Fröhlich triumphieret

Gottesdienst zum 2. Weihnachtstag, 26.12.2016

Thema: Fröhlich triumphieret

Text: Lukas 2,10-20 u. Kol. 2,15

Predigt: Pastor Gero Cochlovius

 

Liebe Gemeinde,

in den Weihnachtstagen, da kriegt man die Kinder ja kaum ins Bett, geschweige denn zum Einschlafen. Da ist auch so ein kleiner Bengel, Paul, der will und will nicht einschlafen. Der Papa liest Paul am Bett Einschlafgeschichten vor. Fast eine Stunde später öffnet die Mutter leise die Tür und flüstert: “Und? Ist er endlich eingeschlafen?” Antwortet der kleine Paul stolz: “Ja, endlich…”

Wer kleine Kinder hat, kann bestätigen: Gar nicht so selten triumphieren die Kleinen über ihre Eltern. Die wickeln einen oft genug um den Finger.

Wenn Kinder triumphieren – dann kann man das meist mit Humor nehmen. Aber ansonsten hat Triumphieren keinen allzu guten Klang. Denn da gibt es ja immer einen, der unterliegt.

“Herbei o ihr Gläubigen, fröhlich triumphieret!” Unser Motto für den heutigen 2. Weihnachtstag. Ist das nicht eigentlich etwas zu dick aufgetragen? Ist Weihnachten ein Fest des Triumphes? Und wir, die wir an Jesus Christus glauben, sollen triumphieren?

Weihnachten – ein Grund zum Triumphieren?

 

Eine Geburt in einem stinkenden Stall, in einer kleinen Krippe, das ist doch eigentlich nichts, worauf man stolz sein kann, oder? Jedenfalls kein Triumph.

Und es ist gut, wenn wir in der Weihnachtsgeschichte auch und gerade auf die leisen Töne achten. Stille Nacht, heilige Nacht… Das ist ja Gottes Art und Weise in dieser Welt: Oft verborgen, unscheinbar, klein, kaum wahrnehmbar. Da ist so gar nichts Triumphales. Und wenn wir sehen, wie die Geschichte von diesem Kind in der Krippe weitergeht bis zum Kreuz – wo gibt es da Grund, fröhlich zu triumphieren?

Und wenn wir sehen, wie auch unser Alltag als Christen aussieht: Wie auch wir Christen immer wieder scheitern. Und leider ist das doch so: Christen sind doch oftmals nicht unbedingt besser als Menschen, denen der Glaube nicht viel bedeutet. Christen kennen auch Streit. Und auch Einsamkeit. Wir werden enttäuscht und enttäuschen andere. Warum also: “Fröhlich triumphieret!”?

Ich möchte heute mal Mut machen: Ja! Wir dürfen auch mal fröhlich triumphieren! Wir dürfen auch jubeln. Laut singen, uns freuen. Und Weihnachten ist ein wunderbarer Anlass dazu.

Drei Gründe zum Triumphieren, zum Jubeln.

 

1) Wir wollen jubeln, weil unser König siegt

Bei den alten Römern war das Wort triumphus sehr beliebt: So nämlich nannten sie den feierlichen, nach festen Regeln vollzogenen Einzug eines siegreichen Feldherrn in die Stadt Rom, den Triumphzug. Hier war ein Sieg errungen. Nicht nur eine Schlacht geschlagen, sondern ein Krieg zu Ende. Und darüber sollten eben nicht nur die beteiligten Soldaten und der Kaiser jubeln, sondern das ganze Volk. Alle sollten vom Jubel und der Freude angesteckt werden. Mitunter wurde eigens ein Triumphbogen errichtet, durch den Zug führte.

Und dabei wurden die besiegten Herrscher mitgeführt, damit alles sehen konnten: Hier sind sie. Vor denen braucht nun keiner mehr Angst haben. Wir sind die Herren der Welt.

(Ausschnitt aus Ben Hur)

Triumphieren hat also oft was mit militärischer Gewalt und Krieg zu tun.

Wenn es im Weihnachtslied heißt: Fröhlich triumphieret – passt das überhaupt zu Weihnachten? Schauen wir in die Bibel, dann merken wir: Das Wort “Triumph” kommt da auch vor, zwar nicht oft – man sollte es sicher nicht zu oft benutzen – aber Paulus benutzt es auch (Kolosser 2,15):

“Gott hat die Mächte und Gewalten ihrer Macht entkleidet und sie öffentlich zur Schau gestellt und hat einen Triumph aus ihnen gemacht in Christus.”

Hier wird Gott als ein Kaiser beschrieben, der einen Triumphzug durchführt und Jesus Christus der siegreiche König. Diese Bilder mögen uns fremd vorkommen. Sie passen so gar nicht in die weihnachtliche Idylle, zu Lichterglanz und Bratenduft. Aber auch das gehört zu Weihnachten: Dass es in dieser Welt Kämpfe gibt. Und zwar nicht nur Krieg und Terror und Gewalt zwischen Menschen. Sondern vielmehr noch hinter den Kulissen. Da gibt es unzweifelhaft die Macht des Bösen. Und wenn wir an Weihnachten das Kind der Krippe feiern, dann können wir schon um so mehr jubeln als wir wissen: Dieses Kind in der Krippe wird der König mit Krone. Der König, der das Böse besiegt! An Ostern wurde die entscheidende Schlacht geschlagen. Da wurde der Tod besiegt. Und dass es jetzt noch so viel Böses gibt? Es sind Rückzugsgefechte eines geschlagenen Feindes. Aber wenn Jesus als König der Könige wiederkommen wird, dann wird das Böse ein für allemal ausradiert. Dann wird endlich, endlich der Ruf der Engel umfassend und sichtbare Wirklichkeit werden: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden! Und das wird ein Triumph, auf den wir uns jetzt schon freuen können. Weihnachten zeigt uns auch diese Perspektive. Darum können wir auch mal fröhlich triumphieren. Es geht nämlich nicht um uns dabei. Wir brauchen keine Siegertypen zu sein. Es geht um unsern König! O lasset uns anbeten den König – so ist die Botschaft des Liedes und von Weihnachten.

Lied: Freude dich Welt usw.

Es gibt noch einen anderen Grund zum lauten Jubeln. Nämlich damit die Welt es hört!

 

2) Wir wollen jubeln, damit die Welt es hört

Bei den Engeln heißt es: Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird. Allem Volk – das sind nicht nur die Gläubigen. Das ist die ganze Welt: Jeder soll sich freuen über diesen König, darüber, dass Gott seinen Sohn gesandt hat! Da brauchen wir uns nicht zu verstecken! Man darf es uns auch ruhig mal anmerken, dass wir uns freuen über unsern Gott und über unsern König Jesus Christus. Der Philosoph Nietzsche, er stimmt nachdenklich, wenn er sagt: “Die Christen müssten erlöster aussehen, wenn ich an ihren Erlöser glauben sollte.” Ist da was dran? Nehmen wir uns doch ein Beispiel an den Hirten! Sie kommen verändert von der Begegnung mit Jesus zurück. “Als sie das Kind in der Krippe gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was ihnen die Hirten gesagt hatten. … die Hirten priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten.”

Wir wollen jubeln, damit die Welt es hört! Und wenn in der heutigen Zeit in unserem Land, das doch ohne Zweifel eine seiner Wurzeln im Christentum hat und über Jahrhunderte durch den christlichen Glauben mitgeprägt wurde, in vielen Kindergärten oder anderen öffentlichen Institutionen keine Weihnachtsfeiern mehr durchgeführt werden aus Angst, dass sich dadurch Menschen anderer Religionen oder Religionslose ausgeschlossen fühlen könnten, dann habe ich dafür kein Verständnis. Die Freude über das Geschehen von Weihnachten schließt doch niemanden aus, sondern lädt ein, steckt an! Lasst uns doch zu unserm Glauben stehen, lasst uns auch fröhlich jubeln. Jeder Fan eines Fußballvereins jubelt doch auch, wenn seine Mannschaft gewinnt! Und das nimmt man ihm doch gar nicht übel. Wir haben doch noch viel mehr Grund zum Jubel, damit die Welt es hört!

Ein tolles Beispiel liefert die Berliner Stadtmission. Im letzten Jahr wollten sie den Weihnachtsjubel mal nicht nur in ihrem Gemeindehaus oder in der Kirche haben, sondern dorthin tragen, wo die Menschen sind. Mitten hinein in die Welt. Ins Kaufhaus also. Und dort – mitten im Einkaufstrubel der Vorweihnachtszeit, mitten im Kaufhof – erscholl plötzlich der Lobgesang der Engel, Gloria in excelsis deo! Überhaupt nicht peinlich, nicht zum Fremdschämen, sondern fröhlich, unverkrampft, einladend. Und so viele Kunden dort haben sich einfach mitreißen lassen und haben mit eingestimmt in den Jubel der Engel und der Christen.

Video: Gloria flashmob

Noch ein dritter Grund für den Jubel:

 

3) Wir wollen jubeln, weil nicht das Starksein zählt

“Fröhlich triumphieret” – der Grund ist nicht in uns selbst zu suchen. Dass wir so stark oder so fromm oder so gut oder so toll sind. Nein! Wir Christen sind nicht immer das hellste Licht auf der Torte. Wir haben unsere Schattenseiten. Und da geht es uns nicht anders als den Hirten damals. Die hatten nicht den besten Ruf und galten auch nicht unbedingt als die frömmsten Leute. Und dennoch jubeln sie. Weil sie entdeckt haben: Es kommt nicht auf sie und ihre Leistung an, sondern auf das Kind. Bei Gott dürfen wir auch schwach sein. Paulus erlebt das später so, dass Gott ihm zuspricht: “Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.” (2. Kor. 12,9). Und dennoch dürfen wir jubeln. Nicht als die Sieger, die allein und auf Kosten anderer den Triumph auskosten. Sondern eher so, wie es sich in jenem Geschehen widerspiegelt, was sich 1996 bei den Paralympics in Atlanta zugetragen hat.

Bei dieser Olympiade der Behinderten bewegte die wenigen Zuschauer vor allem der 400-m-Endlauf der Männer. Acht Behinderte laufen los. Sie laufen nicht elegant, aber sie laufen, jeder mit einem anderen Handicap. Das sieht nicht so schön aus, und mancher wendet sich ab. Doch dann schauen wieder alle hin, als kurz vor dem Ziel der führende Läufer stürzt. Der zweite rennt nun nicht vorbei, um sich jubelnd den Triumph zu sichern. Nein, er läuft zu dem Gestürzten, richtet ihn mühsam auf, greift unter seine Arme, schleppt ihn mit sich, und zu zweit humpeln sie weiter. Da kommen die anderen auch schon heran, aber auch sie laufen nun nicht an den beiden vorbei, sondern auf sie zu. Alle greifen sich unter die Arme, den Gestürzten haben sie in der Mitte, und so laufen sie und schleppen sich gemeinsam ins Ziel. Gemeinsam jubeln sie!

So kann das sein mit dem Jubel in der Gemeinde. Wir wollen jubeln, weil nicht das Starksein zählt. Ein anderer ist für uns stark gewesen, und wir können gemeinsam – mit allen Schwächen und Gebrechen, mit den Hirten und Schafen, dem Ziel entgegen humpeln und hinken. Und unterwegs singen: “Fröhlich triumphieret!”

Amen.