366 Tage Gottesdienst

Gottesdienst am Sonntag, 10.01.2016

Thema: 366 Tage Gottesdienst

Text: Römer 12,1-2

Predigt: Pastor Gero Cochlovius

Liebe Gemeinde,

wenn man die Bücherkataloge so durchblättert, dann entdeckt man so manchen Buchtitel, der die 366 Tage dieses Schaltjahres 2016 in den Blick nimmt.

Man findet da z.B. “366 Denkanstöße für jeden Tag zur gewaltfreien Kommunikation im Alltag.” – Eins versichere ich Ihnen: Hier in der Martins-Kirche praktizieren wir ohnehin gewaltfreie Kommunikation!

Oder man entdeckt den Titel: “366 Tage – Aktivierungsarbeit mit älteren Menschen” Wie Senioren aktiv und fit bleiben. Was da leider nicht drin steht: Auch ein Gottesdienstbesuch kann da keinesfalls schaden. Das gleiche gilt für jüngere Menschen.

Interessieren würde mich auch “366 Witze für heitere Tage”

Oder was sich auch nett anhört: “Jeder Tag ein Gedicht – 366 klassische und zeitgenössische Gedichte”

Doch bei uns heißt es heute ganz anders. Und ich gebe zu: Dazu habe ich noch nirgends einen Buchtitel gefunden: 366 Tage Gottesdienst.

Gestern sagte ich meiner Frau: “Schatz, morgen heißt mein Predigtthema: ‘366 Tage Gottesdienst’. Stell dir mal vor,” seufzte ich, “ich müsste dazu 366 Predigten schreiben.” – Meine Frau meinte nur: “Viel schlimmer wäre es, du würdest die alle morgen halten!”

Also, keine Sorge! 366 Tage Gottesdienst heißt nicht 366 Tage Predigten anhören.

366 Tage im Jahr Gottesdienst, also alle Tage im Jahr, alle Tage Gottesdienst – dazu könnte man auch sagen: Alltagsgottesdienst. Gottesdienst im Alltag? Der Alltag als Gottesdienst? Ist das nicht ein Widerspruch? Muss nicht der Gottesdienst gerade eine Unterbrechung des Alltags sein? Wo man zur Ruhe kommen kann, auftanken, Kraft schöpfen, um gewappnet zu sein für den Trubel des Alltags?

Ja. Das stimmt. Das soll der Gottesdienst sein. Aber Gottesdienst ist noch mehr. Paulus hat dazu eine sehr ungewöhnliche Definition von Gottesdienst, und die hat viel mit dem Alltag zu tun. Hören wir als Predigttext Römer 12,1+2 (EG 954.14):

1 Ich ermahne euch nun, liebe Geschwister, durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr eure Leiber hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig ist. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst.
2 Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.

Diese Worte sind in sich in gewisser Hinsicht auch schon ein Gottesdienst, ein Gottesdienst, der uns Tag für Tag erfüllen und begleiten kann. Und so lasst uns diese Worte der Reihe nach einmal sehr bewusst in uns aufnehmen und sie wie einen ganz normalen Gottesdienst feiern. Ich denke, es wird gleich klar werden, was ich damit meine.

Womit beginnt ein normaler Gottesdienst? Mit dem Glockengeläut! Es wäre ja so schade, wenn es unsere Glocken nicht gäbe! In einem Schulaufsatz schrieb ein Schüler einmal folgendes: “… am letzten Sonntag wurden unsere neuen Glocken eingeweiht. Der Herr Pfarrer und der Herr Bürgermeister hielten schöne Reden. Sie wurden dann aufgehängt. Seitdem ist es in unserem Dorf viel gemütlicher.”

 

1) Das Glockengeläut

Es ist die Einladung zum Gottesdienst. Damit geht es los. Und in unserem Predigttext sind die ersten Worte wie so ein Glockengeläut. Das ruft uns wach, das rüttelt auf, das lädt ein. “Ich ermahne euch…” sagt Paulus.

Ich ermahne euch… Bei dem Wort “ermahnen” klingeln bei uns gleich die Alarmglocken. Denn das mag man normalerweise nicht gerne. Man denkt an Eltern, die ihre Kinder ermahnen müssen: Räum doch endlich mal dein Zimmer auf! – Ermahnt werden will keiner gern. Und doch ist es manchmal nötig. Und wenn Eltern ihre Kinder ermahnen, geschieht das ja nicht aus Langeweile, sondern weil sie sie lieben. Aber es ist trotzdem hilfreich, das Wort genau anzuschauen, das Luther mit “ermahnen” übersetzt. Im Griechischen hat es eine große Bedeutungsvielfalt. Wörtlich heißt das: jemanden herbeirufen. – Also wie die Glocken uns zum Gottesdienst rufen. Dann heißt es aber auch: jemanden ermutigen, ermuntern, trösten. Das ist wichtig! Es wie eine Überschrift über das Folgende. Das, was Paulus uns nun sagen will, ist also zugleich Ermahnung und Ermutigung. Beides. Und das gehört auch beides zu einem Gottesdienst. Er will uns sicher auch ermahnen, korrigieren, zurechtbringen, zugleich will er aber ermutigen, trösten. Das Glockengeläut heißt also: Ich ermahne euch, ich ermutige euch.

 

2) Das Vorspiel

In einem normalen Gottesdienst folgt nach dem Glockengeläut das Orgelvorspiel. Bei ihm sollen wir zur Ruhe kommen. Einfach mal tief durchatmen, die Gedanken sammeln. In einem stillen Gebet uns für Gott öffnen. Ankommen in Gottes Liebe. Das Orgelvorspiel in unserm Text heißt: “durch die Barmherzigkeit Gottes”.

Das ist die Grundmelodie, die den ganzen Gottesdienst durchzieht. Die Barmherzigkeit Gottes trägt uns und hilft uns auch für unseren Alltag. In ihr gründet unser Glaube. Nicht in unseren eigenen religiösen Bemühungen. Nicht in unserm Streben, ein guter Mensch zu sein. Denn: Bei allem Bemühen – kein Mensch kann perfekt sein. Immer schwingt bei uns Eigensinn mit. Aber Gottes Barmherzigkeit ist das Vorspiel für unsern Glauben. Sie geht unserem Glauben voraus. Weil Gott uns so sehr liebt, weil Gott uns in sein Herz geschlossen hat – das steckt ja in dem Wort “Barmherzigkeit” -, deshalb wollen wir ihm dienen und für ihn lieben! Nicht um uns Punkte im Himmel zu erarbeiten. Und wenn es um 366 Tage Gottesdienst geht, dann heißt das auch: 366 Tage geht uns Gottes Barmherzigkeit als Vorspiel voran. 366 Tage ist Gottes Barmherzigkeit die Musik in unserem Leben.

 

3) Lieder und Lobpreis

In einem Gottesdienst geht es dann weiter mit Liedern, Lobpreis und Anbetung. Wir singen Gott zur Ehre. Wir rufen ihn um Erbarmen an (“Kyrie eleison”), wir beten ihn an. In alter Zeit hat man diese Anbetung durch Opfer zum Ausdruck gebracht. Dass man ein Tier geopfert hat und als Dankopfer oder Brandopfer Gott dargebracht hat. Das mag uns archaisch und fremd vorkommen – und ich bin froh, dass Gott selbst diesen Brauch abgeschafft hat – weil Jesus für uns gestorben ist, und deshalb wahrlich keine Tieropfer mehr nötig sind. Aber dennoch ist nun auch bei Paulus von Opfern die Rede. Und haben Sie es gemerkt? Wir haben eben selber von Opfern gesungen (EG 449,3). Aber das Wort “Opfer” bekam dabei eine neue Bedeutung: Es sind unsere Lieder, unser Lobpreis, ja unser Leben. Paul Gerhardt hat das so wunderschön gedichtet: “Lasset uns singen, dem Schöpfer bringen Güter und Gaben; was wir nur haben, alles sei Gotte zum Opfer gesetzt! Die besten Güter sind unsre Gemüter; dankbare Lieder sind Weihrauch und Widder, an welchen er sich am meisten ergötzt.”

Es geht also um eine Herzenshaltung. Es geht nicht um äußere Rituale. Das genau ist falscher Gottesdienst, wie wir es in der Lesung aus Amos 5,21 gehört haben, wo Gott einfach nur sagt: “Und wenn ihr mir auch Brandopfer und Speisopfer opfert, so hab ich kein Gefallen daran. Tu weg von mir das Geplärr deiner Lieder.” Der schönste Lobpreis – egal ob mit Orgel oder Bandmusik begleitet – ist vor Gott wertloses Geplärr, wenn er nicht von Herzen kommt. Stattdessen gibt es einen Lobpreis im Alltag, Opfer, die Gott gefallen, wenn wir uns ihm hingeben. Wie sagt Paulus:

dass ihr eure Leiber hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig ist. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst.

Und nun ist auch hier die Wortwahl interessant. Er sagt nicht: “Gebt eure Seelen hin als Opfer”, sondern “eure Leiber”. Dieses griechische Wort meint also nicht nur eine Innerlichkeit, sondern den ganzen Menschen mit Haut und Haar. Es gibt häufig eine gewisse Persönlichkeitsspaltung bei uns Christen. Dass wir den Glauben auf die Seele reduzieren, auf unsere inneren Gedanken und Gefühle. Auf besondere Momente im Leben, mal einen Sonntagsgottesdienst, ein Weihnachtsfest, eine Taufe, eine Hochzeit, eine Beerdigung. Auf Augenblicke, wo wir es brauchen, im Innern berührt zu werden. Aber Gott sagt: Moment, das ist kein Gottesdienst, sondern euer ganzer Mensch, Leib und Seele, Körper und Geist, Herz und Hirn und Hand, alles soll mir gehören. Weil ich euch doch auch als ganzen Menschen geschaffen habe, weil ich euch als ganzen Menschen lieb habe. Ich kümmere mich doch nicht nur um eure Seele und euer Seelenheil. Sondern mir ist doch euer ganzes Leben wichtig! Darum vertraut euch mir an, mit euerm ganzen Leben! Als ich noch Jungscharkind war, da hat mich der Satz sehr angesprochen: “Sei ganz Sein – oder lass es ganz sein!” Wir wollen ganz zu Jesus gehören. Nicht nur mit unserm Sonntag, mit unsern Feiertagen, sondern mit unserm Alltag. 366 Tage im Jahr.

“…dass ihr eure Leiber hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig ist.”

Diese Hingabe ist lebendig, weil sie nicht nur sonntags lebt, sondern das ganze Leben durchzieht. Sie ist heilig – weil sie zum heiligen Gott gehört. Das ist ja die Bedeutung von “heilig” – nicht, dass man ein perfekter, besonders frommer Christenmensch ist, wie es manche verstehen und dann zu einer “Heiligenverehrung” neigen. Und manch einer bekommt dann einen Heiligenschein verpasst – doch aus dem Heiligenschein wird auch schon mal ein Scheinheiliger. Nein: heilig sind wir, weil wir zum heiligen Gott gehören und das unser Leben prägen soll. Und diese Hingabe ist Gott wohlgefällig, d.h. er freut sich darüber.

Das also ist der Lobpreis des Lebens.

Und wenn wir nun dem Gottesdienstverlauf weiter folgen, kommt jetzt die Predigt.

 

4) Predigt

(Oh, jetzt fährt manchen ein Schreck durch die Glieder: Wie – jetzt kommt erst die Predigt? O weh, da kommt ja noch was auf uns zu… Keine Sorge: Es ist ja nur die Predigt in der Predigt.) Denn wir fragen uns: Was ist die Funktion der Predigt in einem Gottesdienst? Dass Gott zu uns spricht, dass sein Wort uns berührt, vor allem aber verändert. Und in den Worten des Paulus heißt es nun: Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes.

Es geht um Veränderung! Und nun denke ich, dass Martin Luther hier in der Übersetzung nicht so ganz glücklich formuliert hat. Es wirkt eher wie ein Appell: Strengt euch an, ändert euch! Auf geht’s! – Doch eigentlich steht da eine Passivform: Seid Veränderte! Lasst euch verändern. (vgl. die Elberfelder Übersetzung!) Das ist etwas, was wir bei allen guten Vorsätzen alleine oft nicht hinbekommen. Das neue Jahr ist schon 10 Tage alt – Hand auf’s Herz: Wie viele gute Vorsätze wurden verwirklicht? Nein, wir können uns nicht komplett selbst verändern – das wäre so, wie wenn Münchhausen sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen würde. Deshalb steht da die Passiv-Form: werdet verändert! Aber nun ist die Frage: Durch wen oder was? Es kann nur durch Gott selbst geschehen, und zwar durch Gottes Geist und durch Gottes Wort. Denn Gottes Wort ist eine wirkliche Kraft. Am Anfang des Römerbriefs spricht Paulus davon, dass es eine dynamis (= Kraft) ist – davon kommt unser Wort “Dynamit” – Was für eine Kraft steckt im Wort Gottes! 366 Tage Gottesdienst heißt auch 366 Tage Predigt – aber nicht hier in der Kirche von der Kanzel sich Predigten des Pastors anhören (also keine Angst, ihr armen Konfis!), sondern direkt aus dem Wort Gottes, das heißt: in der Bibel lesen, sie in unseren Alltag nehmen. Auf Gottes Wort hören, mit Gottes Wort leben. Die Bibel ist nicht nur ein “Lesebuch”, sondern ein “Lebebuch”. So kann Veränderung geschehen! Ich habe das erlebt in Krelingen bei einem ehemaligen Drogenabhängigen. Als der nach Krelingen kam, hat der wochen- ich glaube sogar, monatelang kein Wort gesagt. Er lief extrem gebückt, dass man gar nicht sein Gesicht sehen konnte – und ich hab mich gefragt: Hat der Kerl überhaupt einen Mund? Man sagte ihm “Guten Tag” – keine Antwort. “Wie geht’s?” – keine Antwort. Und irgendwann ist der Bursche zum Glauben gekommen. Und dann setzte eine wirklich Veränderung ein, die keiner für möglich gehalten hätte. Er richtete sich auf, er fand seine Sprache wieder, er wurde fröhlicher. Und: alle, die ihn kannten, staunten nicht schlecht: Eines Tages stand er im Gottesdienst vorne am Pult und machte die Lesung! Veränderung! Das ist die Kraft des Wortes Gottes.

Es ist auch eine Kraft, die uns hilft, gegen den Strom des Zeitgeistes zu schwimmen. “Stellt euch nicht dieser Welt gleich!” Wörtlich: Lebt nicht nach dem Schema dieser Welt! Wer nur den Sonntagsgottesdienst kennt – dem kann es passieren, dass er im Alltag und in der Woche gar nicht als Christ wahrgenommen wird – weil er sich überhaupt nicht unterscheidet von allen andern. Aber wer 366 Tage Gottesdienst lebt, der will im Kontrast zu einer Welt leben, die Gott nicht kennt. Tote Fische sind kein schöner Anblick. Die treiben oben auf der Wasseroberfläche und lassen sich einfach mitreißen mit dem Strom. Aber lebendige Fische schwimmen gegen den Strom, sind nicht oberflächlich, sondern haben Tiefgang, Kraft und Mut sich zu unterscheiden von andern. Wo unterscheiden wir Christen uns von der Welt? Hoffentlich nicht negativ, sondern als Hoffnungsträger!

Das jedenfalls ist die Aufgabe der Predigt: Dass Gottes Wort zu uns spricht, uns verändert, erneuert, bewegt.

 

5) Fürbittengebet

In einem normalen Gottesdienstablauf folgt nun das Gebet. Vor allem das Fürbittengebet. Und in den Worten des Paulus, die wir heute wie einen Gottesdienst betrachten, geht es nun um den Willen Gottes. Und genau das ist der Inhalt unserer Fürbitten. Nicht umsonst heißt es im Vaterunser: “Dein Wille geschehe!” Und bei all unseren Fürbitten und Bitten sollte das im Vordergrund stehen: Dass sich Gottes Wille in der Welt durchsetzt! Martin Luther schreibt im Kleinen Katechismus: “Gottes guter, gnädiger Wille geschieht auch ohne unser Gebet; aber wir bitten in diesem Gebet, dass er auch bei uns geschehe.” – Das heißt, der Beter ist im Gebet nicht außen vor. Wenn wir für die Not in der Welt bitten, dann beinhaltet das immer auch die Frage: Was ist unser Auftrag dabei? Wo ist unser Platz? Darum sagt Paulus: damit ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist. Nämlich Gottes Wille für unser Leben! Die Jugendlichen haben oft ein gutes Hilfsmittel: Viele tragen ein Armband mit den Buchstaben WWJD – What would Jesus do? Was würde Jesus tun? Diese einfache Frage ist schon mal eine gute Möglichkeit zu erahnen, was Gottes Wille ist – wenn wir auf Jesus schauen: Was würde Jesus tun?

Schließlich folgt im Gottesdienst noch der Segen.

 

6) Segen

Und in dem Römertext heute Morgen folgt: Das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene. Ja, das ist eine gute Zusammenfassung des Segens. Unser Segen endet ja mit den Worten “und er gebe dir Frieden.” Frieden – Schalom – ist in der Bibel mehr als nur ein bisschen innere Ruhe. Es meint eigentlich das Vollkommene, das Ganze, das Heilsein. Wir selbst können auf der Erde nie ganz vollkommen sein. Aber wir dürfen in aller Gebrochenheit, in allem Unfertigen, in allem Bruchstückhaften doch Gottes Frieden erfahren, sein Heilsein, das Gute, das er uns schenkt. Heilung von Wunden und Verletzungen. Seine Hilfe, seinen Trost, seine Kraft. Das ist Segen. Und wenn wir 366 Tage im Jahr Gottesdienst haben, dann bedeutet das auch 366 Tage Segen. Jeden Tag unter seinem Segen leben. Was für eine Geborgenheit uns dadurch geschenkt wird! Er ist immer mit uns und hält seine Hände segnend und heilend über uns.

Nun könnte man enden. Mit dem Segen endet der Gottesdienst. Oder? Doch abgesehen davon, dass das nun 6 Bestandteile waren – und die biblische Zahl der Vollkommenheit aber die “7” ist, also irgendwas noch fehlt -, stimmt es auch nicht, dass der Segen das Ende des Gottesdienstes ist. Nein, er ist vielmehr der Beginn des Gottesdienstes zu Hause im Alltag.

 

7) Nach Hause gehen

Und auch bei Paulus ist nun nicht Schluss. Er endet nicht mit den schönen Worten, mit dem “Guten und Wohlgefälligen und Vollkommenen” – sondern er wird in den folgenden Versen konkret, wenn er beschreibt, wie der Gottesdienst im Alltag nun aussieht. Da wird es ganz praktisch:

Die Liebe sei ohne Falsch. Hasst das Böse, hängt dem Guten an. Die brüderliche Liebe untereinander sei herzlich. Einer komme dem andern mit Ehrerbietung zuvor.
Seid nicht träge in dem, was ihr tun sollt. Seid brennend im Geist. Dient dem Herrn.
Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet.
Nehmt euch der Nöte der Heiligen an. Übt Gastfreundschaft.
Segnet, die euch verfolgen; segnet, und flucht nicht.
Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden.

So sieht Gottesdienst aus. Gott schenke es uns und helfe uns dabei, dass wir diesen Gottesdienst feiern können, dass wir Gott dienen, weil Gott uns dient. Das ist Gottesdienst. 366 Tage im Jahr!

Amen.