Ora et labora – Bete und arbeite!

Gottesdienst am Sonntag, 01.05.2016

Thema: Ora et labora – Bete und arbeite

Text: Daniel 6, 1-12

Predigt: Pastor Gero Cochlovius

Liebe Gemeinde,

zwei Mönche in einem Kloster. Recht fromme Brüder. Aber sie haben beide ein gemeinsames Laster. Sie rauchen gerne mal eine. Da geht der eine zum Abt und fragt: “Vater, darf ich eigentlich beim Beten rauchen?” Der Abt ist entsetzt: “Mein Sohn! Bist du verrückt? Das Beten ist eine heilige Sache! Beim Beten rauchen? Das gehört sich nicht.” Einige Zeit später trifft er seinen Mönchskollegen, wie er im Kreuzgang während seiner Gebetszeit genüsslich eine qualmt. “He, das darfst du nicht!” sagt er. Darauf der andere: “Doch. Mir hat es der Abt erlaubt!” – “Hä? Wie das? Bei mir…” – “Weißt du, mein Bruder, ‘darf man beim Beten rauchen?’ – da hast du völlig falsch gefragt! Ich habe gefragt: ‘Darf ich beim Rauchen beten?’ – Da hat der Abt geantwortet: ‘Selbstverständlich, mein Lieber, beten darf man, ja, soll man bei allem, was man tut!'”

Beten darf man, ja, soll man bei allem, was man tut. Diese Antwort hat was! Was ist das Gebet? Und wie passen Gebet und Arbeit zusammen? Was kann dieser alte mittelalterliche Wahlspruch “Ora et labora” für unser Leben in moderner Zeit bedeuten?

Eine ganz alte Geschichte der Bibel kann uns dabei leiten. Es ist der Bericht über eine Führungskraft. Einen Menschen in einer absoluten Top-Position im Staat. Einen erfolgreichen Minister. Also einer, der vielleicht sogar das Arbeitspensum einer 80-Stunden-Woche zu bewältigen hatte. Es ist die Geschichte von Daniel. Wie hören als Predigttext aus Daniel 6:

1 Und Darius aus Medien übernahm das (babylonische) Reich, als er zweiundsechzig Jahre alt war.
2 Und es gefiel Darius, über das ganze Königreich hundertundzwanzig Statthalter zu setzen.
3 Über sie setzte er drei Fürsten, von denen einer Daniel war. Ihnen sollten die Statthalter Rechenschaft ablegen, damit der König der Mühe enthoben wäre.
4 Daniel aber übertraf alle Fürsten und Statthalter, denn es war ein überragender Geist in ihm. Darum dachte der König daran, ihn über das ganze Königreich zu setzen.
5 Da trachteten die Fürsten und Statthalter danach, an Daniel etwas zu finden, das gegen das Königreich gerichtet wäre. Aber sie konnten keinen Grund zur Anklage und kein Vergehen finden; denn er war treu, sodass man keine Schuld und kein Vergehen bei ihm finden konnte.
6 Da sprachen die Männer: Wir werden keinen Grund zur Anklage gegen Daniel finden, es sei denn wegen seiner Gottesverehrung.
7 Da kamen die Fürsten und Statthalter eilends vor den König gelaufen und sprachen zu ihm: Der König Darius lebe ewig!
8 Es haben die Fürsten des Königreichs, die Würdenträger, die Statthalter, die Räte und Befehlshaber alle gedacht, es solle ein königlicher Befehl gegeben und ein strenges Gebot erlassen werden, dass jeder, der in dreißig Tagen etwas bitten wird von irgendeinem Gott oder Menschen außer von dir, dem König, allein, zu den Löwen in die Grube geworfen werden soll.
9 Darum, o König, wollest du ein solches Gebot ausgehen lassen und ein Schreiben aufsetzen, das nicht wieder geändert werden darf nach dem Gesetz der Meder und Perser, das unaufhebbar ist.
10 So ließ der König Darius das Schreiben und das Gebot aufsetzen.
11 Als nun Daniel erfuhr, dass ein solches Gebot ergangen war, ging er hinein in sein Haus. Er hatte aber an seinem Obergemach offene Fenster nach Jerusalem, und er fiel dreimal am Tag auf seine Knie, betete, lobte und dankte seinem Gott, wie er es auch vorher zu tun pflegte.
12 Da kamen jene Männer eilends gelaufen und fanden Daniel, wie er betete und flehte vor seinem Gott.

Wie die Geschichte weitergeht, ist vielen bekannt. Daniel wird verhaftet und tatsächlich in die Löwengrube geworfen, wo er wunderbar bewahrt wird.

Aber worauf es mir heute Morgen ankommt, ist nicht die Raubtierfütterung. Vielmehr ist Daniel ein Beispiel für “Bete und arbeite” – “Ora et labora.”

Aber es ist schon erstaunlich, welch hohe Priorität das Gebet für diesen Daniel hat. Es ist für ihn so wichtig, dass er dafür sein Leben aufs Spiel setzt. Angenommen, der König Darius hätte nicht sofort das Urteil vollstrecken lassen, sondern erst mal einen Untersuchungsausschuss eingesetzt. Die hätte den Fall gründlich analysiert. Und dabei kommen immer die klassischen W-Fragen zum Einsatz: Warum, wie, wohin, was, wozu, wo, wie oft usw. Ich möchte heute Mal ein paar dieser W-Fragen aufgreifen und dem Fall “Beten” nachspüren. Vor allem dem “Warum”

 

1) Beten – warum?

Komische Frage in einer Kirche. Warum beten? Na ja, darüber denkt man doch gar nicht nach. Das ist doch was Selbstverständliches. Beten gehört doch wohl zum Glauben dazu. Aber wenn man nachdenkt, dann fallen schon ein paar Fragen ein. Warum eigentlich beten, wenn Gott ohnehin alles weiß? Warum eigentlich beten, wenn so oft Gebet nicht erhört werden, weil Gottes Plan irgendwie anders ist? Warum eigentlich beten, wenn in dieser Zeit so viel Arbeit auf mich wartet, die dann liegen bleibt? Ich denke, es ist schon lohnend und ermutigend, darüber nachzudenken: Beten – warum?

 

Beten, weil es eine Kraftquelle ist.

Eins ist jedenfalls deutlich – und gerade in unserer Zeit nicht zu übersehen: Wer sich nur von der Arbeit treiben lässt, wer im Hamsterrad der Arbeit und des Stresses hetzt, und wer keine Zeiten zum Innehalten und zur Besinnung findet – der geht kaputt. Davon kann so mancher psychologische Psychotherapeut ein Lied singen, wenn er sich die langen Warteschlangen und Wartezeiten vor seiner Praxis anschaut. Der Dichter Eugen Roth hat es wunderschön auf den Punkt gebracht:

“Ein Mensch sagt – und ist stolz darauf:
Ich geh in meiner Arbeit auf!
Doch bald darauf – nicht ganz so munter
– geht er in seiner Arbeit unter!”

So soll es nicht sein. Aber was hat das Gebet damit zu tun? Einer, der auch wahrlich viel Stress hatte, war Martin Luther. Wenn wir im nächsten Jahr das große Luther- und Reformationsjubiläum feiern, werden wir ihn sicher ein wenig tiefer kennen lernen. Aber bei aller Arbeit war das Gebet seine Kraftquelle, sein Ruhepol, der Grund für seine Gelassenheit.

Er sagte gelegentlich: “Heute habe ich viel zu tun, darum muss ich heute viel beten.” Und das Gebet machte ihn frei, auch mal dringende Arbeiten liegen zu lassen, wenn er merkte, dass die Arbeit ihn aufzufressen drohte. Einmal schrieb er seiner Frau Katharina: „Liebe Katharina, nach einem langen Tag sitze ich bei einem Maß Bier und denke mir, der liebe Gott wird es schon machen!” Diese gesunde Gelassenheit wurzelt im Gebet.

Luther betet, wenn er Stress hat. Denn er weiß, damit gewinnt er sogar noch Zeit! Wer betet, bekommt Abstand zu den Dingen, sieht sie mit anderen Augen. Und erkennt, wie viele von des Tages Mühen es eigentlich gar nicht verdient haben, so wichtig genommen zu werden.

 

Beten, weil es Ausdruck einer Liebesbeziehung ist

Schauen wir zurück auf Daniel. Und da sehen wir, dass für er seinen Glauben als Liebesbeziehung zu Gott lebte. Er wusste sich von Gott geliebt, und er liebte seinerseits Gott. In Daniel 9 können wir ein wunderbares großes Gebet von ihm lesen, in dem er immer wieder die Güte und Barmherzigkeit und Vergebung Gottes preist: Denn wir liegen vor dir mit unserm Gebet und vertrauen nicht auf unsre Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit.

Ach Herr, höre! Ach Herr, sei gnädig! Ach Herr, merk auf! (Daniel 9,18f)

Und mitten in diesem Gebet hat er auf einmal eine Vision. Er sieht, wie der Engel Gabriel zu ihm kommt. Und dann berichtet Daniel davon: ” eben als ich noch so redete in meinem Gebet, da flog der Mann Gabriel, den ich zuvor im Gesicht gesehen hatte, um die Zeit des Abendopfers dicht an mich heran.

22 Und er unterwies mich und redete mit mir und sprach: Daniel, jetzt bin ich ausgegangen, um dir zum rechten Verständnis zu verhelfen.
23 Denn als du anfingst zu beten, erging ein Wort, und ich komme, um dir’s kundzutun; denn du bist von Gott geliebt. So merke nun auf das Wort!

Jede Liebesbeziehung lebt vom Gespräch. Das ist wohl der wichtigste Grund. Der Glaube – die Liebesbeziehung zu Gott – bleibt nur frisch, wenn er durchs Gespräch, d.h. Gebet gepflegt wird. Und das Bibellesen gehört dazu: “Merke nun auf das Wort” – sagt der Engel. Das Wort Gottes ist damit gemeint. Für uns ist es die Bibel. Beten und Bibel gehört zusammen. Und beides ist Ausdruck einer Liebesbeziehung zu Gott und zu Jesus Christus.

Aber es gibt noch weitere Gründe.

 

Beten, weil Gott es uns selbst geboten hat.

Die Bibel ist voll von Aufforderungen, Gott anzurufen. Und Martin Luther weist auf ein tiefes Geheimnis dieses Gebietens hin: Wenn wir nur aus eigener Idee und Bedürfnis beten würden, dann könnten leicht Zweifel kommen: Ach, bin ich überhaupt würdig genug? Wird Gott mich hören? Oder: Ach, wenn, ich nicht bete, dann tun es ja genug andere. Aber, weil Gott selber es uns geboten hat, sind wir bevollmächtigt zum Gebet! Es kommt überhaupt nicht drauf an, wie wir uns gerade fühlen, ob wir gut drauf sind oder nicht, nein, wir dürfen beten, weil Gott uns selber dazu beauftragt hat. Das verleiht unserem Gebet eine ungeheure Würde! Wenn wir beten, gehorchen wir Gott.

 

Beten, weil es Verheißung hat.

Gott verspricht, Gebet zu erhören! Er verheißt: „Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten.“ oder: „Bittet, so wird euch gegeben.“ Freilich liegt hier ein großes Problem. Was ist, wenn unser Gebet nicht erhört wird? Der bekannte Chinamissionar Hudson Taylor hat einmal gesagt: „Wenn Gott meine Gebete nicht so erhört, wie ich es mir wünsche, dann so, wie es besser für mich ist.“ Allerdings können wir Gott trotzdem manchmal nicht verstehen. Und manchmal besteht das Gebet dann schlicht in einem Klageschrei: “Gott, ich verstehe dich nicht! Was soll das? Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?” Aber eben dennoch: Beten! Und auch dieses Gebet hat Verheißung: Gott hört dich. Gott ist bei dir in der Not und will dich erretten.

Und weiter: Gebet zeigt, dass ich ganz auf Gott angewiesen bin. Darum:

 

Beten, weil es das Vertrauen stärkt.

Und das ist nichts anderes als Glaube. Für Gott ist nichts zu groß und nichts zu klein! Viele von Ihnen kennen die kleinen Rabenau-Comics in den Schaumburger Nachrichten. Auf einem sieht man diesen Rabenau-Kerl, wie er im Bett liegt und betet: “Lieber Gott! Ich bete nicht für mich. Ich bete für meine Mutter. Könntest du bitte machen, dass sie eine wunderschöne Schwiegertochter bekommt!”

Wer betet, macht damit deutlich, dass er das Gute seines Lebens nicht sich selbst zu verdanken hat und dass er bei dem Schweren seines Lebens nicht sich selbst vertraut. Dieses Vertrauen entwickeln wir nicht aus uns selbst heraus. Wir lesen eine sehr interessante Bemerkung bei Daniel in V. 4, die uns auf ein Geheimnis hinweist:

Daniel aber übertraf alle Fürsten und Statthalter, denn es war ein überragender Geist in ihm.

Das klingt erst mal so, als ob der einfach ein Pfiffikus mit einem extrem hohen IQ war. Doch das ist mitnichten gemeint, obwohl er sicher auch nicht der Dümmste war. Aber es geht um was anderes. “Ein überragender Geist” – im Urtext steht da: “ein besonderer, ein außergewöhnlicher, ein übernatürlicher Geist”. Wenn wir die Bibel in Gesamtschau sehen, wird deutlich: Es ist der Heilige Geist, der in ihm wohnt. Und der macht, dass Daniel anders ist als andere. Dass Daniel Ausstrahlung hat. Dass Daniel treu und pflichtbewusst war (V. 5: “denn er war treu”). Gottes Geist möchte auch uns gestalten und verändern. Und er möchte uns auch helfen, im Beruf, in der Arbeitswelt, in der Familie nach Gottes Willen zu leben. Treu zu sein. Und durch das Gebet wird die Verbindung zu Gott gestärkt, und damit gewinnt der Heilige Geist mehr und mehr Raum in uns und Einfluss.

 

Soweit einige Aspekte zur Frage: Beten – warum?

 

Doch nun noch kurz ein paar weitere W-Fragen:

 

2) Beten – wie?

Man fragt sich: Warum hat er denn nicht einfach heimlich gebetet? Warum hat er nicht in seinem Herzen gebetet? Sicher hört Gott das Gebet des Herzens genauso. Aber Daniel hatte für das Gebet feste Gewohnheiten entwickelt, eine Regelmäßigkeit, morgens, mittags, abends: “und er fiel dreimal am Tag auf seine Knie, betete, lobte und dankte seinem Gott, wie er es auch vorher zu tun pflegte.” Und er sah keinen Grund, wegen des Gebots des Königs diese gute Gewohnheit über Bord zu werfen. Wir sind heute oft etwas skeptisch gegenüber Gewohnheiten. Wir sehen darin sehr schnell leere Traditionen oder Rituale. Aber gute Gewohnheiten sind etwas Wertvolles. Und gerade Gebet ist so etwas, für das man sich ruhig auch feste Zeiten einplanen sollte. Dann entgeht man der Falle, dass man nur betet, wenn einem gerade danach ist, wenn man gerade Lust dazu hat. Jemand hat mal treffend gesagt: “Was nicht regelmäßig geschieht, geschieht in der Regel mäßig.” Mit Sicherheit hat Daniel auch sonst über den Tag gebetet, in seinem Herzen, ein Stoßgebet in schwierigen Lagen oder ein kurzer Dank bei Gelingen. Aber zusätzlich gab es dann diese drei Gebetszeiten am Tag. Und das ist übrigens genau das, was uns unsere Glocken hier in der Martins-Kirche lehren. Sie läuten seit Jahrhunderten dreimal täglich zum Gebet. Morgens um 8, mittags um 12, abends um 6. Und das ist so gut: Morgens den Tag Gott anbefehlen – mit allem, was mir Sorgen macht, mit allen Herausforderungen und Terminen. Mit Gebet den Tag beginnen. Bete und arbeite – eben auch in dieser Reihenfolge. Dann am Mittag: innehalten, durchatmen, auftanken bei Gott. Und am Abend das Tagwerk bei Gott ablegen. Um Vergebung bitten, wo ich versagt habe, ihm danken, wo etwas gelungen ist.

Und noch eine W-Frage:

 

3) Beten – wohin?

Daniel betet zum lebendigen Gott. Beten ist keine Selbstmeditation, kein Selbstgespräch. Das ist auch ein fundamentaler Unterschied zu diesen fernöstlichen Meditationsritualen oder esoterischen Übungen. Da kann man zwar äußerlich ruhig werden, aber man ist auf sich selbst fixiert. Das ist kein Gebet! Gebet wendet sich an ein Gegenüber, an den lebendigen Gott! An den Gott, der alles in seiner Hand hat: das ganze Weltgeschehen und auch mein persönliches Lebensschicksal. Das schenkt Gelassenheit und Geborgenheit.

Und dann wird bei Daniel noch etwas Seltsames erwähnt: “Er hatte aber an seinem Obergemach offene Fenster nach Jerusalem” (V.11). Daniel wendet sich nicht einfach – wie man meinen könnte – zum Himmel, wo wir ja normalerweise Gott ansiedeln. Nein, er ist nach Jerusalem orientiert. Obwohl er doch weiß, dass Gott auch in Babylon ist, ja, überall auf der Welt. Jerusalem bedeutet aber: Dort ist der Ort, wo Gott sich offenbart hat! In Israel, im Gottesvolk, da hat es Gott gefallen, sich den Menschen zu offenbaren. Denn Gott ist ein Gott, der in Raum und Zeit tritt, der in die Geschichte eintritt. Darum ist “Jerusalem” auch einfach ein Symbol dafür, dass Gott in unser Weltgeschehen eingreift und darum Gebet wirklich etwas bewirken können.

Und schließlich: für uns Christen ist Jerusalem natürlich auch der Ort, wo Gottes Eingreifen in die Geschichte besonders greifbar wurde, als Jesus Christus – der Sohn Gottes – für uns am Kreuz gestorben und wieder auferstanden ist. Wenn Daniel in Richtung Jerusalem betet, dann kann das für uns ein Fingerzeig sein: Bete in Richtung Jesus! So wie wir zu Gott, dem Vater beten dürfen, dürfen wir auch zu Jesus Christus, dem Sohn Gottes, unserem Heiland.

 

4) Beten – was?

Wir haben in der Epistellesung gehört, welche Bestandteile Paulus für das Gebet empfiehlt: Bitte, Gebet (= Anbetung, Lob), Fürbitte und Danksagung. (1. Timotheus 2,1).

Wir finden die gleichen Inhalte im Gebet von Daniel:

“und er fiel dreimal am Tag auf seine Knie, betete (das meint Bitte und Fürbitte), lobte und dankte seinem Gott”.

Die Bitte – da geht es um meine persönlichen Anliegen, die ich vor Gott bringe. Für Martin Luther war es der allerwichtigste Aspekt des Gebets, weil dabei deutlich wird, dass wir Gott brauchen, dass wir nicht selber alles im Griff haben. Dann die Fürbitte: Dass wir eben nicht nur an uns selbst denken, sondern auch die Not anderer Menschen sehen. Und wer für andere Menschen bittet, wird auch nicht tatenlos bleiben. Er wird dann zupacken und anpacken, damit die Not sich wandelt. Und darum wollen wir uns auch als Gemeinde einsetzen für Menschen in Not, für Gerechtigkeit, für Flüchtlinge, die zu uns kommen und unsere Hilfe brauchen…

“Christsein wird in Zukunft in Zweierlei bestehen: Im Beten und im Tun des Gerechten.” (Dietrich Bonhoeffer)

Im Lob preisen wir Gott für das, was er ist und wie er ist. Für seine Größe, seine Barmherzigkeit, seine Schöpfung. Und im Dank danken wir für das, was er tut. Für das, was wir persönlich in unserm Leben von Gott erfahren.

Wer betet, hat im Gebet eine Kraftquelle, die sich auswirkt in die Arbeit und in das Tun hinein.

Bete und arbeite!

Das Gebet ersetzt keine notwendige Tat! Doch das Gebet ist eine Tat, die durch nichts zu ersetzen ist.

Ich schließe noch einmal mit unserem mittelalterlichen Motto für heute, dem 1. Mai, dem Tag der Arbeit und dem Tag des Gebets (Sonntag Rogate): Ora et labora. Wenige wissen, dass der Spruch noch wunderbar weitergeht: Ora et labora. Deus adest sine mora („Bete und arbeite, Gott hilft ohne Verzug“).

Amen