ÜberLeben II – Welchen Sprit brauche ich?

Gottesdienst am Sonntag, 21.02.2016

Thema: ÜberLeben II – Welchen Sprit brauche ich?

Text: 2. Mose 3

Predigt: Pastor Gero Cochlovius

Liebe Gemeinde,

unglaublich, was man so alles im Tank haben kann! Vor fünf Jahren gab es in den USA eine sehr ungewöhnliche Rückrufaktion des Autoherstellers Mazda. 65.000 Autos wurden zurückgerufen. Der Grund: Ausgerechnet im Tank dieser Mazda-Autos nistete sich massenweise die Gelbe Sackspinne ein. Sie baute dort Netze, die zu Unterdruck führen, wodurch wiederum Risse im Tank entstehen können, was im schlimmsten Fall einen Brand auslösen kann. Das Geheimnis, warum die gelbe Sackspinne es gerade auf den Mazda 6 abgesehen hatte, konnte selbst nach einem Wiederholungsangriff 2014 noch nicht gelüftet werden.

Eventuell hing es mit der Produktionsstätte zusammen. Diese Spinnen-Autos wurden alle am selben Ort gefertigt. Spinnen im Tank – ich glaub, ich spinne! Was es alles gibt…

Was haben wir im Tank unseres Lebens? Spinne im Tank, nein danke! Dann schon eher die alte Esso-Werbung: Kennen Sie die? Pack den Tiger in den Tank!

Das wünschen wir uns doch. Die Kraft, Energie, Geschmeidigkeit, Dynamik des Tigers in uns. Weck den Tiger in dir! – Aber die Realität sieht oft anders aus. Oft genug fühlst du dich ausgelaugt, ausgepowert. Der Tank ist leer.

In unserem 40-Tage-Projekt begleiten wir derzeit Mose. Letzte Woche dabei schon einiges an Kraftquellen entdeckt. Wir haben gesehen, dass Mose und auch wir im Grunde vollgetankt ins Leben starten, dass Gott uns so viel Gutes mit auf den Weg gibt. Und dass Gott für jeden von uns einen guten Plan hat und dass wir auftanken können bei Jesus! In der Mose-Geschichte gibt es so viele Hinweise auf Jesus. Denn letztlich geht es nur um Jesus! Und heute wollen wir einmal fragen: Welchen Sprit brauche ich für meinen Tank?

Mose hatte im Verlauf seines Lebens sehr unterschiedlichen Sprit getankt.

 

1) Bitte kein falsches Super!

Beim Tanken mit dem Auto mag es sein, dass uns Super als besonders hilfreich erscheint, kraftvoll. Es gibt auch Superplus und an manchen Tankstellen eine Art Super-Super, spezielle Hochleistungskraftstoffe, die noch besser sein sollen! In unserm Glauben allerdings gibt es ein falsches Super. Ich meine damit ein selbstgemachtes, ein gepanschtes Super. Dass wir auf unsere eigene Kraft vertrauen. Das macht unsern Motor kaputt. Lesen wir, wie Mose falsches Super tankt:

11 Zu der Zeit, als Mose groß geworden war, ging er hinaus zu seinen Brüdern und sah ihren Sklavendienst und nahm wahr, dass ein Ägypter einen seiner hebräischen Brüder schlug.
12 Da schaute er sich nach allen Seiten um und als er sah, dass kein Mensch da war, erschlug er den Ägypter und verscharrte ihn im Sande.

Was war hier los? Mose ahnte tief in sich etwas von Gottes großem Plan. Er wusste, dass er eigentlich zum Volk Israel gehörte. Hatte in den Kindheitstagen so viel mitbekommen vom Glauben an den lebendigen Gott. Und dass er dann an den Königshof kam, Adoptivsohn der Pharaotochter wurde – das konnte doch kein Zufall sein! Gott hatte Großes mit ihm vor. Doch wann war der große Tag gekommen? Eine Frage, die sich vielleicht auch mancher von uns stellt. Ja, sicher: Wir können uns das schon vorstellen, dass Gott es gut meint mit uns, dass er einen guten Plan hat. Aber manchmal scheint es so, als ob jahrelang nichts passiert. Dann werden wir ungeduldig. Dann denken wir: Wir müssen Gott ein bisschen nachhelfen. Wir müssen unser Schicksal in die eigene Hand nehmen. Ich kenne einen jungen Mann, der wollte Gott auch ein wenig nachhelfen. Er sehnte sich nach einer Frau, und er wartete. Jahrelang. Und dann kam der Punkt, wo er einfach nicht mehr warten wollte. Sein Schicksal in die eigene Hand nehmen. Ungeduldig wollte er das einfach mal wissen, wie das so ist mit einer Frau. Also beschloss er: Wenn keine Frau zu mir kommt, geh ich halt zu einer Frau – und besuchte ein Bordell! Was für ein Irrweg!

Mose wollte Gott auch ein wenig nachhelfen. Er vertraut auf seine eigene Kraft, seine eigenen Ideen. Er sieht die Not seiner Volksgenossen. Und er denkt: Jetzt reicht’s! Und dann schlägt er zu. Er bringt einen Ägypter um. Das war der Anfang! Super! Keiner hat’s gesehen – so glaubt er. Falsches Super.

“Super” ist lateinisch – und bedeutet: “oben”, “oben drauf”, “drüber”. Danach sehnen wir uns doch manchmal: Oben zu sein! Groß raus zu kommen. Ein Held zu sein. Vor einigen Jahren gab es in Deutschland eine Umfrage unter 3.700 Jugendlichen: Wer ist der größte Held? Auf Platz eins landete Superman, dahinter kam Gott, gefolgt von Hollywoodstar Brad Pitt und Zauberlehrling Harry Potter. Superman! Einfach mal super sein. Und manche, die sich für einen Helden halten, denken auch, sie sind Superman. Vor kurzem hab ich gehört, dass der Box-Champion Muhammad Ali, ja nicht gerade für seine Bescheidenheit berühmt, mal im Flugzeug saß und sich nicht anschnallen wollte. Von der Stewardess freundlich darauf hingewiesen, dass dies Vorschrift sei und es keine Ausnahmen gäbe, antwortete er: “Superman braucht sich nicht anzuschnallen”. Darauf die Stewardess schlagfertig: “Superman braucht auch kein Flugzeug, um zu fliegen.”

Super hängt im Lateinischen zusammen mit superbia, und das bedeutet: “Hochmut”. Falsches Super bedeutet: Auf seine eigene Kraft vertrauen. – Bitte mich nicht falsch verstehen. Natürlich ist es wichtig, dass wir uns was zutrauen, dass wir unser Leben anpacken, dass wir nicht die Hände in den Schoß legen und denken: Gott soll alles machen. So nicht! Aber entscheidend ist: Dass wir nicht alleine unsern Weg gehen! Sondern die Verbindung zu Gott, die Verbindung zu Jesus Christus suchen und halten. Wie sagt es Jesus – wir haben es in der Evangeliumslesung gehört (Joh. 15,5): “Bleibet in mir und ich in euch. Bleibt fest mit mir verbunden – denn ohne mich könnt ihr nichts tun.” Ohne mich könnt ihr nichts tun? Stimmt das denn? Natürlich können wir ohne Jesus eine Menge tun – aber in Gottes Augen ist das “nichts”. Ist das ohne bleibenden Wert, ohne Ewigkeitswert. Es kommt entscheidend auf die Verbindung zu Jesus, zu Gott an! Das musste Mose lernen. Er hat falsches Super getankt.

 

2) Die Chance des leeren Tanks

Moses Rechnung ging nicht auf. Der Mord an dem Ägypter flog auf. Wir lesen: 15 Und es kam vor den Pharao; der trachtete danach, Mose zu töten. Aber Mose floh vor dem Pharao und hielt sich auf im Lande Midian. Und er setzte sich nieder bei einem Brunnen.

Mose musste fliehen ins Land Midian. Eine öde, einsame Gegend, Wüstenlandschaft. So hatte sich Mose sein Leben nicht vorgestellt! Eine einzige falsche Entscheidung – und schon ist alles vorbei. Ein Fehler, der nicht wieder rückgängig gemacht werden kann. So was gibt es. Und man denkt dann: Das war’s jetzt. So muss sich Mose gefühlt haben.

Doch Gott denkt anders. Beim ihm ist dann nicht alles vorbei! Nein, er kann gerade dann, im Zerbruch, ganz neu anfangen mit einem Menschen. Normalerweise ist ein leerer Tank etwas Schlechtes, und wir haben letzte Woche noch gesagt: Es ist wichtig, immer rechtzeitig aufzutanken. Das stimmt. Aber wenn man falsch getankt hat – stellen Sie sich vor: ein Dieselfahrzeug tankt Super – dann muss man den Tank erst mal wieder völlig leer machen, alles abpumpen, damit das Richtige rein kann. Und so ging es Mose. Sein ganzer falscher Stolz und Hochmut, sein Vertrauen auf seine eigene Kraft, sein Eigensinn musste raus. Und dann wird der leere Tank zu einer großen Chance! Denn dann kann Gott wirken.

In unserem 40-Tage-Buch wird jetzt in dieser Woche der Evangelist Moody zitiert:

“Mose verbrachte die ersten 40 Jahre seines Lebens mit der Überzeugung, er sei etwas Besonderes. In den zweiten 40 Jahren musste er erkennen: Ich bin ein Niemand. Und im dritten Abschnitt seines Lebens erkannte er: dass Gott jemand ist, der mit einem Niemand Großes bewirken kann.”

Der große dänische Philosoph und Christ Sören Kierkegaard sagt es noch pointierter: “Gott macht alles aus Nichts – und alles, was Gott gebrauchen will, macht er zuerst zu Nichts.”

Mose, der große Königssohn, wurde erst mal zu Nichts. Er bekam eine Auszeit. Eine Wüstenzeit. Und wo zieht es ihn hin? Zum Brunnen. Er spürt: Ich bin leer, ausgedorrt, ausgetrocknet, ich brauch eine Quelle. Ich muss zur Ruhe kommen. Neu auftanken. Wenn wir ins Neue Testament sehen, dann entdecken wir auch eine Brunnengeschichte. Die Frau am Jakobsbrunnen. Ihr geht es genauso wie Mose. Ihr Leben war kaputt. Sie hatte eine tiefe Sehnsucht nach Liebe, nach Glück. Und sie suchte das in Liebesbeziehungen, sie suchte das bei Männern. 5 Männer schon hatte sie gehabt, und wurde immer einsamer. Sie traute sich nur noch in der größten Mittagshitze zum Brunnen, wo sie keinen trifft. Und genau dann trifft sie Jesus, der am Brunnen auf sie wartet. Und auf einmal spürt sie: Da ist jemand, der meinen Durst stillt. Da, bei Jesus – und nur bei Jesus – ist die Quelle des Lebens!

Mose brauchte auch eine Auszeit. Es wurde ein lange Auszeit in der Wüste. Aber es war nicht das Aus.

Wir wollen an dieser Stelle einmal hören, wie so eine Auszeit auch in unserer Zeit, in unserm Leben, in unserm Alltag passieren kann. So etwas sucht man sich nicht aus. Aber der leere Tank kann eine Chance werden. Monika Wiegel berichtet nun etwas aus ihrem Leben.

[Zeugnis von Monika]

Wie geht es mit Mose weiter? Statt sein Volk zu befreien, hilft er erst mal einigen Mädchen am Brunnen. Er steht ihnen bei gegen fremden Hirten, er tränkt ihre Schafe. Es waren sieben Töchter eines midianitischen Priesters. Eine von ihnen, Zippora, heiratet er, und da bleibt er erst mal. Als Schafhirte. In der Fremde. Er hat sich mit seinem Schicksal abgefunden, obwohl er tief in sich spürte: Es ist nicht meine eigentliche Bestimmung. Es fühlt sich fremd an. So nennt er seinen Sohn “Gerschom”, d.h. “Fremdling.” Doch auch Gott ist mit ihm noch nicht am Ende. Er hat immer noch seinen Plan mit Mose – auch wenn Mose durch sein Verhalten ihn gründlich kaputtgemacht zu haben schien. Gott schreibt auch auf krummen Linien gerade. Gott kann auch unser Leben zurecht bringen. Und dazu brauchen wir:

 

3) Der echte Sprit: Erfüllt von Gottes Geist

Es folgt die Geschichte einer ganz besonderen Gottesbegegnung.

1 Mose aber hütete die Schafe Jitros, seines Schwiegervaters, des Priesters in Midian, und trieb die Schafe über die Steppe hinaus und kam an den Berg Gottes, den Horeb.
2 Und der Engel des HERRN erschien ihm in einer feurigen Flamme aus dem Dornbusch. Und er sah, dass der Busch im Feuer brannte und doch nicht verzehrt wurde.
3 Da sprach er: Ich will hingehen und die wundersame Erscheinung besehen, warum der Busch nicht verbrennt.
4 Als aber der HERR sah, dass er hinging, um zu sehen, rief Gott ihn aus dem Busch und sprach: Mose, Mose! Er antwortete: Hier bin ich.
5 Gott sprach: Tritt nicht herzu, zieh deine Schuhe von deinen Füßen; denn der Ort, darauf du stehst, ist heiliges Land!

Mose begegnet Gott ganz neu. Nein, vielmehr Gott begegnet Mose ganz neu. Und zwar mitten in der Wüste, einem Land, das man als öde, gottverlassenes Land bezeichnen könnte. Schon das ist ein Zeichen: Es gibt kein Land und keine Lebenssituation, die gottverlassen ist! Und dann ausgerechnet ein Dornbusch. Dornen – von alten Zeiten her ein Zeichen für die Sünde des Menschen. Nach dem Sündenfall von Adam und Eva wurde der Fluch ausgesprochen, dass der Acker Dornen und Disteln hervorbringt. Dornen als Folge der Sünde. Und Jesus bekommt dann die Dornenkrone aufs Haupt gesetzt: Er trägt unsere Sünden und die Folgen unserer Sünden ans Kreuz! Dass Gott dem Mose im Dornbusch begegnet, heißt: Ich werde auch mit deinen Sünden fertig! Es brennt. Doch der Busch selbst wird nicht verzehrt. Wird nicht zerstört. Gott möchte auch uns nicht zerstören. Er hasst die Sünde, aber er liebt den Sünder. Darum ist Christus für uns am Kreuz gestorben. Und es ist spannend zu sehen, wie die Alte Kirche von den ersten Jahrhunderten an diesen brennenden Dornbuch als ein Bild für Jesus Christus gesehen hat. Denn Jesus erlebt das Leiden – wir haben Passionszeit – das ist das Brennen. Wie der Dornbusch brennt. Das Leiden, die Passion, das Sterben am Kreuz – das ist das Brennen. Aber so wie der Busch nicht verbrennt, nicht zerstört wird, so wird auch Christus nicht zerstört, selbst durch den Tod nicht, sondern er lebt. Wie der brennende Dornbusch nicht verbrennt.

Und dann wollen wir uns nahen. Und Mose will sich ihm nahen. Doch halt! Halt! Stopp! Zuvor muss etwas ganz Entscheidendes passieren. Gott ruft dem Mose zu: “Ziehe deine Schuhe aus, denn der Boden, auf dem du stehst, ist heiliges Land!” Zieh deine Schuhe aus! Was heißt das? Das dreckigste Kleidungsstück, staubig, ausgelatscht, ein Symbol für die eigenen Lebenswege, die man so geht, eben auch für die Sünde. Eigene Wege, die man geht, ohne auf Gott zu hören. Das soll er ausziehen. Wenn wir Gott begegnen wollen, wenn wir Jesus begegnen wollen, dann nur über echte Buße, über Vergebung! Nehmen wir diese Geschichte ganz persönlich: Der Ruf Gottes: „Mose, Mose!“ – da könnte mein Name stehen! Dann den Ruf hören und antworten: „Hier bin ich!“ Und dann: „Zieh deine Schuhe aus!“ Lass dein altes Leben hinter dir. Sei bereit, deine ollen Latschen, die dir so bequem erscheinen, auszuziehen.

Und nachdem Mose das getan hat und damit gezeigt hat: Ja, ich bin bereit, neu anzufangen, da bekommt er ein neues Leben geschenkt. Verbunden mit einem neuen Auftrag: Er soll nach Ägypten und das Volk aus der Sklaverei führen. Ein eigentlich unmöglicher Auftrag. Aber davon ein ander Mal mehr. Entscheidend ist, dass Gott ihm sagt: Ich will mit dir sein! Ich bin mit dir! Und das ist sozusagen der neue Sprit für sein Leben. Diese Zusage der Gegenwart Gottes. Dass Gott uns erfüllt! Und seit Pfingsten wissen wir, wie Gott uns erfüllt. Durch seinen heiligen Geist. Das ist der Sprit für unser Leben. Gottes Geist.

Übrigens: Sprit – bei der Gelegenheit, das Wort “Sprit” kommt von “spiritus”. Und das ist lateinisch und heißt: “Geist”. Also: Unser Sprit ist Gottes Geist. Gottes Geist will uns erfüllen. Und Jesus selbst will uns erfüllen. Jesus, der Sieger über Sünde, Tod und Teufel.

Also, ihr Lieben: Was wollen wir in unserem Tank haben?

Den Tiger im Tank? Nein, lieber: den Sieger im Tank!

Amen.