Allzeit bereit!

Gottesdienst am Sonntag, 20.11.2016 (Ewigkeitssonntag)

Thema: Allzeit bereit!

Predigt: Pastor Gero Cochlovius

Text: Matthäus 25,1-13

Liebe Gemeinde,

“Allzeit bereit!” – so lautet das Motto der Pfadfinder. Dabei wird die rechte Hand empor gehoben. Dabei weisen Zeige-, Mittel- und Ringfinger nach oben, und der Daumen legt sich auf den kleinen Finger.

Bereit sein – das ist die Devise. Für was bereit sein? Die drei Finger, die nach oben weisen, stehen für die drei Punkte des Pfadfinderversprechens (die Pflicht gegenüber Gott, gegenüber dem Nächsten und gegenüber sich selbst).

Gut, wenn man da bereit. Bin ich bereit, mir selbst in die Augen zu schauen? Bin ich bereit, meinem Nächsten zu dienen? Bin ich bereit, meinem Gott zu begegnen?

Heute – am Ewigkeitssonntag – oder wie man sagt: Totensonntag – ist vor allem dieses Letzte die Frage an uns alle: Sind wir bereit für die Begegnung mit Gott? Keiner weiß, wann der Augenblick gekommen ist, in dem wir von dieser Erde gehen und vor Gott stehen werden.

Die internationale Version des Pfadfindergrußes “Allzeit bereit!” lautet auf Englisch übrigens: Be prepared – wörtlich eigentlich: Sei vorbereitet!

Jesus möchte, dass wir vorbereitet sind. Darum erzählt er dieses fremde, merkwürdige – und zugegeben: auch schwierige Gleichnis von den 10 Brautjungfrauen, die auf die Ankunft des Bräutigams warten, damit dann Hochzeit gefeiert werden kann.

Wir haben es vorhin gehört.

 

1) Sei bereit für das größte Fest aller Zeiten!

Wenn ich eben die Frage stellte: Bin ich bereit, Gott zu begegnen? dann löst das ja erst mal etwas Beklemmung aus. Denn man denkt an Tod und Sterben. Und sich damit beschäftigen ist kein schönes Gefühl. Geht mir jedenfalls so. Ich hatte vor ein paar Tagen Geburtstag, bin gerade 46 geworden. Dumm nur, dass unser Daniel in der 3. Klasse in Mathe grade Rundungen hat. Und so verkündete er prompt: “Papa, 46, das rundet man auf zu 50!” Da wusste ich erst mal Bescheid! Doch setzte er gleich noch eins drauf: “Ach, und 50 rundet man auf zu 100.” So schnell wird man alt. Und da ist mir das auch so durch den Kopf geschossen: Wo sind die Jahre hin? Das kann doch gar nicht wahr sein! Bald 50!! Und an manchem Sterbebett habe ich schon gestanden und gedacht: Wie wird das einmal bei mir sein? Doch warum macht uns der Gedanke an den Tod eigentlich so ein beklemmendes Gefühl? Jesus erzählt das Gleichnis unter der Überschrift:

1 Dann wird das Himmelreich gleichen…

Es geht um den Himmel. Also um das Leben nach dem Tod. Und das vergleicht Jesus mit einem riesigen Hochzeitsfest! Eine riesengroße Party, eine Feier, ein Fröhlichsein ohne Ende! Bedenken wir bitte, dass bei einer orientalischen Hochzeit das ganze Dorf eingeladen war und man 7 Tage lang gefeiert hat. Das war im Grunde der Höhepunkt im Leben! Und das nimmt Jesus nun als Gleichnis für den Himmel – also für das, was nach dem Tod kommt: Was für eine ungewohnte Perspektive! Haben Sie den Tod schon einmal so gesehen? Dass er die Schwelle zu einem großartigen Fest ist? Das größte Fest aller Zeiten. Heiner Lauterbach irrte an einer Stelle, als er einmal bei Sandra Maischberger war und sie ihn fragte, ob er denn hoffe, in den Himmel zu kommen. Ja, sagte er, obwohl in der Hölle ja viel mehr los sein soll. Aber da irrt er gewaltig: Die Welt hat solch ein Fest noch nie gesehen, wie dieses himmlische Hochzeitsfest!

Sicher: Wenn jemand stirbt, bleibt es für die Angehörigen dennoch schwer und schmerzlich. Aber Jesus macht deutlich: Ihr braucht keine Angst zu haben! Wenn ihr in den Himmel kommt, erwartet euch eine Welt wie ein Fest – ohne Schmerzen, ohne Krankheit, ohne Qualen. Auch ohne Hass, ohne Neid, Streit. In der unmittelbaren Gegenwart Gottes. Die einzige Frage an uns ist: Sind wir bereit dafür? Wollen wir dahin? Oder ist es uns egal, was Gott uns anbietet und bedeutet es uns nichts, weil wir nur den Himmel auf Erden haben wollen? Geben wir uns doch nicht zufrieden mit den schönen Momenten, den Festen und Feiern dieses Lebens! Denn hier ist auch mal Feierabend. Aber das Fest des Himmels wird nie aufhören. Drum: Sei bereit für das größte Fest aller Zeiten!

 

2) Sei bereit für die wichtigste Begegnung deines Lebens!

Damals war es so: Bevor die Hochzeit losgehen konnte, wurde es nochmal richtig spannend. Der Bräutigam holte seine Braut von ihrer Familie ab. Aber man wusste nicht genau, wann er kommt. Irgendwann am Abend oder in der Nacht, weil es tagsüber in Israel zu heiß zum Feiern ist. Und dann hatten die besten Freundinnen der Braut eine wichtige Aufgabe: Sie sollten dem Bräutigam entgegengehen und ihn im Dunkeln mit ihren Lampen zur Braut führen. Das waren die Brautjungfrauen, von denen Jesus erzählt.

Die Lampen waren an einem Stock befestigt, und ein ölgetränktes Tuch diente als Docht. Sie konnte man dann als helle Fackeln tragen. In einer kleinen Kanne wurde das Ersatzöl mitgeführt. Nun ist es im Gleichnis so, dass die Hälfte dieser Brautjungfrauen, die klugen, gut vorbereitet war. Sie hatten den Pfadfindergruß beherzigt: Allzeit bereit, “be prepared”. Sie waren bereit für die Begegnung mit dem Bräutigam, vorbereitet, mit genügend Öl für ihre Fackeln. Doch was war mit den anderen, den törichten? Auch sie freuten sich sicher auf den Bräutigam und das Hochzeitsfest! Aber sie waren offensichtlich nicht so ganz bei der Sache. Mit anderen Sachen beschäftigt, die bei so einem Anlass wichtig erscheinen: Stimmen die Kleider, sitzt die Frisur, wo hab ich das Geschenk? Sicher nicht unwichtig, aber im Vergleich zur Begegnung mit dem Bräutigam wirklich zweitrangig! Für diese Begegnung waren sie nicht vorbereitet, da dachten sie nicht an das Öl für ihre Lampen.

Wie oft lassen wir uns im Leben ablenken von Dingen, die wirklich zweitrangig sind! Und das eigentlich Wichtige verpassen wir dabei. Das erleben wir schon in unseren alltäglichen Beziehungen. Man rackert und ackert, müht sich, plagt sich, will Geld verdienen, ist ständig am Putzen und Hetzen, am Schauen und Bauen, am Laufen und Kaufen, am Reparieren, sich Informieren, vorm Fernseher hocken, am Handy zocken… und lebt dabei nebeneinander her. Und plötzlich realisiert man: Nanu, wo sind die Jahre hin? Jetzt sind die Kinder groß – und die Zeit, die ich nicht mit ihnen verbracht habe, kommt nie mehr zurück! Oder: Jetzt ist der Vater gestorben, und das wichtige, klärende Gespräch hat nicht mehr stattgefunden!

Und was für die Begegnungen mit unsern Liebsten gilt, gilt oftmals genauso für die wichtigste Begegnung des Lebens: die Begegnung mit Jesus. Denn mit dem Bräutigam im Gleichnis meint Jesus sich selbst! Ihm muss man begegnen. Die zehn Brautjungfern, die stehen für Menschen, die durchaus an Gott glauben. Die auch den Bräutigam, also Jesus, ganz gut finden, die sich durchaus für Kirche und Religion interessieren. Aber irgendwie werden sie dann alle müde im Glauben mit der Zeit.

5 Als nun der Bräutigam lange ausblieb, wurden sie alle schläfrig und schliefen ein.

Jesus ist irgendwie so unsichtbar, so weit weg. Er hatte zwar einst gesagt: “Ich werde wiederkommen und euch zu mir nehmen, damit ihr seid, wo ich bin.” (Joh. 14,3) Aber er kommt einfach nicht! Schon seit 2000 Jahren. Ob er überhaupt noch kommt? Stattdessen kommt der Zweifel, und Fragen kommen. Manches Gebet ist nicht erhört worden. Da war diese OP, diese Krankheit, und so mancher Stoßseufzer gen Himmel mit der Bitte um Heilung verhallte ohne Antwort! Und ich vermute, die meisten Christen kennen solche Phasen, wo du im Glauben müde wirst. Und doch: Dann, wenn man es kaum noch für möglich hält, kommt er doch!

6 Um Mitternacht aber erhob sich lautes Rufen: Siehe, der Bräutigam kommt! Geht hinaus, ihm entgegen!

So ist es mit Jesus, so ist es mit der Hilfe Gottes! In der dunkelsten Stunde, wenn wir ihn schon längst abgeschrieben haben, dann ist er doch überraschend da! Mitternacht.

Das wird am Ende der Welt so sein, dass er kommen wird, wenn die Not am größten ist und die Macht der Finsternis zu triumphieren scheint. Das kann im eigenen Leben so sein, dass er uns begegnet, wenn wir kaum noch damit gerechnet haben. Oder die Begegnung geschieht umgekehrt so, dass er uns aus diesem Leben zu sich holt, manchmal auch, wenn wir gar nicht damit rechnen. In jedem Fall gilt: Sei bereit! Be prepared. Sei vorbereitet. Sei bereit für die wichtigste Begegnung deines Lebens. Aber wie?

 

3) Sei bereit und lass die Lampe brennen!

Was unterschied die klugen von den törichten Jungfrauen? Die klugen waren keineswegs bessere Menschen! Sie waren genauso müde geworden wie die anderen. Und kein Frommer sollte sich für etwas Besseres halten und über andere erheben! Jeder kann schwach werden. Aber etwas war anders: Sie hatten Öl für ihre Lampe! Nun, Jesus erklärt nicht genau, was er mit diesem Öl meint. Aber an anderen Stellen der Bibel steht das Öl als Bild für den Heiligen Geist und damit für eine lebendige Beziehung zu Jesus Christus. Für einen Glauben, der sich nicht darin erschöpft, dass es “wohl so was wie einen Gott geben wird”, sondern der gelebt wird. Ein Glaube, der wie eine Freundschaft ist. Ein Glaube, zu dem Vergebung, Gebet und Gottes Wort gehört. Diesen Glauben braucht jeder für sich selbst. Die törichten Brautjungfrauen 8  aber sprachen zu den klugen: Gebt uns von eurem Öl, denn unsre Lampen verlöschen. Doch das ging nicht. Das geht beim Glauben auch nicht. Den braucht jeder für sich selbst. Da reicht es nicht, wenn mein bester Freund glaubt, oder die Oma, oder die Eltern, der Partner oder mein Kind. Nein, Gott fragt jeden persönlich: Brennt die Lampe deines Glaubens? Hast du das Öl des Heiligen Geistes?

Das Gleichnis endet tragisch. Die törichten Jungfrauen wollen auf eigene Faust noch Öl organisieren. Bei diesen Hochzeitsfesten hatte der Dorfkaufladen die ganze Nacht geöffnet. Und als sie hingingen zu kaufen, kam der Bräutigam; und die bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit, und die Tür wurde verschlossen.

11 Später kamen auch die anderen Jungfrauen und sprachen: Herr, Herr, tu uns auf!
12 Er antwortete aber und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Ich kenne euch nicht.

Ja, auch so kann ein Leben enden. Doch hätte die Geschichte auch anders ausgehen können? Es steht zwar nicht an dieser Stelle…, aber wir kennen doch den Bräutigam, wir kennen doch diesen Jesus: Wenn die törichten Brautjungfrauen nicht auch am Schluss noch versuchen würden, selber ihr Ding zu machen, ihr Öl zu kaufen, selber noch gut dazu stehen, sondern einfach zum Bräutigam hingehen würden und bitten: “Herr, vergib mir, ich habe dich bisher nicht ernst genommen! Anderes war mir wichtiger. Erbarme dich!” dann würde er sagen: “Wahrlich, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir beim Fest sein!” (nach Lukas 23,43).

Jesus endet sein Gleichnis mit einer Mahnung: Darum wachet! Denn ihr wisst weder Tag noch Stunde. Anders gesagt: Allzeit bereit! Be prepared – seid vorbereitet! Lasst eure Lampen brennen in der Nacht dieser Welt, seid Lichter, die auf Jesus hinweisen. Und vertraut darauf, dass Jesus in seiner großen Liebe zu euch steht, auch wenn ihr schwach und müde werdet.

Beim Pfadfindergruß “Allzeit bereit!” legt sich der Daumen auf den kleinen Finger. Der Starke schützt den Schwachen. Jesus, der starke Bräutigam, der starke Herr, er steht uns bei, wenn wir schwach sind. Er hilft uns dabei, wenn es heißt:

Allzeit bereit!

Amen.

 

Zur Druckversion