Herr, er stinkt schon

Gottesdienst am Sonntag, 11.09.2016

Thema: Herr, er stinkt schon

Text: Johannes 11

Predigt: Pastor Gero Cochlovius

 

Liebe Gemeinde,

die Nase ist ein reichlich unterschätztes Sinnesorgan. Und doch ist die Welt der Düfte und Gerüche faszinierend! Ich fand es jedenfalls sehr beeindruckend, dass der Mensch in der Lage ist, etwa 10.000 verschiedene Gerüche zu unterscheiden. So jedenfalls gängige Forschungsmeinung bis 2014. Neuerdings sagen Wissenschaftler: Das Geruchsempfinden ist noch viel feiner: Mehr als eine Billion verschiedener Düfte kann der Geruchssinn des Menschen auseinanderhalten! Und wissen Sie, was die Deutschen am liebsten riechen?

Holz, frisches Gras, Gebäck – und den Sonntagsbraten!

Aber es gibt auch das andere: Gestank, der einem den Atem raubt! Gestank, der den stärksten Seemann umhaut. Ich erinnere mich an meine Schulzeit. Irgendjemand aus unserer Klasse hatte mal eine Stinkbombe mitgebracht – aber ein ganz übles Kaliber! Und der wollte das bei den Typen der Nachbarklasse im Klassenraum platzen lassen. Nur, blöd an der Sache war, dass es irgendwie eine überraschende Raumplanänderung gab und unsere Klasse dann in dem Raum landete. Dumm gelaufen! Dieser entsetzliche Gestank von faulen Eiern war nicht zum Aushalten!

Doch was ist so was gegen den Gestank des Todes! Dieser Geruch von Verwesung, Verfall, Vergänglichkeit, der mehr noch als die Nase das Herz erreicht – der grausam markiert: Es gibt kein Zurück. Das Leben ist zuende. Und widerruflich. So war es bei Lazarus, einem Freund Jesu. Und als Jesus zu seinem Grab wollte, da sagte Marta, Lazarus’ Schwester: Halt! Nein! Lass das! Herr, er stinkt schon; denn er liegt seit vier Tagen… Der Geruch des Todes. Es ist eine ergreifende Geschichte, die uns das Johannesevangelium berichtet. Doch was war vorausgegangen? Das Kapitel 11 des Johannesevangeliums ist sicher eines der gewaltigsten Kapitel der ganzen Bibel. Wir werden ihm in Auszüge etwas nachspüren.

1 Es lag aber einer krank, Lazarus aus Betanien, dem Dorf Marias und ihrer Schwester Marta.
2 Maria aber war es, die den Herrn mit Salböl gesalbt und seine Füße mit ihrem Haar getrocknet hatte. Deren Bruder Lazarus war krank.
3 Da sandten die Schwestern zu Jesus und ließen ihm sagen: Herr, siehe, der, den du lieb hast, liegt krank.

 

1) Der Duft der Freundschaft mit Jesus

“Herr, siehe, der, den du lieb hast, liegt krank…” so ist die Botschaft der beiden Schwestern an Jesus. Was für ein innige, herzliche Verbundenheit kommt in diesen Worten zum Ausdruck. “Den du lieb hast”. Diese 3 Geschwister in Bethanien hatten eine besonders gute Beziehung zu Jesus. Mehrmals war Jesus mit seinen Jüngern Gast in ihrem Haus in Bethanien. Und Maria war es, die kostbares, duftendes Salböl nahm und Jesus die Füße salbte. In Johannes 12 wird diese Begebenheit erzählt: Da nahm Maria ein Pfund Salböl von unverfälschter, kostbarer Narde und salbte die Füße Jesu und trocknete mit ihrem Haar seine Füße; das Haus aber wurde erfüllt vom Duft des Öls.

Und dieses Öl war ein Vermögen wert! Aber es verströmte einen unglaublich wunderbaren Duft. Den Duft von Liebe und Freundschaft. Jesus bedeutete der Maria und ihren Geschwistern mehr als alles andere. Nun müssen wir bedenken, dass die drei nicht die reichsten waren! Sicher, sie hatten ein großes Haus, groß genug um Jesus und seine 12 Jünger zu beherbergen. Das zeugt schon von einem gewissen Wohlstand. Aber ihre Wohngegend, etwa eine halbe Stunde von Jerusalem entfernt Richtung Wüste, war nicht gerade der Speckgürtel von Jerusalem. Bethanien heißt übersetzt: “Armenhausen”. Also: Sie gehören wohl zur Mittelschicht. Und doch: das, was sie haben, geben sie Jesus. Aus Liebe. Ihr Vermögen! Dieses Fläschlein Nardenöl hatte einen Wert von 300 Denaren. Das ist so viel, wie ein einfacher Arbeiter fast in einem ganzen Jahr verdient hat! Sie geben Jesus auch ihren Einsatz, ihre Zeit, ihre Arbeit, ihre Kraft. Denken wir an die Geschichte von Maria und Marta: wo Jesus und die Jünger zu Gast waren, und Marta geschuftet hat, um sie alle zu beköstigen, während Maria zu Jesu Füßen saß und seinen Reden gelauscht hat. Was ist uns Jesus wert? Wie eng ist unsere Freundschaft mit Jesus?

Und nun passiert das Merkwürdige: Ausgerechnet diese engen Freunde Jesu erleben einen schweren Schicksalsschlag. Eine lebensbedrohliche Krankheit, die den Lazarus überfällt. Dass das hier nicht nur irgendeine kleine Sommergrippe war, ist klar. Denn Maria und Marta setzen alles in Bewegung, um Jesus zu erreichen. Und Jesus war rund 2 Tagesreisen entfernt, jenseits des Jordans. Hier ging es um Leben und Tod. Hält die Freundschaft mit Jesus das aus? Wenn plötzlich eine Krankheit ins Leben tritt. Warum lässt Gott das geschehen? Gibt es nicht genug Ungläubige, die krank werden könnten?, hätten die sich fragen können. Warum ausgerechnet die besten Freunde Jesu, warum lässt Gott das Leid ausgerechnet bei seinen Kindern zu? “Es lag aber einer krank, Lazarus aus Bethanien.” (V.1). In diesem schlichten, nüchternen Satz spiegelt sich die Tragik von Tausenden wider. Wie viele liegen krank darnieder, kämpfen mit den Folgen eines Schlaganfalls, eines Unfalls, kämpfen mit Krebs und wissen nicht, was die Zukunft bringen wird! Und wie viele von denen sind Freunde Jesu, Kinder Gottes. Und was tun die Freunde in Bethanien? Das Beste, was sie tun können: Sie wenden sich an Jesus, ihren Freund. Und das ist schon spannend, dass der Name Lazarus auch eine sehr passende Bedeutung hat: Es ist die Abwandlung von hebräisch “Eleasar” und das heißt so viel wie “Gotthilf”. Gibt’s ja auch im Deutschen, diesen Namen “Gotthilf”, ist allerdings etwas aus der Mode gekommen. (Vielleicht bezeichnend für unsere Zeit!). Aber der Name wurde jetzt Programm für die Geschwister: Gott hilf! Jesus, hilf! Jesus, du bist doch unser Freund.

Was ist eigentlich ein Freund?  Das war wohl so ein richtiger Auto-Bastel-Typ, der gesagt hat: “Weißt du, was ein Freund ist? Wenn du unter dem kaputten Auto zum Reparieren liegst und du brauchst einen 13er-Schlüssel und dann streckst du die Hand aus und sagst nix, und schon legt dir dein Freund einen 13er-Schlüssel in die Hand.” – Und so ein Freund ist Jesus! Du brauchst gar nicht lange Worte machen und sagen, was du alles willst und brauchst und was er tun und was er lassen soll. Er weiß Bescheid. Die Botschaft war kurz: “Herr, siehe, der, den du lieb hast, liegt krank.” Die Schwester machen Jesus keine Vorschriften, was zu tun ist. Keine großen Worte. Sie sagen noch nicht einmal: “Komm ganz schnell.” Sie sagen einfach nur, was los ist und sie vertrauen, dass Jesus schon das Richtige tun wird. Sie halten nur die Hand hin. Voller Vertrauen.

Doch dieses Vertrauen wird auf eine harte Probe gestellt. Denn Jesus reagiert auf seine Weise. Überraschend. Überrachend unverständlich. Fremd.

6 Als Jesus nun hörte, dass er krank war, blieb er noch zwei Tage an dem Ort, wo er war;
7 danach spricht er zu seinen Jüngern: Lasst uns wieder nach Judäa ziehen!

Das ist doch nicht zu fassen! Warum nur kommt Jesus nicht sofort!? Warum lässt er die Freunde so zappeln?

Wir wissen es nicht. Das ist so typisch, dass wir Jesus so oft nicht verstehen können! Das ist so oft, dass Gottes Handeln so unverständlich ist. Dass wir in unseren Erwartungen an Gott wirklich auch enttäuscht werden. Dass Gebete scheinbar unerhört bleiben. Und dann fragt man sich: Wo bist du, Gott? Dann kommen die Anklagen, die Zweifel, manchmal auch die Verzweiflung.

Hat Jesus den Ernst der Lage nicht begriffen? Doch, Jesus weiß Bescheid. Und er weiß nicht nur, was man ihm sagt. Er weiß noch viel mehr. Er weiß auch, was inzwischen schon passiert ist. Lesen wir weiter:

14 Da sagte es ihnen Jesus frei heraus: Lazarus ist gestorben;
15 und ich bin froh um euretwillen, dass ich nicht da gewesen bin, damit ihr glaubt. Aber lasst uns zu ihm gehen!
16 Da sprach Thomas, der Zwilling genannt wird, zu den Jüngern: Lasst uns mit ihm gehen, dass wir mit ihm sterben!
17 Als Jesus kam, fand er Lazarus schon vier Tage im Grabe liegen.

Der Duft der Freundschaft – es scheint so, als ob der Duft der Freundschaft längst weggeweht ist. Und an seine Stelle tritt der Gestank des Todes.

 

2) Der Gestank des Todes

Inzwischen also war Lazarus verstorben. Und denken wir nicht, dass das Jesus egal gewesen wäre. Und denken wir nicht, dass Jesus dem Tod gegenüber teilnahmslos war. Keine Angst vor dem Tod gekannt hätte. Nein, Jesus wusste sehr wohl, wie das ist mit dem Sterben. Denn er bereitete sich auf sein eigenes Sterben vor. Da ist ja in diesen Versen dieser seltsame Hinweis vom Jünger Thomas: Lasst uns mit ihm gehen, dass wir mit ihm sterben! (V.16) Und unmittelbar vor unserer Geschichte, bevor Jesus auf die andere Seite des Jordans gegangen war, das war Jesus in Jerusalem in unmittelbarer Lebensgefahr gewesen. Man wollte ihn steinigen. Und Jesus und seine Jünger wussten: Wenn wir da wieder hingehen, dann sind wir wieder im Einflussbereich des Hohen Rates, der jüdischen Polizei, dann geht es uns an den Kragen. Der Thomas sagt das schon fast resignierend: Ja, dann lasst uns halt mitgehen, dass wir mit ihm sterben…

Jesus ist bereit, selber zu sterben. Hier wird das deutlich, was Jesus meint, wenn er sagt: “Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde.” (Johannes 15,13) oder: “Ich bin der gute Hirte, der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe.” (Johannes 10,11). Jesus ist bereit, sein Leben zu riskieren für seinen Freund Lazarus. Jesus ist bereit, sein Leben zu geben, um dem Freund Lazarus das Leben zu geben.

Und so macht er sich auf den Weg mit seinen Jüngern zusammen. Und dann gibt es eine Zwischenszene, ein Gespräch mit Martha, das ich jetzt überspringe, und so kommt er schließlich zum Grab des Lazarus.

Wir lesen: “Und Jesus gingen die Augen über.” (V.35). Er weinte bittere Tränen, nicht nur so eine Krokodilsträne scheinbarer Anteilnahme, sondern er litt im Tiefsten mit. Und als Jesus sah, wie Maria weinte, “da ergrimmte er im Geist und wurde sehr betrübt.” (V.33). Denken wir doch nicht, dass es Jesus kalt lässt, wie es uns geht, dass ihn das nicht berühren würde. Aristoteles, der große griechische Philosoph, er hat gesagt: Gott, das ist der unbewegte Beweger. Gott ist also irgendein Etwas, ein Ursprung, der alles in Gang setzt, der alles bewegt, der aber selbst durch nichts zu bewegen ist. Das würde bedeuten, dass Gott auch durch das Leid der Menschen und ihre Gebete nicht bewegt, nicht berührt, nicht angerührt wird. Doch so ist Gott nicht! Ja, er ist der Beweger, der diese Welt bewegt, aber er lässt sich auch selbst bewegen. Er ist berührt, er leidet mit. Und unsere Gebete setzen ihn in Bewegung. Und so leidet Jesus auch mit. Die Worte, die hier im Griechischen stehen,  “er ergrimmte im Geist”, da steht eigentlich “aufschnauben”, er schnaubte vor Wut! Das hat ja auch was mit der Nase zu tun. Als Jesus nämlich dieser Gestank des Todes in die Nase gekrochen ist, da kann er nicht anders als Auszuschnauben vor Wut über den Tod! Denn der Tod ist doch nicht irgendetwas Harmloses, was halt irgendwie mit zum Leben dazu gehört. Nach dem Motto: Wir müssen alle mal sterben, ist schon nicht so schlimm… – Nein, der Tod ist ein Feind des Menschen! So sagt es die Bibel (1. Kor. 15,26). Es gibt ja so Berichte von sogenannten Nahtoderfahrungen. Das Leute an der Grenze des Todes waren und zurückkommen und dann etwas berichten von einem Tunnel und einem hellen Licht am Ende. Ich möchte das ja gar nicht bestreiten. So etwas mag es geben. Aber diese Menschen waren noch nicht wirklich tot. So lange jemand wiederbelebt werden kann, war er eben noch nicht wirklich tot. Denn wer wirklich tot ist, ist tot. Da ist kein Licht, da ist nichts Gutes, der Tod ist der letzte Feind, der besiegt werden muss, sagt Paulus. Da ist nichts mit: “Alles wird gut.” Der Tod ist grausam. Deshalb schnaubt Jesus voller Wut auf den Tod. “Und er wurde sehr betrübt.” Auch das ist im Griechischen noch viel stärker beschrieben. Da steht: Er wurde im Innersten erschüttert. Da war ein regelrechtes Erdbeben in seiner Seele.

Heute ist der 11. September. Zum 15. Mal jährt sich dieser entsetzliche Terrorakt von 9/11, bei dem so viele Menschen ums Leben kamen. Wie viele sind auch seitdem weiter zu Tode gekommen auf dieser Welt durch Terror und Krieg. Da kann man doch nicht sagen: Na ja, der Tod gehört halt irgendwie dazu zum Leben. —  Nein, der Tod bleibt ein Feind des Lebens! Und so heißt es hier noch einmal, als sich Jesus dem Grab dann immer weiter nähert:

Da ergrimmte Jesus abermals und kam zum Grab. Es war aber eine Höhle und ein Stein lag davor.

39 Jesus sprach: Hebt den Stein weg! Spricht zu ihm Marta, die Schwester des Verstorbenen: Herr, er stinkt schon; denn er liegt seit vier Tagen.

Der Gestank des Todes.

Aber nun das Dritte. Und das ist das, was den Gestank des Todes vertreibt.

 

3) Der Wohlgeruch des Lebens

So möchte ich es nennen. Mit Worten des Paulus. Erstaunlich, wie viel in der Bibel vom Riechen und Gerüchen die Rede ist! Paulus schreibt (2. Korinther 2):

14 Gott aber sei gedankt, der uns allezeit Sieg gibt in Christus und offenbart den Wohlgeruch seiner Erkenntnis durch uns an allen Orten!
15 Denn wir sind für Gott ein Wohlgeruch Christi unter denen, die gerettet werden, und unter denen, die verloren werden:
16 diesen ein Geruch des Todes zum Tode, jenen aber ein Geruch des Lebens zum Leben.

Was meint das – “Wohlgeruch des Lebens”? – Nun, es ist wie ein wohlriechender Duft oder überhaupt schon frische Luft auch einen ekligen Gestank vertreiben kann. Denken wir an das Klofenster, wenn man es öffnet und frische Luft in das “Stille Örtchen” hineinweht! Das tut gut. Dann verschwindet der Gestank. Und Paulus meint es so: Jesus ist stärker als der Tod. Weil Jesus vom Tod auferstanden ist, vertreibt er den Gestank des Todes mit seinem Duft des Lebens, mit der Frischluft des Lebens. Und das macht Jesus schon vor seiner Auferstehung exemplarisch deutlich. Hier in dieser Geschichte. Bei seinem schon im Verwesungsprozess befindlichen Freund Lazarus. Denn wie geht es weiter? Joh. 11:

40 Jesus spricht zu Martha: Habe ich dir nicht gesagt: Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen?
41 Da hoben sie den Stein weg. Jesus aber hob seine Augen auf und sprach: Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast.
42 Ich weiß, dass du mich allezeit hörst; aber um des Volkes willen, das umhersteht, sage ich’s, damit sie glauben, dass du mich gesandt hast.
43 Als er das gesagt hatte, rief er mit lauter Stimme: Lazarus, komm heraus!
44 Und der Verstorbene kam heraus, gebunden mit Grabtüchern an Füßen und Händen, und sein Gesicht war verhüllt mit einem Schweißtuch. Jesus spricht zu ihnen: Löst die Binden und lasst ihn gehen!
45 Viele nun von den Juden, die zu Maria gekommen waren und sahen, was Jesus tat, glaubten an ihn.

Hier ist der Sieg des Lebens über den Tod so anschaulich, so drastisch, so plastisch wie sonst nirgends. Vier Tage war Lazarus schon tot. Ja, warum stinkt der Kerl denn? Weil er schon am Verwesen war, weil sein Körper schon angefangen hat sich zu zersetzen. Die Zellen haben sich an einigen Stellen schon aufgelöst. Und das kann Jesus wieder hinkriegen! Das bedeutet: Jesus ist sogar der Herr über verwesende Zelle, auch über kranke Körperzellen! Das macht Mut auch in Krankheitszeiten.

Und doch dürfen wir nicht vergessen: Was hier geschieht, ist ein exemplarisches Geschehen. Es gab viele Freunde von Jesus, die er nicht wieder zum Leben erweckt hat. Und wie ist es mit Lazarus weitergegangen? Na ja, er hat zwar noch ein paar Jahre geschenkt bekommen – aber dann ist er doch auch gestorben, wie alle andern auch. Denken wir doch nicht: Nur, weil das etwas so Unglaubliches, etwas so Einmaliges war, was hier passierte, dass Lazarus so viel besser dran war als wir! Nein, er musste doch auch wieder den Weg alles Irdischen gehen. Er ist sicher am Ende seines Lebens auch wieder krank geworden und ist gestorben. Und dann hat ihn Jesus nicht wieder ins irdische Leben zurückgeholt. Sondern eben in das, was viel wichtiger und gewichtiger ist: ins ewige Leben! Dafür ist doch diese ganze Geschichte ein Hinweis: Wenn du diesen Jesus als Freund hast, dann hast du den Wohlgeruch des Lebens, der den Gestank des Todes vertreibt. Dann hast du ewiges Leben. Und das ist der größte Trost, den es gibt. Ein Trost, der die Trauer nicht überspringt, aber durchdringt.

In den Versen, die ich vorhin übersprungen habe, gab es eine kleine Diskussion mit Martha. Martha hatte erst ein wenig vorwurfsvoll zu Jesus gesagt: “Jesus, wenn du da gewesen wärst, dann wäre er nicht gestorben!” Und dann sagt ihr Jesus: “Ja, aber glaubst du, dass dein Bruder auferstehen wird?” Und Martha sagt: “Ja, ich glaube das! Bei der Auferstehung der Toten am Jüngsten Tag, da wird er sicher auferstehen.” Martha hat einen festen Glauben. Sie glaubte auch an ein ewiges Leben. Und trotzdem weint sie, war sie traurig. Ich denke, wir dürfen auch traurig sein angesichts des Todes, angesichts von unheilbarer Krankheit. Wir, die wissen, dass es die Auferstehung der Toten gibt, dürfen auch trauern, dürfen klagen, dürfen mit Jesus ringen.

Doch Jesus sagt dann etwas Großartiges:

25 Jesus spricht zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt;
26 und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben. Glaubst du das?

Nimmermehr sterben? Doch, der irdische Tod wird kommen. Aber der Tod wird uns nicht festhalten können. Was für eine Hoffnung auch für uns selbst! Wenn du an der Schwelle des Todes stehen: dann zu wissen: Der Tod wird mich nicht festhalten können.

Die folgende Geschichte hat mich sehr bewegt: Einem gläubigen Afrikaner war seine siebzehnjährige Tochter gestorben. Auf ihr Grab setzte er ein schlichtes Kreuz aus Holz und schrieb die merkwürdigen Worte darauf: “Der Tod hat keine Hände.”

Als der Missionar ihn fragte, was diese seltsame Inschrift bedeuten solle, gab der Vater zur Antwort: “Ich weiß, dass mir der Tod mein Kind nicht auf ewig festhalten kann, sondern dass ich es bei Jesus wiedersehen werde. Seitdem Jesus auferstanden ist, gilt doch: Der Tod hat keine Hände mehr!”

Der Geruch, der Wohlgeruch, der Duft des Lebens vertreibt den Gestank des Todes.

Amen.

 

 

Zur Druckversion