Kreuz-Wort-Rätsel

Gottesdienst am Sonntag, 26.06.2016

Thema: Kreuz-Wort-Rätsel

Text: 1. Korinther1,18-30

Predigt: Pastor Gero Cochlovius

Liebe Gemeinde,

Im Reisebüro klingelt das Telefon. “Haben Sie Reisen nach Ägypten?” – “Ja.” – “Welche Ferienorte bieten Sie an?” – “Alexandria, Damanhur, Kairo…”
“Damanhur? Klingt gut. Das passt.” – “Und wann möchten Sie da hinreisen?” – “Gar nicht. Ich brauchte nur den Ortsnamen fürs Kreuzworträtsel. ”

Das ist schon manchmal verrückt mit diesen Kreuzworträtseln. Man sucht das passende Wort. Doch es ist schwierig. Eben ein Rätsel.

Im Glauben ist auch nicht alles einfach. Manches erscheint uns wie ein Rätsel. Und doch sind wir auf der Suche nach der Lösung. Paulus bietet uns heute Morgen das Lösungswort an. Für das Rätsel vom “Wort vom Kreuz”. Es ist sein “Kreuzworträtsel”. Wir wollen ihm auf die Spur kommen.

Aber Paulus, wir haben hier schon so oft über das Kreuz Jesu nachgedacht! Bei jeder Karfreitagspredigt und auch sonst nicht selten. Warum schon wieder das Kreuz? Es ist doch wirklich ein Kreuz mit dem Kreuz!

Ja, sagt Paulus, ich kann euch verstehen. Das Wort vom Kreuz ist unbequem und hart. Es durchkreuzt unser menschliches Denken. Und dennoch: Es gibt nichts anderes!

Einspruch, lieber Paulus! Es gibt doch so viel andere Themen im Glauben! Themen, die erbaulich, hilfreich, wohltuend sind. Gerade letzten Sonntag erst haben wir das schöne Thema “Auszeit” gehabt. Da ging es darum, wie wichtig es, ist Ruhe zu finden und aufzutanken an Leib, Geist und Seele. Dass Gott uns eine Atempause gönnt. Ja, dass er uns auch richtig Urlaub gönnt! Und uns seinen Sabbat schenkt.

Ja, natürlich, du hast Recht. Aber…

Kein “Aber”, Paulus! Wir müssen doch den Horizont mal ein bisschen weiten. Es gibt so viele schöne und wichtige Themen für uns als Christen. Das Thema Gemeinschaft! Das Thema Gerechtigkeit und Frieden in der Welt. Das Thema Bewahrung der Schöpfung. Zweifel. Sorgen. Freude. Dank. Anbetung. Ehe, Familie, Sexualität. Gentechnik. Abtreibung. Genderwahn. Und nicht zu vergessen die aktuellen Themen: Gott und die Flüchtlingskrise. Und vor allem: Was sagt Jesus zum Brexit? Und – für manch einen noch wichtiger: Was sagt die Bibel zum heutigen Achtelfinalspiel der Deutschen bei der EM? Also, was sagst du nun, Paulus? Bleibst du immer noch bei deiner Aussage: “Es gibt nichts anderes zu sagen als das Wort vom Kreuz”?

Ja. Und ich will noch eins drauf legen. Ich habe es in meinem ersten Brief an die Korinther sogar so zugespitzt formuliert: “Ich hielt es für richtig, unter euch nichts zu wissen als allein Jesus Christus, den Gekreuzigten!” (1. Kor. 2,2)

Aber was ist mit all den anderen Themen? Ist das nicht eine völlige Engführung – immer nur das Kreuz?

Nein, ich meine es so: Auch die meisten der anderen Themen sind durchaus wichtig.

Paulus, du sprichst in Rätseln…

Vielleicht. Aber ich bin überzeugt, dass wir als Christen zu den meisten dieser Themen Gutes und Wichtiges zu sagen haben. Aber die Grundlage von allem, das Zentrum, das Herzstück bleibt das Wort vom Kreuz. Unser ganzes Denken muss davon durchdrungen sein.

Wie meinst du das? Paulus, vielleicht kannst du uns beim Lösen deines Kreuz-Wort-Rätsels helfen?

Ich will’s versuchen.

Erste Frage: Was bedeutet der gekreuzigte Christus für Menschen, die nicht daran glauben? Wort mit 7 Buchstaben.

Nun, diese Menschen, und ich meine nicht die mit einem jüdischen Glaubenshintergrund, sondern eher meine griechisch-römische Umwelt, aber für eure Zeit passt das auch ganz gut, sie halten die Botschaft von einem gekreuzigten Christus für eine “Dummheit”. Sind allerdings 8 Buchstaben.

Macht nichts: Nehmen wir Luthers Wort dafür: “Torheit”, das passt. In deinem Brief schreibst du aber nicht nur, dass die Nichtgläubigen das Wort vom Kreuz für eine Torheit halten, sondern dass im Gegenzug Gott auch ihre Weisheit “zur Torheit gemacht hat”. Sehr rätselhaft:

19 Denn es steht geschrieben (Jesaja 29,14): »Ich will zunichte machen die Weisheit der Weisen, und den Verstand der Verständigen will ich verwerfen.«
20 Wo sind die Klugen? Wo sind die Schriftgelehrten? Wo sind die Weisen dieser Welt? Hat nicht Gott die Weisheit der Welt zur Torheit gemacht?

Sagst du damit allen Ernstes: Menschen, die nicht glauben, sind Dummköpfe?! Ist das nicht arg diskriminierend?

Also, ich habe nicht gesagt: Diese Menschen sind Dummköpfe. Ich gehe auch mit Andersgläubigen oder Nichtgläubigen respektvoll um. Aber ich habe gesagt: Die ganze Weisheit, auf die Menschen sich so viel einbilden, und alle Wissenschaft und alle Erkenntnis und alle Klugheit und alle Philosophie, die bringen uns vor Gott nicht weit. Damit können wir zwar zu Experten bei allen möglichen irdischen Themen werden, aber für die Dinge des Himmels hilft uns das nicht weiter. Sich mit menschlicher Weisheit den Himmel auftun zu wollen – das ist in Gottes Augen Dummheit, Torheit.

Das erinnert mich an einen unsrer Liederdichter, Matthias Claudius, der dichtet bei “Der Mond ist aufgegangen”: “Wir stolzen Menschenkinder / sind eitel arme Sünder / und wissen gar nicht viel. / Wir spinnen Luftgespinste / und suchen viele Künste / und kommen weiter von dem Ziel.” Wir erforschen die kleinsten Elementarteilchen, Quarks, Leptonen und Higgsteilchen. Wir können Gravitationswellen nachweisen und dringen in die unermesslichen Weiten des Weltalls vor. Und doch: Je weiter unser Wissen wächst, desto weiter entfernen wir uns von Gott. Je reicher wir an Wissen werden, desto ärmer werden wir an Liebe und Menschlichkeit. Aber dass Gott, der Schöpfer des Universums, in seinem Sohn Jesus Christus zu uns Menschen kommt, und dass dieser Sohn Gottes wie ein Verbrecher am Kreuz hingerichtet wird, das kann man doch nicht verstehen, Paulus!

Ja, genau! Richtig! Bingo! Du hast es auf den Punkt gebracht: Das kann man nicht verstehen! Weil unser Verstand nicht dafür gemacht ist.

Das erinnert mich an eine Begebenheit vor kurzem: Wir suchen schon länger einen bestimmten Zimmerschlüssel in der Wohnung. Hat sicher eins unserer Kinder versteckt oder mal in einen Mülleimer geworfen. Da kommt unsere Christina anspaziert und sagt ganz stolz: Ich hab den Schlüssel gefunden! Und hält uns einen Schlüssel vor die Nase. Wunderbar! — Nur war es leider der falsche Schlüssel – ein Schrankschlüssel und nicht der Schlüssel für die Zimmertür. Und genauso ist es mit unserm Verstand, unserer menschlichen Vernunft: Sie ist eine wunderbare Gabe des Schöpfers. Und sie schließt uns so viel Wissen auf! Aber sie ist nicht der passende Schlüssel, um die Dinge des Glaubens zu verstehen! Schon oft hab ich in Gesprächen ungefähr folgende Worte gehört: “Ach, Herr Pastor, nehmen Sie’s mir nicht übel. Mit Glauben hab ich es nicht so. Ich komm’ eher von der wissenschaftlichen Sicht her.” Als ob das ein Widerspruch wäre! Es sind doch einfach zwei unterschiedliche Schlüssel für unterschiedliche Fragestellungen. Nehmen wir als Beispiel die Schöpfung: Die Wissenschaft nimmt den Wie-Schlüssel (ob er gerade bei diesem Thema immer so passt, ist eine andere Frage!). Aber die Frage ist: Wie funktioniert die Welt? Wie funktioniert das Leben? Der Glaube dagegen hat den Warum- und den Wozu-Schlüssel: Warum ist überhaupt etwas da? Warum bin ich auf der Welt? Wozu lebe ich? Was ist der Sinn? Darauf kann mir kein Naturwissenschaftler eine Antwort geben. Sondern: Weil Gott es wollte! Weil Gott mir aus lauter Liebe das Leben geschenkt hat! Weil Gott eine Beziehung mit mir möchte, und mir helfen will eine gelingende Beziehung zu ihm, zu mir selbst und zu andern zu finden. Es kommt auf den richtigen Schlüssel an!

Und beim Kreuz ist das erst recht so. Der Schlüssel der Vernunft passt da überhaupt nicht! Die Vernunft sagt nur: So ein Quatsch! Ein Gottessohn, der am Kreuz stirbt? Und dann auch noch für die Sünde anderer Menschen? Wie verrückt ist das denn!

Weißt du was, Paulus, je mehr ich so darüber nachdenke, werde ich sogar froh darüber: Der gekreuzigte Gottessohn ist so gegen die menschliche Vernunft, dass das auch keine menschliche Erfindung sein kann. Der Kirchenvater Tertullian hat es um 200 n. Chr. so formuliert: “Credo quia absurdum est.” “Ich glaube, weil es absurd ist.” Nicht: obwohl es absurd ist, sondern: gerade weil es absurd ist. Das bedeutet aber auch: Wir können den Glauben nicht erlernen wie Wissen aus einem Lexikon. Glaube ist ein Geschenk. Und ein Wagnis.

Da war unser Daniel irgendwie auf den hohen Kleiderschrank geklettert. Und dann saß er da oben und jammerte und kam nicht mehr allein runter. Er rief um Hilfe, und ich kam hin und sagte: “Spring, ich fang dich auf!” Ein klein bisschen Zögern, dann aber das Vertrauen, der Sprung. In Papas geöffnete Arme. Papa fängt ihn auf. Das ist Glaube: Spring! Auch wenn nicht alles von Gott und Jesus in deine 3 Pfund graue Gehirnmasse reingeht. Du musst nicht alles verstehen. Und auch wenn andere dich verspotten als “dummen Esel” und “von vorgestern”. Es ist letztlich die wahre, die tiefere Weisheit.

Im Jahr 1856 machten Archäologen auf dem Hügel Palatin in Rom eine sowohl seltsame als auch sensationelle Entdeckung. Sie stießen bei Ausgrabungen eines ehemaligen Wachlokals für Soldaten auf eine Kritzelei an einer Wand, ein Graffiti, das wohl mit einem Messer in den Wandverputz eingeritzt worden war. Und sie erkannten eine Kreuzesdarstellung aus dem zweiten Jahrhundert, fast deine Zeit, Paulus.

GraffitiNoch mehr staunten sie, als sie bemerkten, dass die Figur am Kreuz mit einem Eselskopf dargestellt ist. Daneben steht ein junger Mann, der zum Gekreuzigten mit dem Eselskopf aufblickt und grüßend, betend die Hand zu ihm erhebt. Darunter steht mit ungelenken Buchstaben in griechischer Sprache geschrieben: „Alexamenos sebete theon“, zu deutsch: „Alexamenos betet (seinen) Gott an“. Diese in Stein geritzte Karikatur, dieses „Spottkreuz“, ist die älteste bildliche Darstellung des Gekreuzigten, die wir kennen! Ist das nicht bezeichnend für Jesus: Das älteste Bild – eine Verspottung, eine Demütigung. Das hält Jesus aus…

Für Menschen, die sich ihre Götter als kraftvoll, mächtig, stolz und unbesiegbar vorstellten, war der Gottessohn, an den die Christen glaubten, blanker Unsinn, eine Eselei, eine Zumutung, eine Figur, über die man mitsamt ihren Verehrern nur spotten konnte, eben eine Torheit! Ein Gott, der sich kreuzigen lässt: was für ein Esel! Und noch ein größerer Esel, wer an einen solchen Gott glaubt!

Mit diesem Graffiti sollte der Glaube des Alexamenos, der Glaube der Christen, lächerlich gemacht werden. Christus am Kreuz, was für ein lächerlicher Gott, total schwach und ohnmächtig, ein „Esel“ eben. So sahen es wohl die schlauen Leute damals. Und heute.

Und wie haben die Juden auf die Botschaft des gekreuzigten Christus reagiert, Paulus?

Während es für die gelehrte griechisch-römische Welt eher eine Torheit war, so etwas zu glauben, war es für die Juden ein Ärgernis. Wir haben dafür das Wort “Skandalon”.

Ja, das kennen wir auch: Ein Skandal! Etwas wirklich Anstößiges. Warum?

Nun, da gibt es eine Schriftstelle aus dem Alten Testament. Dort heißt es: “Ein am Holz Aufgehängter ist verflucht bei Gott.” (5. Mose 21,23) Juden verstanden den Tod am Kreuz als größte Schmach und Entwürdigung, als Zeichen der Gottverlassenheit, als Strafe Gottes. Und wie kann ein von Gott gestrafter und verfluchter Mensch zugleich der Gerechte, der Sohn Gottes sein? Das bedeutete doch Gotteslästerung! Und doch: Genau das ist das Geheimnis: Ja, am Kreuz zu hängen bedeutet verflucht sein! Aber Jesus nahm den Fluch nicht seiner eigenen Sünde auf sich – er war ohne Sünde – sondern den Fluch der Sünde aller Menschen! Stellvertretend für uns. Und das ist für viele ein Skandalon – ein Ärgernis.

Auch heute ist das Kreuz für viele Menschen ein Skandal: Etwa für Moslems. Sie verehren Jesus als großen Propheten. Aber nach der Lehre des Islam ist Jesus niemals am Kreuz gestorben! Das war ein anderer. Eine Verwechslung. Da ist ein anderer Mensch für Jesus gestorben. Und wir glauben: Jesus ist für andere Menschen gestorben. Was für ein Unterschied! Schon allein deshalb kann man doch nicht behaupten und so tun – wie es heute sogar in manchen kirchlichen Kreisen geschieht – , als ob Moslems und Christen letztlich an denselben Gott glauben, es letztlich doch derselbe Glaube ist und nur der Ritus unterschiedlich ist. Ich halte das für Unsinn! Das können die Moslems so auch nicht sehen. Und das empfinden viele von ihnen auch nicht gerade als respektvoll. Nein, es ist wichtig, dem andersgläubigen Menschen in Liebe und Respekt zu begegnen, aber dann auch über Unterschiede zu reden und zu fragen: Wo ist die Wahrheit? Oder vielmehr: Wer ist die Wahrheit? Vor ein paar Wochen konnte man in der Zeitung lesen: “Konflikt ums Kreuz: Muslim hängt christliches Symbol im Krankenzimmer ab” Da hatte ein überzeugter Moslem im katholischen Mathildenkrankenhaus von Herford einfach mal – schwupps – das Kreuz im Krankenzimmer seiner Frau abmontiert. Denn es ist in seinen Augen ein Ärgernis, ein Skandal!

Auch Immanuel Kant, der große Philosoph aus Königsberg, hat in dem Gedanken, dass Jesus stellvertretend die Strafe für unsere Sünde auf sich nahm, ein großes Ärgernis gesehen und als zutiefst unmoralisch verworfen. Jeder muss doch selber sein Leben in Ordnung bringen, auch vor Gott! Doch da täuscht sich der große Denker. Wir brauchen das Kreuz! Paulus, vielleicht kannst du uns nun noch ein bisschen schildern, warum das Wort vom Kreuz für uns Christen so wichtig ist – und zwar nicht nur in dem Satz, dass Jesus für unsere Sünden gestorben ist, was wir ja alle längst schon wissen -, sondern auch für unsern Glaubensalltag, für unser Leben.

Ich habe gesagt: Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist’s eine Gotteskraft. (V.18)

Also, habt ihr gehört: Eine Kraft Gottes! Das ist nicht blanke Theorie. Warum ist das Wort vom Kreuz eine Kraft?

  1. Es ist die Kraft, die den Tod durchkreuzt! Bis zum Kreuz Jesu galt: Nichts ist so sicher wie der Tod. Doch seit Jesus am Kreuz gestorben ist, und dann aber der Tod ihn nicht festhalten konnte, gilt: Nichts ist so sicher wie das Leben – für den, der an Jesus glaubt. Das meine ich mit “selig werden”. Es ist die Kraft, die uns zu Gott bringt. Und wenn die Krankheit dir mit dem Tod droht – dann sei frech und drohe dem Tod mit dem Leben, mit der Ewigkeit: Jesus ist stärker!
  2. Es ist die Kraft, die unsere Ohnmacht durchkreuzt, die uns tröstet, wenn wir Gott angesichts von unermesslichem Leid nicht verstehen. So wenig, wie wir das Kreuz verstehen können – und auch nicht verstehen müssen -, so wenig können wir oft verstehen, warum Gott so viel Leid zulässt, in dieser Welt und manchmal in unserm Leben oder im Leben von unsern Lieben. Aber wir brauchen es auch nicht verstehen. Wir dürfen uns an den klammern, der mit uns und für uns gelitten hat. Durch das Kreuz ist uns Jesus im Leid ganz nah.
  3. Es ist die Kraft, die alles Leistungsdenken durchkreuzt. Wenn Gottes Sohn, der mächtige König, es aushält, nach den Maßstäben dieser Welt schwach, hilflos, verspottet, hässlich, armselig, krank und leidend zu sein, dann bedeutet es ja: Bei Gott kommt es nicht darauf an, dass wir in dieser Welt zu den strahlenden Siegern gehören, zu den Starken und Gesunden, Klugen und Schönen, Reichen und Erfolgreichen, Mächtigen und Angesehenen zu gehören. Nein! Wir dürfen bei Gott schwach sein. Bei Gott zählen andere Maßstäbe! Darum habe ich euch geschrieben:

26 Seht doch, liebe Brüder, auf eure Berufung. Nicht viele Weise nach dem Fleisch, nicht viele Mächtige, nicht viele Angesehene sind berufen.
27 Sondern was töricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er die Weisen zuschanden mache; und was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er zuschanden mache, was stark ist;
28 und das Geringe vor der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt, das, was nichts ist, damit er zunichte mache, was etwas ist,
29 damit sich kein Mensch vor Gott rühme.

Ja, Paulus, ich verstehe dich: Natürlich ist es toll und wir freuen uns sehr, wenn zur Gemeinde auch Reiche und Angesehene und Erfolgreiche gehören. Und Gott liebt sie genauso! Aber bei Gott sind eben auch die anderen willkommen! Vielleicht ist das der Grund, warum in deiner Zeit, Paulus, so viele Sklaven Christen wurden. Oder heute in Indien bei den Hindus viele aus der untersten Kaste, von den “Unberührbaren” zum Glauben an Christus finden. Weil sie spüren: Gott liebt mich – auch wenn ich kein Ansehen hab. Und bei Gott kommt es nicht auf meine Leistung an.

Im Grunde hat es der Liedermacher Reinhard Mey (ja nicht unbedingt ein Dichter von Glaubensliedern) in einem Lied schön formuliert:

Selig die Abgebrochenen,
Die Verwirrten, die in sich Verkrochenen.
Die Ausgegrenzten, die Gebückten,
Die an die Wand Gedrückten,
Selig sind die Verrückten!

Da werden alle menschlichen Bewertungsmaßstäbe auf den Kopf gestellt. Das macht das Wort vom Kreuz. An diesem Wort vom Kreuz wollen wir festhalten. Wie Alexamenos, der als Eselsanbeter verspottet wurde.

Einige Jahre später übrigens stießen Forscher bei Ausgrabungen in einem benachbarten Raum des gleichen Gebäudes auf den Sockel einer Statue, ein Standbild des Kriegsgottes Mars. Und sie fanden auf dem Sockel mit anderer Handschrift und jetzt in lateinischer Sprache zwei Worte eingeritzt: „Alexamenos fidelis“, zu deutsch: „Alexamenos bleibt treu“. Gemeint ist: „Alexamenos bleibt gläubig“.

Man kann davon ausgehen, dass Alexamenos diese zwei Worte als Antwort auf den Spott seiner Kameraden in den Sockel eingeritzt hat. Der Spott an der Kasernenwand hat ihn nicht davon abgehalten, Jesus zu lieben und zu ehren. Was für die Spötter der Grund für Verachtung war, war für Alexamenos der Grund für Treue und Hingabe.

Nur zwei Worte, aber was für ein Bekenntnis! Welch ein Glaubensmut! Alexamenos, der junge Christ, machte keinen Hehl aus seinem Glauben. Er stand zu Jesus. Er bekannte sich zu Jesus, dem Gekreuzigten. Wer weiß, vielleicht hat Alexamenos dafür sogar den Tod riskiert. Aber er wusste – und das ist wohl das Lösungswort von deinem Kreuz-Wort-Rätsel, lieber Paulus: Das Wort vom Kreuz ist eine Gotteskraft.

Amen.

 

Das Raetsel können sie hier herunterladen.