Fröhliche Weihnacht überall!

Gottesdienst zum zweiten Weihnachtstag, Montag, 26.12.2016

Thema: Fröhliche Weihnacht überall!

Predigt: Pastor Gero Cochlovius

 

Liebe Gemeinde!

Fröhliche Weihnacht überall!

„Fröhliche Weihnacht überall!“
tönet durch die Lüfte froher Schall.

Was für ein schöner Wunsch! Ich hoffe, er ist in euern Familien Wirklichkeit geworden! Dass alles das dabei war: Weihnachtston, Weihnachtsbaum, Weihnachtsduft in jedem Raum…

“… tönet durch die Lüfte froher Schall” – in der Umgebung unseres Hauses tönte auf alle Fälle am Heiligabend durch die Lüfte der frohe Schall unseres Daniel: “Jaaaa! Ich hab eine Käferrennbahn! Eine Käferrennbahn!!! Die hab ich mir so gewünscht!!” – Es gibt jetzt so kleine elektronische Käfer, die dann durch die Wohnung sausen…

Doch man fragt sich: Solche volkstümliche Klänge in der Kirche? Noch dazu in Hohnhorst? Ist das Lied nicht eher etwas für Weihnachtsmärkte? Nein! Denn die wahre Botschaft kommt in den Strophen zum Vorschein. Und diese Strophen sind so inhaltsreich, so voll vom Evangelium, so eine starke und klare Botschaft!

Singen wir die 1. Strophe.

 

1) Jesus – das Licht für die Welt

Fröhliche Weihnacht überall!“
tönet durch die Lüfte froher Schall.
Weihnachtston, Weihnachtsbaum,
Weihnachtsduft in jedem Raum!

Fröhliche Weihnacht überall!“
tönet durch die Lüfte froher Schall.

Darum alle stimmet ein
in den Jubelton,
denn es kommt das Licht der Welt
von des Vaters Thron.

(Refrain)

Hätte man nur den Refrain, dann könnte man das Lied getrost den Glühweinbuden und Kaufhäusern überlassen und als Gefühlsduselei abtun. Denn, mal ganz ehrlich: Fröhliche Weihnacht überall. – Das ist doch wirklich fast ein Hohn! Wie soll denn da fröhliche Weihnacht sein, wo Menschen leiden, wo Menschen Angst haben? Fröhliche Weihnacht in Aleppo? Fröhliche Weihnacht in Berlin in den Familien der Opfer?

Und so scheint die fröhliche Weihnacht bei vielen erstickt zu werden in der Angst. Es ging einem schon unter die Haut, wie die Zeitungen nach dem Anschlag reagiert haben.

Die einen schrieben übergroß das Wort ANGST auf ihre Titelseite.

Doch dann gab es auch andere, die setzten etwas entgegen. Nein, nicht irgendetwas, sondern das Beste, was es gibt:

Die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium “Fürchtet euch nicht!” – so die Titelseite der Berliner Morgenpost. Nur dieser eine Satz. Mehr nicht! Da hat irgendein Redakteur so einen hellen Moment gehabt, da hat einer kapiert: Wenn in dieser dunklen Welt etwas Hoffnung gibt, dann doch das, dass das Gott diese Welt nicht vergessen hat, dass er Jesus sendet. Das Licht für die Welt! Denn es kommt das Licht der Welt von des Vaters Thron!

Dieses Licht ist die einzige Hoffnung für die Welt. Denn es zeigt uns: Die Dunkelheiten und Nächte dieser Welt haben nicht das letzte Wort. Weder die Dunkelheit des Terrors noch der Angst noch des Krieges noch der Krankheit. Sie werden nicht siegen. Darum alle stimmet ein in den Jubelton, denn es kommt das Licht der Welt von des Vaters Thron!

Stimmen wir doch auch ein in das Lied: Jesus – Licht der Welt!

 

2) Jesus – das Licht für uns

Hieß es eben: Jesus – das Licht für die Welt, wird es nun ganz persönlich. Jesus ist für uns da, für unseren eigenen Weg, der ja auch manchmal dunkel sein kann. Singen wir die 2. Strophe:

Licht auf dunklem Wege,
unser Licht bist du;
denn du führst, die dir vertraun,
ein zu sel’ger Ruh’.

(Refrain)

Ich kann mich an eine Situation erinnern, wo ich in jungen Jahren, mal mit meiner kleinen Schwester und deren Freundin mit dem Auto unterwegs war, im Harz zum Schlittenfahren. Bei der Rückfahrt, es war schon längst dunkel, da leuchtet plötzlich die Warnanzeige! Sofort zur Werkstatt, sagt die Betriebsanleitung. Witz. Sonntagabend 20 Uhr eine Werkstatt? Ich war hilflos, hatte keine Ahnung von Autos, stattdessen zwei kleine Mädchen, die ebenso wie ich keine Lust auf eine Winternacht im eiskalten Auto hatten. In einer Tankstelle sagte man mir: Der Generatorkeilriemen ist gerissen. Man könne mir da nicht helfen. Ich könne damit höchstens noch ein paar Kilometer fahren, dann wäre finito. Hm, ein paar Kilometer. Nach Hause waren es noch über 100 km. Die Mädchen weinten. Ich betete. Es war dann doch sehr leichtsinnig, dass ich dann weitergefahren bin. Kein Radio, keine Heizung, nichts ging mehr. Und ich merkte, wie das Licht allmählich schwächer wurde. Und die letzten Kilometer dunkle Landstraße – da war das Licht kaum noch da. Und ein paar hundert Meter vor Zuhause – war endgültig zappenduster. Aber immerhin, wir hatten es geschafft. Doch da hab ich gespürt: Auf dunklem Weg ohne Licht zu sein – das ist nicht nur unangenehm, das ist gefährlich, lebensgefährlich. Nicht nur, dass man selber nix sieht, sondern man wird auch nicht gesehen!

Beides kann auch unsern Weg dunkel machen. Vielleicht siehst du selber nichts mehr, du weißt nicht, wie es weitergehen soll im neuen Jahr!

Oder du das andere: Es ist dunkel, weil du denkst: Keiner sieht mich! Ich irre wie ein Auto ohne Licht durch die dunkle Landstraße der Welt, und wer sieht mich, wem bin ich wichtig, wer liebt mich?

Licht auf dunklem Wege,
unser Licht bist du;
denn du führst, die dir vertraun,
ein zu sel’ger Ruh’.
Jesus – das Licht für uns. Für mich, für dich. Vergiss es nie, wenn deine eigenen Scheinwerfer nicht mehr leuchten: Jesus ist da, er ist dein Licht, er führt dich sicher nach Haus. So wie ich es damals ganz wörtlich erlebt habe.

 

3) Jesus – das Licht für den Nächsten

Wer Jesus als das Licht kennen gelernt hat, behält es nicht für sich. Der sieht auch den Nächsten, der will das Licht weitergeben.

Was wir andern taten,
sei getan für dich,
dass bekennen jeder muss,
Christkind kam für mich.

Wie die Hirten das getan haben! Sie kehrten um und priesen und lobten Gott und: Da sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, welches zu ihnen von diesem Kinde gesagt war.

Da geht es darum, den Nächsten zu sehn. Und es ist in dem Lied wunderbar formuliert: Was wir andern taten, das ist eigentlich für Jesus getan. Sagt es Jesus nicht selber so: “Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern (oder Schwestern), das habt ihr mir getan!” (Matth. 25,40)

Ein bewegendes Beispiel ist für mich der Bericht eines syrischen Pastors aus Aleppo, der mich sehr berührt hat. Aleppo ist ja derzeit in aller Munde. Unsägliches Leid! Und doch gibt es Menschen, die dort aushalten.

Obwohl seine Heimatstadt Aleppo weithin zerstört ist, weigert sich Pastor Haroutune Selimian, die umkämpfte frühere 2-Millionen-Metropole zu verlassen. Denn er will sich um die Zurückgebliebenen kümmern. Haroutune Selimian, ist Vorsitzender der armenisch-evangelischen Gemeinden in Syrien und Pastor der Bethel-Gemeinde in Aleppo. Er ist sich sicher: Nie war es wichtiger, dass Kirchenleiter in dem von Krieg zerrütteten Land bleiben und sich um ihre Gemeindemitglieder sowie die Armen, Alten und Verletzten in ihrer Umgebung kümmern, die eben nicht fliehen können. Pastor zu sein, bedeutet für ihn nicht nur, an guten Tagen für die Gemeinde da zu sein, sondern an allen Tagen. „Jetzt ist nicht die Zeit wegzugehen, sondern zu bleiben und Zeugnis darüber zu geben, was Gott in unserem Leben tut.“

Auch die christliche Minderheit leidet stark unter den Folgen der Offensive der syrischen Armee. Die Rebellen, die vom Militär mit russischer Luftunterstützung angegriffen werden, feuerten als Reaktion beispielsweise wahllos auf die christlichen Wohnviertel im Zentrum der Stadt. Selimian betreut die Menschen, die geblieben sind. Seine Gemeinde hat nach dem Zusammenbruch der medizinischen Versorgung in Aleppo eine Poliklinik eingerichtet. Sie ist für alle da – Christen und Muslime. Die Gemeinde teile gerne das, was sie habe, sagt Selimian: „Das ist unsere Lehre, das ist unser Glaube, so muss man als Syrer in Syrien leben.“ Auch Lebensmittel und sauberes Trinkwasser werden an alle Bedürftigen verteilt. Viele Menschen, vor allem Alte und Verletzte, können nur überleben, weil Menschen wie Selimian in dem Land ausharren und sich kümmern.

“Was wir andern taten, sei getan für dich!” Jesus – das Licht für den Nächsten.

Amen

 

 

Zur Druckversion