz, ich glaube, das Auto ist kaputt. Es hat Wasser im Vergaser.”
Er: “Wasser im Vergaser? Das ist doch lächerlich! Ich werde das mal überprüfen. Wo ist das Auto?”
Sie: “Im Pool.”

Wem können wir vertrauen? Das hat sich damals auch das Volk Israel gefragt. Gerade hatten sie ein großes Wunder erlebt. Da wurde nicht ein Auto im Pool versenkt, sondern eine ganze Armee im Roten Meer! Die ägyptischen Streitwagen des Pharao, die ihnen hinterher gejagt sind. Doch nun? Nun waren sie durstig und umherirrend in der Wüste! Wie gerne hätten sie nun einen Pool gehabt! Und bald schon war alles Vertrauen in Gott in der Wüstenhitze dahin geschmolzen wie Wachs im Ofen. Wir lesen einige Verse aus dem 2. Buch Mose:

22 Mose ließ die Israeliten vom Schilfmeer aufbrechen. Sie zogen los und kamen in die Wüste Schur. Drei Tage lang waren sie hier unterwegs, ohne Wasser zu finden.
23 Als sie endlich die Oase von Mara erreichten, war das Wasser dort so bitter, dass sie es nicht trinken konnten. Darum heißt dieser Ort Mara (“Bitterkeit”).
24 “Was sollen wir nun trinken?”, fragten die Leute Mose vorwurfsvoll.

Erst mal bis hierhin. Drei Tage umherirren in der Wüste, ohne trinken, ohne Wasser. Das ist schon bitter. Das stellt das Gottvertrauen auf eine harte Probe. Und offensichtlich war die Oase Mara eine einzige Enttäuschung. Hat sich das Navi geirrt?

Ich denke, bei unserer Lebensreise gibt es ähnliche Situationen, wo wir einfach nicht mehr den Weg finden können, wo wir uns verirrt haben. Für euch Konfis: Wenn es in der Schule gar nicht mehr recht läuft. Wo es einem wie Wüste vorkommt. Oder – in meinem Leben denke ich an eine Zeit als Student, wo ich verliebt war, aber offensichtlich hat das Navi von dem Mädel, das ich mochte, versagt. Jedenfalls – sie wollte nicht so, wie ich wollte. So Liebeskummer – das ist schon ziemlich blöd. Das war für mich auch so ein bisschen wie Wüste…

Im Leben ist es – wie beim Autofahren – gut, ein vertrauenswürdiges Navi zu haben. Vor 2 Jahren erlebten wir bei einem Familienurlaub, wie gefährlich es sein kann, wenn man zu Unrecht seinem Navi vertraut. Wir waren in der Nähe von Dresden abends unterwegs. Wir wunderten uns ein wenig, als die Straße immer schmaler und irgendwie komisch wurde. Es gab keine Straßenbeleuchtung. Zum Glück fuhr ich langsam, denn auf einmal tauchte direkt vor uns – wie aus dem Nichts – die Elbe auf. Das gibt’s doch gar nicht! Die Straße führte direkt in den Fluss! Und die liebe Dame im Navi sagt uns allen Ernstes: „Dem Straßenverlauf 2 km folgen!“ Irgendwann entdeckten wir außerhalb des Lichtkegels unseres Scheinwerfers ein unscheinbares Schild: Elbfähre Pillnitz. Bei Tag sicher kein Problem. Bei Nacht aber – ohne Licht, ohne Fähre – eine beinahe eine verhängnisvolle Aufforderung: Bitte dem Straßenverlauf folgen!

Besser wäre es schon, wenn es ein Navi gäbe wie es die Leute von “Verstehen Sie Spaß?” mal ausgedacht haben. Da sieht man ein Auto fahren, dazu gibt es die Stimme eines Navi, das scheinbar alles weiß. Wovon der Mitfahrer allerdings keine Ahnung: Ein anderes Fahrzeug fährt direkt hinterher, und da drin sitzt eine Person als Stimme des Navi . Und dann gibt es kuriose Hinweise des Navi: “In 50 Metern eine Ampelanlage. Es quert ein Pferd die Straße.” Wenig später: “Achtung, in 100 Metern ein Zebrastreifen. Eine Frau mit Rollator möchte die Straße überqueren.” Oder: “In 200 Metern an der rechten Seite ein Anhalter. Fahrtziel: Ulm”. Usw. Der Mitfahrer, der von dem getricksten “Navi” nichts weiß, ist fassungslos: “Das gibt es doch gar nicht! Das Gerät weiß ja alles!!”

Ja, das wäre cool! Ein Navi, das wirklich alles weiß. Ich denke: Jesus ist so jemand – er kennt unser Leben ganz genau, auch unsere Zukunft. Allerdings – schade, dass er nicht so akustisch zu uns redet, dass wir seine Stimme oft so schwer nur erkennen können. Aber immerhin haben wir die Bibel, darin können wir schon die Stimme Gottes, die Stimme Jesu hören.

In den Psalmen gibt es dazu einen wichtigen Vers, der uns zeigt, dass Gottes Wort so etwas wie ein Navi ist. Na ja, genauer: Es ist wie ein Licht für unseren Weg. Welchen Vers meine ich wohl?

Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg. Psalm 119,105

Doch die Geschichte von Mose zeigt uns: Auch wenn wir auf Gott vertrauen, auch wenn wir mit ihm gehen und auf sein Wort – auf das Navi der Bibel – hören, heißt das nicht, dass im Leben alles klar ist und es keine Probleme mehr gibt.

Wie geht die Geschichte weiter?

25 Mose flehte den Herrn um Hilfe an, und der Herr zeigte ihm ein Stück Holz. Als Mose es ins Wasser warf, wurde das Wasser genießbar.

Wie genau das Wunder passierte wissen wir nicht. Es gibt auf jeden Fall Baumrinden und bestimmte Blätter, die Salze im Wasser absorbieren und so Wasser genießbar machen können. Aber entscheidend ist: Gott lässt sie nicht hängen in ihrer Not. Gott hilft. Weil er sein Volk so lieb hat.

Später hat er das nochmal durch den Propheten Jesaja ganz wunderbar auf den Punkt gebracht, wie wertvoll ihm sein Volk war. Und das gilt auch für uns heute. Wem fällt der Vers dazu ein?

Gott sagt: Du bist in meinen Augen so wertvoll und auch herrlich und ich habe dich lieb! Jesaja 43,4

Und dann merken sie: Auf überraschende Weise greift Gott ein in ihre Situation. Es lohnt sich doch, ihm zu vertrauen.

Es sind manchmal die kleinen, überraschenden Wendungen im Alltag, durch die uns Gott nahe ist. Ich erinnere mich an meine Grundschulzeit. Es war eigentlich eine Banalität, ich hatte meinen Turnbeutel vergessen. Nix Schlimmes. Aber ich fand das richtig blöd. Weil unser Sportlehrer da immer so geschimpft hat. Und ich betete: “Gott, ich hab zwar keine Ahnung, wie ich aus dieser Nummer rauskomme, aber dir fällt bestimmt was ein.” Und – schon erstaunlich – Gott hatte offensichtlich Mitleid mit dem kleinen vergesslichen Gero. Der große Gott hat Zeit für so eine kleine unwichtige kindliche Nebensache! Plötzlich ging die Tür auf, und ein Lehrer kam rein und sagte: “Ach, übrigens, Sport fällt heute aus für euch. Der Sportlehrer ist krank.” So kann Gott kindliche Gebete erhören. Ja, ich weiß auch: es gibt gewichtigere Probleme auf der Welt, und ich habe auch schon oft erlebt, dass Gebete nicht so erhört wurden, wie ich es mir gewünscht hätte. Aber für mich als kleinen Jungen damals war es eine echte Glaubensstärkung. Und ich denke, dass wir oft im Alltag solche Dinge erleben können. Samuel Harfst hat das in einem Lied so ausgedrückt: Und der Herr tut heute noch Wunder.

Singen wir an dieser Stelle “Privileg”

Lied:    Privileg

Das Volk Israel lernte: Vertrauen wagen. Sie haben gemerkt, dass Gott sie umgibt, von allen Seiten. Welcher Psalm kommt euch in den Sinn?

Herr, du erforschst mich und du kennst mich. Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir. Psalm 139,1+5

Sie spürten: Diesem Gott können wir vertrauen. Er führt uns wie ein guter Hirte seine Schafe führt. Jahrhunderte später hat David diese Erfahrung in einen sehr berühmten Psalm gelegt.

Psalm 23 Der Herr ist mein Hirte… Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.

Ein guter Hirte – der den Weg kennt. Ja, nicht nur kennt, sondern mitgeht! Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir!

Dieser gute Hirte hat einen Namen: Jesus Christus. Denn Jesus Christus hat sich selber als diesen Hirten kundgetan.

Jesus sagt: Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir, und ich gebe ihnen das ewige Leben, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen.

Joh. 10,11.27 Jesus hat noch weitere Sätze über sich selbst gesagt. Ich bin…

Wem fällt da noch was ein?

Johannes 8,12 (Jesus sagt: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht umhergehen in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.)

Johannes 10,9 (Jesus sagt: Ich bin die Tür. Wer durch mich eingeht und an mich glaubt, der wird gerettet werden).

Johannes 14,6 (Jesus sagt: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater, als nur durch mich.)

 

Wie ging es mit der Reise von Mose und den Israeliten weiter? Gott führte sie durch die Wüste hindurch bis zum Berg Sinai. Und da gab er ihnen etwas mit auf den Weg, ja, das könnte man vergleichen mit Wegweisern fürs die Autofahrt unseres Lebens. Hinweise, wo der gute Weg langführt. Was könnte das sein?

Die Zehn Gebote

So sind die Zehn Gebote also Gottes Wegweiser für uns.

Allerdings: Wenn wir ehrlich sind: Oft genug übersehen wir sie. Oft genug fahren wir doch unseren eigenen Weg uns verfahren uns, landen in Sackgassen. Und manches Mal bereuen wir unsere eigenen falschen Entscheidungen bitter. Bitter? Bitter war das Wasser von Mara. Bitter ist auch mancher Fehler in unserm Leben. Bitter ist es, wenn wir ohne Gott leben wollen. Aber, dann wurde alles anders durch ein Stück Holz. Und genau so kann es in unserem Leben auch werden: Durch ein Stück Holz – durch das Kreuz Jesu nämlich! Weil er für uns am Kreuz gestorben ist, kann er uns vergeben und helfen und heilen, was bitter geworden ist in uns, wo wir selbst verbittert geworden sind.

Allerdings: Das heilende Holz musste schon rein in das Bitterwasser!

Und so muss Jesus schon rein in unser Leben. Dass wir ihn einladen. Wenn wir schon beim Vergleich mit dem Autofahren sind: Dann nehmen wir ihn doch mit. Nicht nur als Anhalter, als Beifahrer, sondern er – der den Weg am besten kennt – er sollte doch gleich das Steuer unseres Lebens in die Hand nehmen. Denn er führt euch Konfis und jeden von uns, der ihm vertraut, zu einem guten Ziel.

Vertrauen wagen. So war heute unser Thema. Wie können wir uns das merken? Vielleicht helfen uns die Buchstaben einer Automarke dabei, die gerade darum kämpft, wieder Vertrauen zu gewinnen. Immer wenn wir diese Buchstaben irgendwo sehen, dann können wir uns vielleicht an diesen Gottesdienst erinnern und das tun: V.W. – Vertrauen wagen!

Amen.